Fußball: 3. Liga
Preußen ziehen Uerdingen mit Top-Auftritt den Zahn

Düsseldorf -

Sie hoffen wieder. Nach drei sieglosen Spielen gewannen die Preußen beim KFC Uerdingen mit 2:0 (1:0) und zeigten dabei über 90 Minuten die vielleicht beste Vorstellung dieser bisher so schwachen Saison. Lucas Cueto war mit zwei Scorerpunkten der Matchwinner.

Samstag, 22.02.2020, 15:58 Uhr aktualisiert: 22.02.2020, 17:50 Uhr
Fußball: 3. Liga: Preußen ziehen Uerdingen mit Top-Auftritt den Zahn
Nach diesem Foul an Lucas Cueto gab es Elfmeter für den SC Preußen. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Blick auf die Tabelle fiel an diesem Samstagnachmittag aus. Im Ranking bleibt der Weg zum Klassenerhalt für Preußen Münster nämlich lang. Doch die Art und Weise, wie der Drittletzte beim prominent besetzten KFC Uerdingen 2:0 (1:0) siegte, stellte unter Beweis, dass sich niemand bei den Adlern aufgegeben hat. Ein überaus disziplinierter Vortrag in der Abwehr, dazu ein hellwacher Keeper Max Schulze Niehues, gezielte und clevere Nadelstiche sowie Tore zum passenden Zeitpunkt brachten einen völlig verdienten Erfolg in Düsseldorf. So stark war der SCP lange nicht aufgetreten. Vielleicht noch gar nicht in dieser Spielzeit.

„Eine richtig gute Leistung“, fand auch Trainer Sascha Hildmann. „Wir haben uns für den enormen Aufwand belohnt, stark verteidigt und auch guten Fußball gespielt. Großes Kompliment, das war absolut verdient.“ Auch Jan Löhmannsröben war stolz: „Wir wachsen zusammen, am Ende hätte es sogar noch deutlicher werden können.“ Lucas Cueto, der Mann des Tages, rief Marco Königs, dem Torschützen zum 2:0, zu: „Lass dich feiern.“ Der entgegnete: „Ich feiere dich gerade.“ Diese Truppe scheint zu leben. „Unser Plan, kompakt zu stehen, ist voll aufgegangen“, betonte Julian Schauerte. „Der Elfmeter zum 1:0 hat uns natürlich in die Karten gespielt.“

Nach dem 1:0 von Viktoria Köln am Freitag gegen Großaspach war der Druck noch mal gewachsen. Personell gab es drei Umstellungen. Simon Scherder erhielt als Vertreter von Okan Erdogan (gesperrt) den Vorzug vor Ole Kittner als linker Innenverteidiger, Heinz Mörschel stach als Ersatz für Kevin Rodrigues Pires, der ebenfalls die fünfte Gelbe Karte gesehen hatte, Nico Brandenburger auf der Sechs aus. Im Sturmzentrum ersetzte Marco Königs wie erwartet den kranken Luca Schnellbacher, der zuletzt so gut drauf war. Rechtzeitig fit wurde Keeper Max Schulze Niehues, die Nummer zwei Oliver Schnitzler saß zur Sicherheit aber auf der Bank.

KFC Uerdingen – SC Preußen Münster

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  • Heinz Mörschel trifft vom Elfmeterpunkt zum 1:0 für die Preußen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jubel für den Torschützen.

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  • Uerdingens Christian Dorda hatte zuvor Lucas Cueto von den Beinen geholt.

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  • Marco Königs im Duell mit Adam Matuschyk.

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  • Seref Özcan kämpft gegen Assani Lukimya um das runde Leder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sehen Sie im Folgenden zahlreiche weitere Fotos vom Spiel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
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Vor dem Anpfiff setzten beide Mannschaften noch mal ein Zeichen gegen Rassismus, zeigten ihre Solidarität mit dem vor einer Woche in Münster auf übelste Weise verunglimpften Würzburger Leroy Kwadwo und gedachten der Opfer der rechtsextremistischen Tat von Hanau am Mittwoch. Die unter anderem vom SCP initiierte Aktion, die der DFB für alle Drittligisten aufgriff, trug den Slogan „Einer von uns“. Die Besucher beider Lager in der riesigen Merkur-Spielarena bewiesen Haltung, schwiegen für eine Minute, applaudierten den Worten des Stadionsprechers und skandierten noch einmal gemeinsam „Nazis raus“.

500 mitgereiste SCP-Fans

Auf dem Rasen setzte der Gast den ersten Akzent. Nach einer Ecke von Lucas Cueto verfehlte ein Scherder-Kopfball nur ganz knapp das Ziel (5.). Auch Alexander Rossipal feuerte einen brandgefährlichen Linksschuss aus 13 Metern ab, der am Pfosten vorbeizischte (12.). Die Preußen wählten mit dem langen Königs vorne drin öfter den langen Ball und standen in der Deckung im 5-4-1-Format wieder sehr sicher. Die Hausherren scheuten ihrerseits aber auch jedes Risiko im Vorwärtsgang. Auf den Rängen verwandelten die rund 500 mitgereisten SCP-Fans zumindest phasenweise die Partie in ein Heimspiel. Das lief alles gut an für den Abstiegskandidaten. Nur die Führung wollte noch nicht fallen. Nach einer weiteren Ecke verzog Scherder, diesmal aber deutlich (18.).

