Rudern: Nationalmannschaft
Felix Brummels Olympiatraum endet im totalen Frust

Münster -

Zahlen lügen nicht: Mit 2:1 Siegen hat der Berliner Ruder-Zweier das Rennen um die Teilnahme an der Olympiaqualifikation gemacht – und Felix Brummel aus Münster ein jähes Ende aller Olympiaträume bereitet. Allerdings verraten Zahlen manchmal doch nicht die ganze Wahrheit und so lebt die Hoffnung allen Umständen zum Trotz vielleicht doch noch weiter ...

Mittwoch, 04.03.2020, 14:48 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 12:48 Uhr
Felix Brummel hat sein Boot geschultert, die Olympiapläne vermutlich nicht.
Felix Brummel hat sein Boot geschultert, die Olympiapläne vermutlich nicht. Foto: Detlev Seyb

Aus der Traum. Als Felix Brummel vom RV Münster um kurz nach 9 Uhr morgens gemeinsam mit Zweier-Partner Nico Merget in Oberschleißheim die Ziellinie überquerte, waren die Kollegen aus Berlin schon da – schon wieder. Wie exakt 24 Stunden zuvor hatten sich René Schmela und Anton Braun im langen Endspurt an dem Duo aus Münster und Frankfurt vorbeigeschoben und den zweiten Sieg im dritten Ausscheidungsrennen eingefahren. Schmela und Braun fahren im Mai nach Luzern und dort das finale Rennen um die letzten Olympia-Tickets. Brummel und Merget fuhren am Mittwoch nur noch schnellstmöglich nach Hause. Nichts wie weg.

Olympiaträume platzen auf der Olympiastrecke

Am Dienstagmittag hatten sie die Sieg-Bilanz im zweiten Rennen noch ausgleichen können – doch am frühen Mittwochmorgen waren auf der Olympiastrecke von München 1972 alle Olympia-Träume von Tokio 2020 ausgeträumt. „Das fühlt sich ganz besch... an“, sagt Brummel wenige Stunden später. Da sitzt er schon längst im Bulli heimwärts, über Dortmund nach Münster „erst einmal alles sacken lassen“. Aufs Wasser geht es erst mal nicht mehr.

Unerlaubte Einflussnahme? Ergebnis unter Vorbehalt

„Eine Selektion ist immer schwierig“, sagt Uwe Bender, der beim DRV für die Riemenruderer zuständig ist, „und im Olympia-Jahr besonders“. Am Mittwoch war die Kandidatenkür beendet, und Bender war hin- und hergerissen. Zufrieden und erwartungsfroh in Sachen Achter, der minimal verändert „noch stärker ist als vorher“, hoffnungsvoll mit einem auf drei Positionen neu besetzten Vierer, „der 2016 schon in dieser Besetzung WM-Sechster geworden war“ und schließlich „total enttäuscht“ über die Zweier-Entscheidung, wo er „seine“ Besatzung vom Stützpunkt Dortmund nur zu gerne vorne gesehen hätte. „Aber das muss man zugestehen: Die Berliner waren an diesen beiden Tagen sportlich besser.“ Allerdings nicht ganz ohne Nebengeräusche: Abgesprochen war für das Finale ein Rennen ohne Einflussnahme von außen. „Darum saßen die Trainer der vier Zweier alle bei uns im Bulli“, so Bender. „Allerdings ist auf der anderen Seite ein weiterer Übungsleiter des Berliner Ruder-Clubs unterwegs gewesen, der lautstark Einfluss genommen hat.“ Cheftrainer Ralf Holtmeyer sei informiert, Zweier-Coach Peter Thiede war Ohren- und Augenzeuge. „In Ordnung war das nicht, so etwas kann ein Rennen entscheiden. Das müssen wir im Trainerteam noch einmal abschließend bewerten“, so Bender – das allerletzte Wort scheint vielleicht also doch noch nicht gesprochen.

...

Ob ein Einsatz als Ersatzduo infrage käme und ob der geplante Flug am Freitag ins Trainingslager nach Portugal überhaupt noch ein Thema sei? „Das weiß ich jetzt nicht, und das müssen auch die Trainer entscheiden“, so Brummel, der mit eben diesen Entscheidungen zuletzt nicht immer glücklich wurde. Wie auch Disziplin-Coach Peter Thiede, dem am Mittwoch allerdings keine andere Entscheidung übrig blieb. So war dieses Ausscheidungsrennen konzipiert, das Ergebnis nicht mehr diskutabel.

Erste und beste Chance bei der WM in Linz vergeben

Der Weg in die olympische Sackgasse begann dabei eigentlich schon im Herbst 2019, als Brummel und Merget mit dem deutschen Vierer bei den Weltmeisterschaften in Linz erst das Finale und anschließend im B-Finale als Gesamt-Zehnter einen der beiden Top-Plätze verpassten. Die acht schnellsten Vierer der Welt hatten sich so einen Olympia-Startplatz gesichert, das deutsche Boot war nicht dabei, obwohl es bei einem der Weltcups im gleichen Jahr als Dritter schon seine Weltklasse unter Beweis gestellt hatte. „Da waren wir wohl am dichtesten an Olympia dran“, sagt Brummel rückblickend. „Hätten wir dort den Vierer für Olympia qualifiziert, dann hätten wir ihn in Tokio wahrscheinlich auch gerudert.“

Bärenstarke Vorbereitung nicht belohnt

In Linz schaffte letztlich nur der deutsche Achter den direkten Sprung zu den Spielen. Grund genug für die Bundestrainer, die Besatzungen vor allem von Zweier und Vierer neu zu überdenken. Als Bewertungsgrundlage sollte dann die Wintervorbereitung herangezogen werden. Die stand ganz im Zeichen des neu gebildeten Trainingszweiers mit Brummel und Merget, die zunächst den ersten Langstreckentest in Dortmund gewannen und anschließend auf dem Ergometer und bei den finalen Testfahrten Anfang des Jahres in Portugal immer zu den drei Top-Duos Deutschlands zählten. Doch beim Erfolgs-Achter galt das nachvollziehbare Motto „Never change a winning team“. Lediglich ein Platz wurde ausgetauscht. Brummel und Merget blieben außen vor, wie später auch bei der Besetzung des neuen Vierers. Stattdessen ging es in den Zweier – versehen mit der Maßgabe, auch das kleinste Riemenboot international wettbewerbsfähig zu machen. Bei dieser Nominierung gab es im Kleingedruckten allerdings eine kleine Einschränkung dergestalt, dass sich der Nummer-eins-Zweier noch einer finalen Herausforderung gegen nationale Mitbewerber zu stellen habe.

Diese ist nun abgeschlossen – mit dem besseren Ende für René Schmela und Anton Braun. Die dürfen jetzt weiterträumen, während der Olympia-Traum von Felix Brummel mit einem bösen Erwachen endete.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7310379?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker