Fußball: Bezirksliga
Truckenbrod verlässt Albachten sauber und auf Raten

Münster -

Wie genau es für den Vollblutfußballer Jens Truckenbrod im Sommer weitergeht, steht noch in den Sternen. Seinen Mission als Coach des Bezirksligisten Concordia Albachten aber endet schon jetzt, danach bleibt er als Spieler und Teil des Trainerteams noch für ein halbes Jahr. In seiner Zeit beim Vorortclub hat der 39-Jährige eine Menge erlebt. Und erreicht.

Freitag, 06.12.2019, 11:14 Uhr aktualisiert: 07.12.2019, 17:44 Uhr
Erfolgreiches Gespann: Jens Truckenbrod (r.) und Fabian Fröhning geben den Trainerposten an Marco Müller weiter.
Erfolgreiches Gespann: Jens Truckenbrod (r.) und Fabian Fröhning geben den Trainerposten an Marco Müller weiter. Foto: Johannes Oetz

Zu behaupten, Jens Truckenbrod sei ein Glücksfall für Concordia Albachten (gewesen), erscheint kaum vermessen. Erstmals in der 64-jährigen Clubgeschichte gelang dem Dorfverein in diesem Sommer der Aufstieg in die Bezirksliga. Als häufig auch spielender Coach hatte der Ex-Profi, der mit seiner Familie im Ort wohnt, daran den größten Anteil. Nach vier Jahren verlässt er allerdings 2020 die Hohe Geist. „Ich bin ein Fan von klaren Sachen“, sagt er.

Ganz oder gar nicht. Für viele kommt sein Rückzug, der mit der Übergabe des Trainerpostens an Marco Müller in der Winterpause beginnt, überraschend. Truckenbrod hatte aber schon länger darüber nachgedacht. „Ich hab’s nur nicht so rausposaunt.“ Am Dienstag informierte er die Mannschaft, die als Tabellenzwölfter derzeit fünf Zähler vor den Abstiegsplätzen liegt. „Ich will jetzt noch die Klasse halten und dann sauber rausgehen“, sagt der 39-Jährige. Beitragen möchte er als Teil des Trainerteams, vermehrt aber auch auf dem Feld. Wer den einstigen Rekordspieler der 3. Liga früher im Trikot von Preußen Münster sah, weiß, dass ihm die Fitness dafür quasi angeboren ist.

„Es ist besser, so langsam ins zweite Glied, in die zweite Reihe zu rücken. Marco lernt so die Strukturen kennen, lebt sich ein. Die Hauptverantwortung liegt nicht mehr bei mir. Und ich glaube, dass ich auf dem Platz gerade mehr helfen kann.“ Müller, der von Fortuna Schapdetten kommt, ist ab sofort der Chef am Rand. Der 43-Jährige ist ein Kumpel von Truckenbrod geworden, natürlich hat er ihn zur Concordia vermittelt. „Er hat Empathie, arbeitet gern mit jungen Spielern, setzt unseren Weg fort.“ Mit einbezogen darf sich Fabian Fröhning, der Co-Trainer, ebenfalls fühlen. Auch er wird künftig allenfalls noch hier und da mitkicken. Für alles andere reicht berufsbedingt die Zeit einfach nicht.

Anders als der Assistent, der Albachten zumindest nominell auch zur neuen Saison treu bleiben will, zieht der Noch-Chefcoach dann den Schlussstrich. Warum eigentlich? „Mir fehlt nach dreieinhalb Jahren als Trainer etwas die Energie. Ich habe viel reingesteckt, habe unsere Ziele erreicht.“ Bemerkenswert, wie aus einem Team, das oft im vorderen Drittel, aber nie ganz oben in der Kreisliga A landete, ein doppelter Meister wurde. 2017 folgte auf Platz eins der bittere Doppel-K.o. in der Aufstiegsrelegation gegen den VfL Wolbeck und Adler Buldern. Eine Saison benötigte Concordia, um das aufzuarbeiten, dann gelang der überaus souveräne Durchmarsch. Die Krönung wäre jetzt der Klassenerhalt.

Punkt zwei für den einstigen Mittelfeldspieler ist die berufliche Ausrichtung. Nach seiner Profilaufbahn und einer Ausbildung im SCP-Umfeld orientierte er sich zunächst in die freie Wirtschaft, bildete sich auf ganz verschiedenen Wegen fort. Jetzt aber zieht es ihn wieder in den Fußball. „Hier habe ich meine Expertise, hier liegt meine Leidenschaft. Da muss ich mir nichts vormachen. Alles andere, was ich gemacht habe, hat mich weitergebracht, aber das war nicht ich.“

Truckenbrod, der vom Bodensee stammt, in der Jugend von Borussia Mönchengladbach ausgebildet wurde und später für den FC Schaffhausen, die SF Siegen, Dynamo Dresden, Carl Zeiss Jena und den SCP spielte, möchte gern wieder von morgens bis abends mit dem runden Leder konfrontiert sein. Dafür muss es ihn gar nicht zwingend aus Münster wegziehen. „Wir fühle uns hier sehr wohl, meine beiden Söhne gehen hier zur Schule, Damian spielt sogar in der U 13 beim SCP.“

Welche Position für ihn letztlich in Frage kommt, muss die Zukunft zeigen. „Ich kenne viele Leute, habe ein großes Netzwerk.“ Da muss ja fast zwingend die Frage nach einem Job beim Adlerclub kommen. Nur so viel sagt Truckenbrod: „Ohne Herz geht’s nicht. Und meins hängt natürlich immer noch irgendwie an Preußen.“

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