Fußball: 3. Liga
Cueto erlöst Preußen vom Auswärtsleid und versüßt Hildmann-Debüt

Jena -

Die Liga-Premiere als Preußen-Trainer ist geglückt. Sascha Hildmann gewann mit seinem neuen Team das Kellerduell bei Carl Zeiss Jena mit 2:1. In großen Teilen war er mit diesem Auftritt zufrieden, nur zehn Prozent missfielen ihm. Und: Es war im zehnten Auswärtsspiel der erste SCP-Sieg.

Sonntag, 26.01.2020, 15:18 Uhr aktualisiert: 26.01.2020, 16:59 Uhr
Der Gang in die Kurve war für die Spieler ein Genuss.
Der Gang in die Kurve war für die Spieler ein Genuss. Foto: Jürgen Peperhowe

Die beiden Gesichter des kleinen Preußen-Aufschwungs merkten es ganz nebenbei einfach mal an. „War der erste Auswärtssieg, oder?“, fragten Trainer Sascha Hildmann und Abwehrchef Jan Löhmannsröben unabhängig voneinander. Ja, der 2:1 (1:0)-Erfolg des bisherigen Vorletzten beim Schlusslicht Carl Zeiss Jena markierte das Ende der Minusserie im zehnten Anlauf für das weiter in der Fremde schwächste Team. Er bedeutete aber vor allem, dass der Rückstand aufs rettende Ufer nur noch bei drei Zählern liegt, dass Münster wieder stabile Abwehrleistungen liefern kann und dass der Glaube an den Klassenerhalt zurück ist.

„Wichtig für die Psyche“ fand der Coach das Resultat. „Das bringt Sicherheit. Wir haben 90 Prozent von dem rübergebracht, was wir in der Vorbereitung angedeutet haben. Hoffentlich gibt das einen Ruck.“ Im Mittelpunkt stand Doppeltorschütze Lucas Cueto. Erst schnappte er sich den Ball – eine Absprache gab es nicht – und verwandelte den von Dominik Volkmer verursachten Handelfmeter (33.). Dann nahm er die von Luca Schnellbacher in der eigenen Hälfte per Kopf abgelegte Kugel auf und reichlich Anlauf, ehe er sie aus 25 Metern am verdutzten Jo Coppens vorbei ins Netz schlenzte (68.). Zwei Tore als Beleg für seine Top-Form. „Es war einzig logisch, ihn zu bringen. Er hat sich immer angeboten“, so Hildmann.

Schulze Niehues in Galaform

Gleich zweimal wurde Max Schulze Niehues zum Retter des Sieges. Gegen Julian Günther-Schmidt war er beim 1:1 zwar machtlos, obwohl er zuvor den Schuss von Kilian Pagliuca pariert hatte, danach aber verhinderte er gegen den Jenaer Stürmer mit grandiosen Paraden (70., 82.) den Ausgleich. „Dafür arbeiten wir ja hart, aber es passiert vor allem intuitiv“, sagte der Keeper nachher. „Der Angreifer stand mit dem Rücken zum Tor, da waren es auch einfach Reflexe.“ Aber wertvolle. „Beim 2:1 kann das Spiel noch kippen, diese Erfahrung haben wir ja leider oft gemacht“, so der 31-Jährige. „Es war ein guter Fight. Wir gucken dennoch nur auf uns. Es kommen weitere 17 Endspiele.“

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Die zehn Prozent, die ihm noch nicht gefielen, betrafen weniger das Gegentor. Da kamen die klar verbesserten Okan Erdogan und Simon Scherder nach dem Pass von Daniele Gabriele einen kleinen Schritt zu spät gegen Kilian Pagliuca, ehe Max Schulze Niehues parierte und Julian Günther-Schmidt abstaubte (61.). Zuvor hatten aber vor allem Philipp Hoffman und Fridolin Wagner gepatzt, Jan Löhmannsröben war getunnelt worden. Nein, der Trainer haderte mit den Szenen, in denen nach der Pause die großen Räume ungenutzt blieben. „Genau auf diese Aktionen warten wir ja, da haben wir uns verzettelt, zu viel Kleinklein gespielt.“ Auch die Anfangsphase war holprig, der Gastgeber hatte mehr Biss. „Zehn, zwölf Minuten haben wir gebraucht, bis Positionsspiel und Freilaufverhalten funktioniert haben.“ Aber danach war Münster wacher, galliger und vor allem ballfertiger und zielstrebiger.

