Fußball: 3. Liga
Preußen-Diskussionsrunde mit Vorwürfen, Eingeständnissen und Konstruktivem

Münster -

Nicht nur die Debatte um die Zuwegung zu den Blöcken O, A und B zeigte, dass die Clubführung von Preußen Münster Nachholbedarf in der Kommunikation hat. Eine Diskussionsrunde am Mittwoch, die nicht nur dieses Thema behandelte, lieferte hitzige Debatten, aber am Ende überraschend noch versöhnliche Töne.

Mittwoch, 05.02.2020, 21:16 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 22:02 Uhr
Fußball: 3. Liga: Preußen-Diskussionsrunde mit Vorwürfen, Eingeständnissen und Konstruktivem
SCP-Präsident Christoph Strässer (l.), Veranstsaltungsleiter Thomas Hennemann (M.) und Preußen-Geschäftsführer Bernhard Niewöhner. Foto: Thomas Rellmann

Das Preußen-Unwort des Jahrzehnts lautet fraglos „Kommunikation“. Sobald ein für Fans unangenehmes Thema auf den Tisch kommt, lässt die Reaktion nicht lange auf sich warten. Die Art und Weise, wie die Clubbosse Dinge nach außen tragen, wird in der Regel heftiger kritisiert als der Inhalt. Was reflexartig und hypersensibel wirkt, ist jedoch nicht immer von der Hand zu weisen, weil in der Vergangenheit tatsächlich oft das Gespür für die Belange der Anhängerschaft fehlte. Andererseits mangelt es den Diskursen dadurch häufig an Tiefe. Argumente rückten meist in den Hintergrund. Dabei gibt es für die Beschlüsse des Vereins (oder inzwischen der KGaA) meist ja Gründe.

Wir haben in der letzten Woche einen großen Fehler begangen und haben die Reaktion völlig falsch eingeschätzt.

Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann

Jüngstes und geradezu ein Paradebeispiel für diese Beobachtungen war in der Vorwoche die geplante Zuwegungsänderung für einen besseren Zugriff auf den Block O, die nach massivem Protest (on- wie offline), an dem sich auch das Fanprojekt beteiligte, zügig zurückgenommen wurde. Die von der Geschäftsführung und Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann in diesem Fall erst hinterher informierten Gremien reagierten nicht nur durch die Aufhebung, sondern luden sogleich auch zur Diskussionsrunde in der Haupttribüne. „Eine Woche zu spät“, wie Clubchef Christoph Strässer am Mittwoch gestand, der gleichzeitig die Reaktion in der Kurve im Heimspiel gegen Duisburg lobte. Dennoch ein guter Schachzug mit Blick auf die Herkulesaufgabe Klassenerhalt und den dafür benötigten Schulterschluss?

Ich habe noch im Januar Transparenz gepredigt. Insofern kann ich die Häme, die mir entgegen- geschlagen ist, verstehen.

Präsident Christoph Strässer

Grundsätzlich ja, es folgten rund 60 Interessierte der Einladung. Indes sollen die in erster Linie betroffenen Ultras einen separaten Termin bekommen. Dennoch drohte die Debatte früh in Richtung eines Themas abzudriften: Pyrotechnik. Ein Punkt ohne Aussicht auf Lösung an diesem Abend. Allmählich kam ans Licht, dass sich zahlreiche Fans in vielen Dingen alleingelassen fühlen. „Kern allen Übels ist die fehlende Wertschätzung“, sagte ein Gast. „Es zeichnet sich ein klares Bild. Die Botschaft kommt an“, so Strässer. Er betonte aber auch: „Wenn alles doof ist, lautet die ganz klare Aufforderung: Geht in die Verantwortung.“

Hennemann erklärte, warum der SCP seinen aktiven Fans, die mehrfach (in dieser Saison zweimal) durch Rauchtöpfe oder Bengalos auffielen, durch die Nichtsperrung ihres Blocks und dann erneut durch den Verzicht auf die veränderte Zuwegung, die auch Zuschauer der Sitzblöcke A und B beeinträchtigt hätte, entgegengekommen war. Zudem fürchten die Geschäftsführer Bernhard Niewöhner und Malte Metzelder wie auch der Veranstaltungsleiter nach anwaltlicher Beratung, dass sie im Falle von Verletzten in Haftung genommen werden.

„Im Sicherheitskonzept ist der Block O nicht für die Ultras vorgesehen. Wir haben es zuletzt stillschweigend zugelassen. Und im Sommer gab es dafür eine Zusage der aktiven Fanszene, dass auf Pyro verzichtet wird“, so Hennemann, der sich speziell mit dem Vorwurf konfrontiert sah, ausschließlich auf seine ehemaligen Kollegen bei der Polizei zu hören, dem aber widersprach. „Ich habe mittlerweile eine andere Sichtweise bekommen, als ich sie früher hatte.“

Letzte Woche, das war Käse. Ich hätte mir aber gewünscht, dass wir an diesem Abend gemeinsam daran arbeiten, es besser zu machen.

Geschäftsführer Bernhard Niewöhner

Dass die Entscheider beim Konflikt der Vorwoche am Fanbeirat und Präsidiumsmitglied Burkhard Brüx wie an allen anderen Gremienmitgliedern vorbei handelten, sei „ein fataler Fehler gewesen, wie ich fünf Minuten später schon erkannt habe“, so Niewöhner. Wie es zum „Alleingang“ der wenigen Beteiligten kam, ließ sich so richtig nicht aufklären. Eine Rolle spielte wohl, dass die leichte Aufbruchstimmung nach der Winterpause vor der wegweisenden Partie in Jena nicht aufs Spiel gesetzt werden sollte.

Eine ganze Reihe versöhnlicher Worte zum Ende der Veranstaltung ließen zumindest darauf hoffen, dass sich die Wogen zwischen Strässers Mannschaft und auch Hennemann auf der einen sowie den „Normalos“ in den Blöcken auf der anderen glätten lassen.

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