Fußball: Corona-Folgen
Die Kicker in der Zwangspause – Laufen geht immer

Münster -

Wie verbringen die Amateurfußballer aus Münster die freie Zeit? Viele Möglichkeiten bleiben ihnen nicht. Die Plätze sind gesperrt, die Vorgaben eindeutig und in den Augen aller Betroffener auch richtig. Ein paar Joggingrunden sind natürlich hoch im Kurs. Aber es ist auch die Zeit für kritische Gedanken.

Dienstag, 17.03.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 10:58 Uhr
Nachdenklich: Die Partie vom 8. März könnte schon die letzte für Benjamin Heeke als FCG-Trainer gewesen sein.
Nachdenklich: Die Partie vom 8. März könnte schon die letzte für Benjamin Heeke als FCG-Trainer gewesen sein.

Bitte warten …! Was für das gesellschaftliche Leben gilt, trifft auch auf den Sport zu. Es bleiben Abwarten, Aufmerksamkeit und Zuversicht. Dabei setzen die münsterischen Fußballer auf eine spezielle Art des Home-Office. Das Training in der Gruppe ist ausgesetzt. „Laufen kann aber jeder“, sagt Sebastian Hänsel und kann sich der Zustimmung der Kollegen gewiss sein. Der Coach des BSV Roxel setzt auf die sportliche Eigenmotivation, aber auch auf die zivile Verantwortung. „Wir haben eine Verpflichtung. Ich begrüße die Entscheidung der Pause sehr, wenngleich ich sie mir früher gewünscht hätte. Wir müssen das Ego hinten anstellen.“

Was für alle gilt. Stellvertretend auch für den TuS Hiltrup, BW Aasee oder Borussia Münster. Da machen die Vereine keine Ausnahme. Es gibt keine privaten oder heimlichen Übungseinheiten. „Der Platz ist ohnehin bis zum 19. April auch für Training gesperrt. Wir haben aber gesagt, dass wir die nächsten zwei Wochen beobachten und uns dann neu besprechen wollen“, sagt Yannick Bauer zu den Planungen beim Bezirksliga-Neuling Borussia. Anleitungen für das Heimtraining sind in Arbeit.

Inzwischen haben sich Coaches, Spieler und Vereine auf die neue Situation eingestellt. Das Thema ist präsent. „Wir sind unter den Trainern regelmäßig im Austausch“, hält Benjamin Heeke vom 1. FC Gievenbeck Kontakt zu den Kollegen. Allen voran zu Sören Weinfurther und Marcel Pielage. „Wir machen erst einmal Pause“, sagt aber auch der 35-Jährige, ehe er sich eine ganz persönliche Bemerkung erlaubt. „Das wäre schon ein unromantischer Abgang“, sinniert Heeke, der zum Saisonende – wann auch immer es sein wird – den Verein verlässt. Nicht auszuschließen, dass das Spiel gegen die SpVgg Vreden (3:0) am 8. März schon seine letzte Partie auf der FCG-Bank war.

Noch aber nimmt auch er seine Aufgaben wahr. „Die Jungs bekommen von David Menberg, das ist unser Athletikcoach, einen Plan für die Zeit“, versorgt Heeke den Kader mit Hausaufgaben. Was in Hiltrup schon geschehen ist. „Christian Hebbeler hat einen Plan erarbeitet und ihn an die Spieler gegeben“, ist laut Rolf Neuhaus ein reduziertes Programm das Stichwort. Übungen, die man zu Hause machen kann. „Oder halt laufen“, wie der TuS-Fußballchef ergänzt. Hänsel hat seine Landesliga-Kicker an die bekannten Stabi-Übungen aus den Einheiten erinnert und zur privaten Nachahmung empfohlen. Und auch der 38-Jährige rät: „Ansonsten gilt es, den Fokus auf Intervallläufe zu legen. Aber nicht in großen Gruppen“. Bis Dienstag sollten sich die Spieler zunächst an die neue Situation gewöhnen.

An Vor- oder Hausaufgaben müssen sich die Akteure von Westfalia Kinderhaus (noch) nicht gewöhnen. „Ich habe kein Problem damit, 14 Tage frei zu machen. Ich gehe meinem Beruf nach und auch einkaufen. Ohne Sport haben wir allerdings einen Risikobereich weniger“, so Pielage. Er beschäftigt sich mehr mit dem Großen und Ganzen, zieht – wie auch André Kuhlmann von BW Aasee – einen vorzeitigen Abbruch der Spielzeit in Betracht. Spekulieren mag der Verantwortliche des Landesliga-Spitzenreiters nicht, räumt aber ein: „Ich gehe davon aus, dass die Saison vorzeitig beendet wird.“

Dabei findet er Zeit für kritische Worte, die über die Corona-Krise hinausgehen: „Wir sehen jetzt, wie schlecht unser Fußball organisiert ist. Warum starten wir mit einem Spiel Anfang Februar in die Rückrunde, machen dann zu Karneval wieder Pause? Eine Fortsetzung im März wäre sinnvoll. Jedoch nur dann, wenn zwei oder drei englische Wochen im August, in dem unter der Woche ohnehin alle Bock auf Fußball haben, den Terminplan entzerren und Spielraum schaffen würden.“ Auf die aktuell freie Phase würde nicht nur er hingegen gerne verzichten.

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