Fußball, Futsal und Handball
Universal-Torhüterin Klimas hilft Westfalia als Quereinsteigerin in der Not

Münster -

Im Futsal-Tor ist Kathrin Klimas eine der Besten in Deutschland, im Fußball-Kasten schaffte sie es in die 2. Bundesliga. Aber da sie erst 26 ist, probiert die Studentin noch mal was ganz anderes aus. Handball. Nicht ganz unten auf Kreisebene, sondern gleich in der Verbandsliga bei Westfalia Kinderhaus.

Donnerstag, 21.11.2019, 16:23 Uhr
Kathrin Klimas (r.) neben Jutta Müller-Deile beim Spiel in Lünen
Kathrin Klimas (r.) neben Jutta Müller-Deile beim Spiel in Lünen Foto: Jörg Riemenschneider

Diese ganze verrückte Nummer begann im Auto, auf dem Rückweg von einer Party. Am Steuer: Jutta Müller-Deile, Kreisläuferin bei den Verbandsliga-Handballerinnen von Westfalia Kinderhaus. Auf der Rückbank: Kathrin Klimas, Torhüterin bei den bundesweit führenden Futsal-Frauen des UFC Münster und bis vor kurzem auch als Fußballerin hochklassig zwischen den Pfosten, in der 2. Liga beim SV Meppen.

Die Fahrerin erzählte, dass ihrem Team die Keeper ausgingen und scherzte, dass ihre Bekannte doch einspringen könne. Doch es blieb nicht bei der wilden Idee, irgendwie kam die Thematik bei jedem Treffen auf – und irgendwann stand Klimas dann einfach in der Halle.

Natürlich nicht, ohne vorher mit Trainer Florian Ostendorf, der schon via Kontaktanzeige und Social Media nach Ersatz gesucht hatte, in Kontakt getreten zu sein. Doch der, selbst jahrzehntelang Torhüter, konnte sowieso nicht Nein sagen. Schließlich fallen mit Kim Farwick und Christine Voß seine Nummern eins und zwei langfristig aus. Auch Ruth Hesselhaus, der aktuelle Rückhalt, musste erst nach zweijähriger Pause reaktiviert werden. Demnächst springt auch die routinierte Ina Kriens mal wieder ein.

All das ist aus der Not geboren. Wie groß die ist, zeigt, dass Klimas nach wenigen Trainingswochen zuletzt sogar schon im Top-Spiel bei Spitzenreiter Lüner SV auf der Bank saß. „Da war ich mit den Abläufen am Spieltag erst mal überfordert und habe super viele Fragen gestellt“, erzählt sie. Beim Warmmachen fliegen im Handball im Sekundentakt Würfe auf die Kiste. Im Bällehagel machte die 26-Jährige aber eine ganz gute Figur. Und Furcht vor einem baldigen Einsatz hat sie sowieso nicht. „Wenn’s passiert, dann passiert’s halt ...“

Da die Einheiten aktuell mit denen beim UFC kollidieren, ist Klimas nur dienstags vor Ort. Ihren Ehrgeiz auf neuem Terrain mindert das nicht. „Grob kannte ich die Regeln vorher, die Details wurden mir dann schnell erklärt.“ Es soll nämlich nicht beim Intermezzo bleiben, auch wenn die arrivierten Damen wieder fit sein sollten. „Nee, das möchte ich jetzt schon länger durchziehen. Ich bin ein Typ, der gern viel ausprobiert.“ Bei Ex-Keeper Ostendorf und Martin Kavermann, seit Jahren ein renommierter Torwarttrainer, scheint sie in besonders guten Händen für den Quereinstieg.

Drei Fragen an Florian Ostendorf

 

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Die Berührungspunkte mit dem neuen Sport waren bis dato überschaubar. „Meine beiden Mitbewohner haben immer Handball gespielt. Ich hatte schon Bock, das auch irgendwann selbst zu versuchen“, sagt sie. Und in der Uni belegte die Lehramtsstudentin (Mathe und natürlich Sport) mal einen Kurs. „Da habe ich aber im Feld gespielt.“ Als Ostendorf das hört, grinst er sofort. Könnte man ja auch noch mal austesten.

Wen würde es wundern? Weggefährten bezeichnen die gebürtige Drensteinfurterin ja als „positiv verrückt“, sobald es auf den Platz geht. Als sie in der vergangenen Saison nach sechs Jahren in Meppen ausstieg und sich auch das Fußball-Kapitel mit den UFC-Mädels beim SV Mauritz schnell wieder erledigt hatte, „waren auf einmal einige Abende frei“. Der Weg zu Westfalia – und damit gleich zur besten Adresse Münsters und nicht etwa zu einem Kreisliga-Team – war letztlich, wie anfangs beschrieben „reiner Zufall, das hat sich eben so ergeben“. Die neuen Kolleginnen warfen sich aber sofort ins Zeug und erleichterten den Start.

Und sobald Klimas im Kasten steht, ist sie sowieso in ihrem Element. „Die Bewegungen sind ähnlich wie beim Futsal, nur etwas weiter oben. Insgesamt ist vieles sehr nah dran.“ Das Gehäuse ist ja sowieso dasselbe. Natürlich sind da auch Unterschiede. „Am schwierigsten ist es, dass ich nicht wirklich antizipieren kann, wohin die Bälle kommen und dass sie von oben auf mich zufliegen." Im Gegensatz zum Fußball oder Futsal verstehen sich die Torleute grundsätzlich als Team und wechseln sich in der Regel während der Partien ab. Das gefällt der Newcomerin. Klar ist auch: Für sie muss es immer Mannschaftssport sein.

Zeitsparend ist die neue Aufgabe zumindest im Vergleich zur Zweitligazeit für die Münsteranerin ohnehin. „Da war ich ja oft zwei, drei Stündchen länger mit dem Zug ins Emsland unterwegs. Jetzt fahre ich mal eben rüber nach Kinderhaus.“ Klingt fast so, als sei da noch Raum für eine weitere Disziplin. Vielleicht sucht der THC Münster ja noch eine Hockey-Torhüterin.

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