Klar, mehr Ballbesitz hatten die Krefelder, aber daraus machten sie rein gar nichts. Anders die Münsteraner, die nach einer halben Stunde wieder Fahrt aufnahmen. Einen Diagonalball von Oliver Steurer, der ja erst im Januar vom KFC gekommen war, leitete Julian Schauerte im Sechzehner per Kopf auf Cueto weiter, dem Christian Dorda in die Parade fuhr, wobei er aber auch den Ball spielte. Relativ klare Sache: Elfmeter! Mörschel trat an und traf, auch wenn Torwart Lukas Königshofer noch mit den Fingern dran war (35.).

Eine der besten Halbzeiten der Saison

Großes Glück hatte der Außenseiter im direkten Gegenzug, als Scherder beim Querpass von Osayamen Osawe am Fünfmeterraum wegrutschte und Tom Boere völlig frei aus Kurzdistanz zum Abschluss kam. Doch Schulze Niehues reagierte mit einem Reflex – richtig stark (36.)! Der 31-Jährige grätschte kurz vor der Pause noch mal eine Dorda-Flanke super ab (45.+1), ansonsten stand das Bollwerk seiner Vorderleute gut. Es ging in die Pause, und die Preußen hatten eine der besten Halbzeiten dieser Saison abgeliefert.

Nach dem Wechsel ging es mit einem Distanzschuss von Fridolin Wagner (47.) weiter. Der SCP agierte nun noch einen Tacken defensiver und raubte den Uerdingern und deren Publikum den Nerv. Ex-Preuße Adriano Grimaldi, nach einem Muskelfaserriss gerade erst genesen und zuvor wegen verschiedener Blessuren auch erst viermal eingesetzt, kam nach knapp einer Stunde für Manuel Konrad. Der Gastgeber machte auf. Fast hätte Cueto nach einem Konter über Königs genau das ausgenutzt, doch Torhüter Lukas Königshofer rettete mit der Hacke (60.). Auf der Gegenseite fischte Schulze Niehues aufmerksam einen abgefälschten Schuss von Osawe (61.), Grimaldi köpfte kurz darauf über die Latte (62.). Auf und nieder ging es in diesen Minuten. Die Preußen gerieten mehr und mehr in Bedrängnis. Bei einem Konter über den eingewechselten Philipp Hoffmann sprang Assani Lukimya nach einem missglückten Königs-Versuch der Ball an den Arm (65.). Hätte Elfmeter sein können, aber in der Summe war das dann wohl okay, keinen zu geben.

Die große Cueto-Show

Dann stand wieder Schulze Niehues im Mittelpunkt. Osawe hatte sich durchgetankt, zielte aber zentral auf den Schlussmann (69.). Noch mal durchpusten – und dann kam wie schon in Jena die große Cueto-Show. Nach einem abgewehrten KFC-Angriff eroberte der Rechtsfuß den Ball am eigenen Strafraum und zog dann unwiderstehlich vorbei an allen Gegenspielern, die noch verblieben waren. Am Fünfer sah es so aus, als habe er sich das Leder zu weit vorgelegt, doch irgendwie spitzelte der Dribbler es noch rüber zu Marco Königs. Die mitgelaufene Solospitze musste nur noch einschieben und jubelte nach diesem 2:0 überaus emotional (72.). Er hatte seit Monaten nicht mehr getroffen.

Der Support der Heimfans verstummte in diesem Moment, nahezu jede Anweisung auf dem Rasen war plötzlich im Rund zu hören. Hintergrund war allerdings nicht der Spielstand, sondern ein medizinischer Notfall auf der Tribüne, bei dem eine Frau behandelt werden musste. Auch die SCP-Fans schwiegen aus Respekt.

Königs widmet Tor der Freundin

Mörschel war sogar noch nah dran am dritten Tor (77.), im Gegenzug zielte Edvinas Girdvainis drüber (78.). Cueto hätte seine Leistung mit einem Treffer krönen können, scheiterte aber an Königshofer (87.). Schulze Niehues gelang noch eine Parade gegen Grimaldi (90.), dann war Schluss. Alle Preußen lagen sich in den Armen. „Über die Basics kommen wir immer besser rein. Jetzt klappen Dinge, die vorher nicht geklappt haben.“ Und Königs, der so erleichtert war, widmete den Treffer seiner Freundin. „Sie hat mich in der schweren Zeit super unterstützt. Das letzte Jahr war nicht einfach. Ich war viel verletzt und in Rostock auf dem Abstellgleis.“ Jetzt ist der 30-Jährige wieder da. Für die Preußen gilt das vielleicht auch.

KFC: Königshofer – Barry, Lukimya, Kirchhoff, Dorda – Konrad (58. Grimaldi), Matuschyk – Kinsombi (71. Girdvainis), Boere (46. Rodriguez), Evina - Osawe

SCP: Schulze Niehues – Scherder, Löhmannsröben, Steurer – Schauerte, Wagner, Mörschel, Rossipal – Cueto (90.+1 Kittner), Königs (79. Heidemann), Özcan (62. Hoffmann)

Schiedsrichter: Alexander Sather (Grimma)

Tore: 0:1 Mörschel (35./FE), 0:2 Königs (72.)

Zuschauer: 2844

Gelb: Königshofer, Reisinger (Trainer), Dorda / Wagner, Mörschel

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