Interview mit Bernhard Niewöhner
Preußen-Münster-Geschäftsführer über die sportliche Krise

Münster -

Eine so verantwortungsvolle wie im Augenblick besaß Bernhard Niewöhner beim SCP noch nie. Als Geschäftsführer kümmert er sich an der Seite von Malte Metzelder, der vor allem für den Sport verantwortlich ist, um die wirtschaftlichen Belange des Vereins. Keine dankbare Aufgabe. Die dringenden Fragen dieser Wochen beantwortet er dennoch mit einer Portion Gelassenheit.

Mittwoch, 20.11.2019, 15:36 Uhr
Interview mit Bernhard Niewöhner: Preußen-Münster-Geschäftsführer über die sportliche Krise
Bernhard Niewöhner Foto: Jürgen Peperhowe

Viele Fäden laufen auf dem Schreibtisch von Bernhard Niewöhner zusammen. Es gibt so gut wie nichts, was der Geschäftsführer beim SC Preußen entgeht. Zu den brennenden Themen – von der sportlichen Krise (auch der U 19) über die Besetzung der Gremien, die finanziellen Sorgen bis zum Stadion-Umbau – äußert er sich im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die sportliche Schieflage: „Die Situation ist prekär, und die Tabelle ist letztendlich das Maß der Dinge. Wir benötigen also dringend Erfolgserlebnisse.“

Nachverpflichtungen im Winter:„Der Verbleib in der 3. Liga ist das oberste Ziel, wir werden alles dafür tun, was mit unseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen möglich ist“, sagt Niewöhner. Aber: Die im Etat veranschlagten Mittel sind Stand heute komplett ausgereizt. Allein durch den Zuschauerschwund droht ein Minus von 200 000 Euro. „Wir sind bei Null in den Planungen.“

Coach Sven Hübscher: „Der Trainer erhält nach wie vor unser Vertrauen. Das Spiel gegen Braunschweig letzte Woche hat Mut für eine baldige Trendwende gemacht.“

Seine persönliche Zukunft:Ewig möchte Niewöhner den Geschäftsführer-Job nicht ausüben, ursprünglich war er ja ohnehin übergangsweise eingeplant. Aber aus dem Staub wird er sich auch nicht machen. „Ich bin ein Freund dessen, alles geregelt zu übergeben.“

Zusätzliche sportliche Kompetenz: Mit einem Ausscheiden von Walther Seinsch und Christoph Metzelder entstünde zumindest in den Gremien ein Vakuum. Niewöhner räumt ein, dass neue Köpfe dem Verein sehr gut täten. „Unsere Ex-Spieler sind da vielleicht, anders als bei Bundesligisten, nicht so tief im Business vernetzt. Aber diese Art Fachkenntnis fehlt uns etwas.“ Ob etwa der Münsteraner und frühere Profi Christian Pander ein Name wäre? „Nicht uninteressant“, sagt Niewöhner.

Die schwierige Suche nach neuen Geldern: Die Stadt biete viele namhafte Firmen, die aber aktuell nicht das einbringen, was ihre Finanzkraft hergibt, so Niewöhner. „Wir befinden uns immer wieder in vielen guten Gesprächen, tun uns aber schwer, die Unternehmen für ein Engagement bei uns zu begeistern.“ Vieles, eigentlich alles, hänge vom Stadionumbau ab, dann stünden Interessenten bereit.

Die U 19: Sieglos Letzter in der Bundesliga West – auch hier ist, obwohl das rettende Ufer nur drei Zähler entfernt ist, dringend Verstärkung notwendig. Niewöhner: „Anders als die U 17 spielen die A-Junioren nicht so, wie wir es erwartet hatten.“ Wenn möglich, will der SCP ebenfalls nachjustieren, oft bieten sich Reservisten oder Rekonvaleszenten aus Dortmund oder Schalke an.

Die finanziell enteilende Konkurrenz: Halle, Unterhaching oder Magdeburg sind in den letzten Jahren vorbeigezogen. „Wir haben hingegen zum zweiten Mal drastisch die Gehaltskosten gesenkt“, so Niewöhner. Die Ausgliederung diente vor allem der Entschuldung und der Umwandlung von Darlehen in Anteile und Eigenkapital. „Die Gelder sind nicht dem sportlichen Bereich zugeflossen.“ Die 3. Liga hat nahezu die gleichen Anforderungen wie die Bundesligen, rechnet sich aber nicht. „Es ist nicht verwunderlich, dass die Verschuldung in der Spielklasse auf Rekordniveau liegt.“ Niewöhner sieht praktisch alle Clubs gehörig unter Druck: „Gesunde Vereine? Kaum möglich. Wir hätten auch gerne mal eine halbe Million Euro im März auf der hohen Kante. Aber das schaffen nur ganz wenige.“

