Fußball: 3. Liga
Preußen-Geschäftsführer Malte Metzelder: „Wir brauchen Unterstützung“

Münster -

Die Lage war schon ohne das Coronavirus schwierig für den SC Preußen. Mit Virus sieht es für den Fußball-Drittligisten sogar noch brenzliger aus. Damit steht der Club aber auf Bundesebene nicht alleine. Eine ganze Liga liegt am Boden.

Donnerstag, 12.03.2020, 20:44 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 22:05 Uhr
Sieht Bedarf für ein gemeinsames Handeln: SCP-Geschäftsführer Malte Metzelder
Sieht Bedarf für ein gemeinsames Handeln: SCP-Geschäftsführer Malte Metzelder Foto: imago-images

Als ob die sportliche Situation für den SC Preußen Münster nicht schon prekär genug wäre: Der Drittletzte der 3. Liga befand sich auf einer diffizilen Mission im Kampf um den Klassenerhalt. Aktuell weiß aber niemand so recht, wie und ob es überhaupt weitergeht mit dem Spieljahr 2019/20. Kurze Pause, Saisonabbruch, doch lieber Geisterspiele, finanzieller Ruin, Lizenzvergabe, Sponsorengespräche, Sponsorensuche, Vertragsgespräche?

Die Lage beim Fußball-Drittligisten aus Münster hat aktuell viel mit Kaffeesatzleserei zu tun. „Wenn sich die Situation weiter verschärft, werden sich auch die Maßnahmen dagegen weiter verschärfen“, glaubt Malte Metzelder, Sportchef und Geschäftsführer des SCP. Und: „Alles ist schwer zu greifen. Mit der Verschiebung der nächsten beiden Spieltage haben wir ein paar Tage Zeit gewonnen. Aber wir brauchen auf jeden Fall Unterstützung.“ Und psychologisch befürchtet er gerade durch Geisterspiele einen Nachteil: „Wir brauchen den Support durch unsere Fans. Das hat uns zuletzt auch getragen durch die Spiele.“

Rettungsschirm?

Bis auf die Zweitvertretung von Bayern München werden praktisch alle Drittligisten in finanzielle Engpässe geraten. Beim MSV Duisburg wurde vorgerechnet, dass im Falle von fünf Geisterspielen bis zum Saisonende Kosten von rund 1,5 Millionen Euro auflaufen würden. Einnahmen zu dieser Zeit dagegen keine. Zuschauer-Schwergewichte wie Braunschweig und Kaiserslautern stoßen in ähnliche Bereiche vor. Münster kann bei einem Geisterspiel von Zusatzkosten von mindestens 90.000 Euro ausgehen.

Bis zum Saisonende dürften – Minimum – eine halbe Million Euro Mehrkosten anfallen. Die 3. Liga ist auch als „Pleiteliga“ bekannt, die aktuelle Situation dürfte einige Clubs möglicherweise in den Ruin treiben. Außer: Ein Rettungsschirm oder Hilfsfonds durch den Deutschen Fußball-Bund wäre eine Lösung, und da dürfte über eine zweistellige Millionensumme geredet werden. Nur für die 3. Liga.

Sofortiges Saisonende?

Am Montag kommt es zu den entscheidenden Tagungen des DFB, der DFL sowie der Vereine. Auch die 3. Liga richtet eine Managertagung aus. Würden man sich tatsächlich zu diesem Schritt entschließen, also dem abrupten Saisonende, müsste den Topteams der Aufstieg zugesprochen und den Abstiegskandidaten Bestandsschutz eingeräumt werden. In den oberen drei Profiligen käme es dann in der Folge wohl zu 20er oder 22er Spielklassen. Rechtsstreite um die Klassenzugehörigkeit sind zudem praktisch sicher.

Saison-Verlängerung?

Die 3. Liga endet am 16. Mai, dann steht noch die Aufstiegs-Relegation für den Tabellendritten an. Eine Verlängerung wäre also nur möglich, wenn die 2. Bundesliga, ergo die DFL, bereit wäre, diese Relegation zu verschieben. Fest steht auch, dass die Terminierung der beiden abgesagten Spieltage in den Zeitraum Anfang Mai kaum noch Spielräume in der regulären Planung lässt.

Lizenzvergabe?

Für alle Wackelkandidaten dürfte das von Vorteil sein, denn der DFB wird wohl beide Augen zudrücken müssen. Eine reguläre Bewertung des Status quo sowie die Einschätzung der nächsten Saison sind unmöglich.

Vertragsgespräche?

Aktuell für einen Club wie den SCP praktisch nicht führbar. „Unternehmen haben aktuell andere Sorgen, als über ein Engagement im Sport zu sprechen“, sagt Metzelder. Verhandlungen mit Spielern sind aufgrund des akuten Abstiegskampfes sowieso schwer zu führen, nun scheint alles sogar auf Eis gelegt. Metzelder: „Ja, das steht momentan hinten an.“

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