Drei Fragen an Lucas Cueto

Gewinner der Vorbereitung und nun sofort Mann des Tages. Lucas Cueto hatte einen formidablen Einstieg ins neue Jahr.

Können Sie Ihr Traumtor zum 2:1 schildern? Cueto: Ehrlich gesagt hatte ich mir einen Steckpass auf Seref Özcan vorgenommen, dann habe ich aber gesehen, dass der Keeper einen Tick weit vor dem Tor steht. Ich wollte erst abspielen, habe es dann aber einfach probiert. Ich bin froh, dass der Ball drin war.

Wann haben Sie geahnt, dass Sie anfangen? Cueto: Ich habe einfach meine Arbeit gemacht, hatte eine gute Vorbereitung. Aber der Trainer entscheidet. Einzelschicksale zählen sowieso nicht. Wir müssen über den Strich, alle ordnen sich dafür unter.

Wie wichtig war dieser Sieg für den Kopf? Cueto: Schön, dass wir in unserer Situation so gestartet sind, uns belohnt haben. Aber wir können uns nicht ausruhen, ehe wir gerettet sind.

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Auch die Standprobleme legten die in Rot gekleideten Preußen größtenteils ab. Cueto gab gegen Coppens den ersten Versuch ab (24.), für die Thüringer gab’s allenfalls Halbchancen. „Wir haben fast nichts zugelassen“, so Hildmann. Nach der Pause hätte der SCP gut und gerne nachlegen können. Jedoch blieben viele Vorstöße mangels Konzentration auf der Strecke. Seref Özcan etwa legte sich den Ball nach Julian Schauertes Pass zu weit vor (53.). Weitere Angriffe blieben unvollendet. „Klar, wir können die Konter besser ausspielen“, räumte auch Löhmannsröben ein.

Özcan kommt früher rein als geplant

Als einziger Neuzugang stand Jan Löhmannsröben in der Startelf. Im Mittelfeld erhielt Kevin Rodrigues Pires den Vorzug vor Nico Brandenburger, vorne durfte Lucas Cueto ran, während Seref Özcan auch wegen einer Knöchelprellung zunächst auf der Bank saß. Zur Pause kam er dann für den gelbvorbelasteten Maurice Litka. „Früher als abgesprochen, aber es ging gut“, sagte er. Trainer Sascha Hildmann hatte eine große Kaderauswahl, neben Jannik Borgmann (verletzt), Ole Kittner (gesperrt) und Naod Mekonnen (angeschlagen) schafften es auch der gerade genesene Ersatzkeeper Oliver Schnitzler, Niklas Heidemann, Joel Grodowski, Dominik Klann, Ugur Tezel und Marcel Hoffmeier nicht ins 18er-Aufgebot.

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Der Ausgleich drohte die Partie zu wenden, doch Cueto hatte etwas dagegen. Nach dem versehentlichen, aber schmerzhaften Tritt von Meris Skenderovic samt Platzwunde und Roter Karte (77.) spielten die Adler sogar in Überzahl. Schulze Niehues musste den Sieg gegen Günther-Schmidt jedoch zum zweiten Mal retten (70., 82.), während Cueto (79.) und Wagner (87.) freistehend die Entscheidung versiebten. Als Dominik Bock in der Nachspielzeit einen Freistoß über den Kasten setzte, atmete der SCP schon ein bisschen auf. Auch große Teile des Aufsichtsrats auf der Tribüne. „Unglaublich wichtig, wir haben gezittert“, jubelte der Vorsitzende Frank Westermann. Das Signal war aber eindeutig: Münster lebt.

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