Volleyball: Frauen-Bundesliga
USC-Trainer Teun Buijs: „Wir müssen ja weitermachen“

Münster -

Eigentlich sollte die Frauenvolleyball-Bundesliga in diesen Tagen auf die Zielgerade der Saison einbiegen. Die Corona-Krise hat alles verändert. Auch für den USC Münster und seinen Trainer Teun Buijs. In der Heimat nahe Amsterdam macht sich der 60-Jährige Gedanken über die Zukunft.

Sonntag, 22.03.2020, 18:52 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 13:04 Uhr
„Wir müssen ja planen. Auch wenn es momentan total schwierig ist“, sagt Teun Buijs im Interview.
„Wir müssen ja planen. Auch wenn es momentan total schwierig ist“, sagt Teun Buijs im Interview. Foto: Jürgen Peperhowe

Eigentlich wären die Volleyballerinnen des USC Münster gerade in Vollbeschäftigung. Am vergangenen Wochenende hätten sie das erste Playoff-Viertelfinale spielen sollen, am kommenden das zweite und vielleicht schon entscheidende. Das Coronavirus durchkreuzte alle Pläne, mit großer und gefährlicher Wucht legte es den Sport lahm. Münster beendete die abgebrochene Bundesliga-Saison auf Platz sechs. Aus Träumen wurden Schäume, die sich spurlos auflösten. Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger sprach mit Trainer Teun Buijs.

 

Bis zum jähen Saisonende war der USC drittbeste Mannschaft der Rückrunde und prächtig in Fahrt. Was haben Sie dem Team zugetraut, bevor der Spielbetrieb eingestellt wurde?

Buijs: Ziemlich viel. Mit einem Sieg über Potsdam wären wir in der Tabelle auf Platz fünf vorgerückt. Aus dieser Position kann man das Halbfinale erreichen.

Das hat sich erledigt, stattdessen sind Sie nun zu Hause in der Nähe von Amsterdam. Haben Sie weiterhin Kontakt zur Mannschaft?

Buijs: Ja natürlich. In dieser Zeit gibt es ja sehr viele Möglichkeiten zur Kommunikation. Beispielsweise in Videokonferenzen. Gerade erst habe ich mit Taylor Nelson geskypt.

Was besprechen Sie mit Ihren Spielerinnen und den Co-Trainern?

Buijs: Wir analysieren die vergangene Saison und bereiten uns auf die nächste vor. So gut das gerade geht.

Wie gut geht es gerade?

Buijs: Ehrliche Antwort: Nicht wirklich gut. Wir kommen ja weder in eine Halle noch in einen Kraftraum.

Was bleibt da?

Buijs: Stretching, ein bisschen Krafttraining zu Hause, ein paar Läufe draußen. Mehr nicht.

Wie halten Sie sich selbst fit?

Buijs: Ich versuche, in Bewegung zu bleiben, und fahre jeden Tag eine Stunde mit dem Fahrrad durch die Natur. Da fliegen dann auch die Gedanken.

Über Ivana Vanjak müssen Sie sich keine Gedanken mehr machen. Sie wird den Verein verlassen ...

Buijs: Das ist natürlich ein Verlust. Ivana ist ein großes Talent im Volleyball und hat in Münster eine super Entwicklung genommen.

Im Gespräch hat die Spielerin gesagt, dass sie den nächsten Schritt machen wolle. Was heißt das?

Buijs: Sie ist ehrgeizig und will um Titel spielen und auch international.

Das will Libera Linda Bock vielleicht auch. Ihr Vertrag läuft aus. Wie groß ist die Hoffnung, dass sie bleibt?

Buijs: Ziemlich groß. Linda ist 19. Für sie ist es jetzt super wichtig, dass sie auf dem Feld steht und immer spielt. Beim USC kann sie das.

Juliane Langgemach hat zuletzt nicht oft gespielt. Auch ihr Vertrag läuft bald aus ...

Buijs: Ich hoffe, dass Jule bleibt. Am liebsten würde ich noch eine vierte Mittelblockerin dazu holen. Dann hätten wir mehr Optionen im Wettkampf und könnten die individuelle Trainingsbelastung besser steuern.

Das könnte am Budget scheitern ...

Buijs: Ich weiß das, aber vielleicht gibt es ja doch Möglichkeiten.

Mit Ex-Nationalspieler Ralph Bergmann hat der USC gerade einen neuen Sportlichen Leiter eingestellt und diese Position erstmals hauptamtlich besetzt. Wie sehen Sie diese Personalie?

Buijs: Sehr positiv. Dieser Schritt war grundsätzlich gut und wichtig. Der Verein braucht diese Professionalität. Und zwar nicht nur kurzfristig, sondern über einen langen Zeitraum. Eigentlich müssen jetzt schon die Weichen dafür gestellt werden, was in fünf Jahren sein soll.

Zurzeit weiß niemand, was in drei oder sechs Monaten sein wird ...

Buijs: Ich habe da auch keine Antwort, aber wir müssen ja weitermachen und planen. Auch wenn es momentan total schwierig ist.

Haben Sie schon Namen von neuen Spielerinnen auf dem Zettel? Zumindest für Ivana Vanjak muss ja ziemlich hochwertiger Ersatz her ...

Buijs: Wir versuchen, jemanden zu finden, der die Lücke schließt. Leute kommen und gehen, so ist das im Profisport.

Wie entspannen Sie selbst in diesen schwierigen Tagen?

Buijs: Radfahren, wie gesagt. TV, Netflix. Und ab und zu helfe ich auch meiner Frau in der Küche. Ich kann das ein bisschen, in Münster koche ich ja auch.

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