Das Nachlizenzierungsverfahren: „Wir denken, dass wir unsere Hausaufgaben im Sommer gemacht und weitere Einsparpotenziale genutzt haben. Welche Höhe ein Delta haben könnte, ist offen“, sagt Niewöhner. Völlig unklar ist auch noch, wie sich der neue Pacht- und der Zuschussvertrag über das Stadion mit der Stadt auswirkt. Der Club habe sich in den letzten Jahren einen guten Stand beim DFB erarbeitet. „Wir gehen davon aus, dass unsere Erklärungen akzeptiert werden.“

Walther Seinsch: Der Unternehmer macht sich vor allem aus gesundheitlichen Gründen rar, ist aber als Aktionär erheblich an der KGaA beteiligt. „Ich gehe davon aus, dass er sich wieder vermehrt einbringt, wenn die Bagger am Stadion rollen“, sagt Niewöhner. „Ich glaube, dann wird er auch in die Mannschaft investieren.“ Eine erneute Kandidatur des 78-Jährigen für den Aufsichtsrat bei der Jahreshauptversammlung im Januar ist unwahrscheinlich. Das gilt auch für Christoph Metzelder, der sich bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe vollständig zurückgezogen hat.

Der Vertrag von Sportchef Malte Metzelder:Er läuft zum Saisonende aus. Über die Weiterbeschäftigung entscheidet der Beirat der Komplementär GmbH. „Als wir uns vor drei Jahren angenähert haben, wollten wir eigentlich nach oben. Zurzeit verwalten wir nur den Status quo.“ Niewöhner sagt auch: „Ich als Kollege würde gern verlängern. Die Gremien sehen das auch so.“

Präsident Christoph Strässer: Niewöhner hat die Hoffnung auf einen Verbleib noch lange nicht aufgegeben. „Er ist für das, was wir noch vorhaben, der ideale Mann. Sie werden staunen, wie er Sitzungen leitet, welche Auffassungsgabe er besitzt, wie er Dinge geraderückt. Ich finde ihn richtig gut.“ Die Überlegungen, nach nur einer Amtszeit auszuscheiden, beruhen vor allem auf dem Alter des heute 70-Jährigen, der sich noch in diesem Monat entscheiden will. Im Januar wird das Präsidium neu benannt. Verbessern will sich der SCP, auch mit Blick auf den Zuschauerrückgang, im Bereich der öffentlichen Wahrnehmung. „Da haben wir klare Defizite.“ Es könnte ein auf den Sektor Marketing spezialisiertes neues Präsidiumsmitglied weiterhelfen.

Das Nachwuchsleistungszentrum: Ein Muss für die Weiterentwicklung und den nachhaltigen Bestand des SCP. Ein Abstieg der A-Jugend käme „genau zur falschen Zeit“, wie Niewöhner sagt. „Für die Anerkennung als NLZ wäre es zwar unerheblich, sportlich aber gravierend.“ Fortschritte für den Erhalt des angestrebten Zertifikats bleiben ohnehin bislang aus. Dem Club fehlen hierfür die nötigen Trainingsflächen, konkret in Aussicht sind solche auch im Stadtgebiet nicht, Pachtverträge kommen nicht infrage. „Hätten wir die Plätze, würden wir sofort den Antragsknopf drücken.“

Die Dezember-Ratssitzung zur Stadionsanierung:Angst, dass noch etwas schief geht, hat Niewöhner nicht. „Wir waren dreimal im Rat, dreimal haben alle zugestimmt. Wir vertrauen der Zusage in Höhe von mindestens 40 Millionen Euro.“ Sein Eindruck: Die Summe ist allein für Stadion und Infrastruktur veranschlagt. Seine Hoffnung: Mit Baubeginn ergeben sich auch neue wirtschaftliche Chancen durch Sponsoren.

Tausendsassa seit Jahrzehnten

Bernhard Niewöhner steht den Preußen seit über 45 Jahren treu in zahlreichen Funktionen zur Seite. Er begann Anfang der 70er für drei Jahre als B-Jugend-Trainer, coachte dann zwölf Jahre die A-Jugend und wurde in dieser Zeit auch Nachwuchs-Koordinator. Den Posten bekleidet er auch heute, zwischendurch hatte er ihn an Manfred Henning abgegeben. 2016 wurde er in den Vorstand berufen und rückte nach der Ausgliederung auch in die Beiräte der KGaA. Diese Stellen gab er allerdings ab, als er kurz darauf zum kaufmännischen Geschäftsführer aufstieg. Noch ehe der heute 68-Jährige zum SCP kam, engagierte er sich im Fußballkreis. Er saß dem Jugend-Ausschuss viele Jahrzehnte vor, war Staffelleiter und ist auch heute noch Leiter des Nachwuchs-Spielbetriebs.

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