Ski Alpin
Roman Frost zieht versöhnliches Fazit nach Frust-Ende

Münster -

Alles war ausgerichtet und vorbereitet für den Saison-Höhepunkt: Roman Frost war gut in Form, in seinen Spezialdisziplinen wollte der Münsteraner bei der Jugend-WM in Narvik angreifen. Doch wenige Stunden vor dem Riesenslalom wurde er ausgebremst, wurde die Nachwuchs-Titelkämpfe abgebrochen. Ein frustrierendes Ende einer Saison, mit der Frost eigentlich sehr zufrieden ist.

Mittwoch, 25.03.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 12:30 Uhr
Schnell und erfolgreich unterwegs: Roman Frost blickt „extrem happy“ auf seine Skisaison zurück.
Schnell und erfolgreich unterwegs: Roman Frost blickt „extrem happy“ auf seine Skisaison zurück. Foto: Paulfoto

Bevor die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verordneten Ausgehbeschränkungen im Freistaat griffen, zog es Roman Frost noch einmal raus in die Natur. Rauf auf den Watzmann, ein letzter Gipfelsturm – und vielleicht auch der letzte Teil der Frustbewältigung, musste der in Berchtesgaden beheimatete Münsteraner doch eine „ex­trem große Enttäuschung“ verarbeiten.

Gut aufgelegt und in Form hatte sich der 20-Jährige in diesem Winter präsentiert und hegte daher bei der Jugend-WM in Narvik (Norwegen) auch große Hoffnungen, in seinen Spezialdisziplinen Riesenslalom und Slalom erfolgreich auf den Skiern zu stehen. Wenige Stunden vor dem Riesenslalom-Start aber kam der plötzliche Abbruch der Titelkämpfe, hektisch und „ziemlich chaotisch“ verlief die Abreise aus dem WM-Ort nördlich des Polarkreises. „Es hieß, wir müssten so schnell wie möglich das Hotel verlassen. Denn hätte es bei uns einen Coronafall gegeben, hätten wir dort bleiben müssen“, sagt Frost, der mit dem Team des Deutschen Skiverbands am frühen Morgen des 12. März gen Deutschland aufbrach. Um die Chance gebracht, bei seiner ersten und aus Altersgründen gleichzeitig letzten Jugend-WM um eine Top-Platzierung oder gar eine Medaille zu fahren. „Ich bin sehr gut drauf gewesen. Die beiden Rennen wären das Sahnehäubchen gewesen, ich hätte mich beweisen und zeigen können. Daher war ich erst echt frustriert. Aber es trifft ja alle. Und ich konnte zumindest im Super-G und im Abfahrtstraining WM-Luft schnuppern und Erfahrungen sammeln“, fand Frost Trost und – wenn auch mit etwas Verzögerung – seinen Frieden mit der WM.

Zurück in Bayern hat er nun genügend Zeit, seine Saison zu bilanzieren. Und sein Fazit fällt positiv aus, allein das Ticket für die Nachwuchs-Titelkämpfe ist der Beleg für einen erfolgreichen, bärenstarken Winter. „Ich bin extrem happy mit dem letzten Jahr. Ich hatte eine schwierige Saison 2018/19, daher standen vor dieser ein paar Fragezeichen, ob ich zurückkomme. Aber ich bin skitechnisch und athletisch richtig vorangekommen, habe mich entwickelt“, sagt Frost, der nach seiner im Dezember 2017 erlittenen Verletzung und der folgenden 14 Monate langen Pause den „Anschluss ein wenig verloren“ hatte.

Doch längst hat das Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr den Kontakt wieder aufgenommen – nein, mehr noch: Frost eta­blierte sich im DSV-Nachwuchsteam. Er wurde Slalom-Dritter sowie Zweiter der Alpinen Kombination bei der Jugend-DM und stand bei einigen internationalen Fis-Rennen auf dem Stockerl – so etwa bei seinen Siegen in Seefeld im Riesenslalom und Slalom. Unter dem Strich bedeutet dies, dass er nach Fis-Punkten im Riesentorlauf bester Deutscher ist, im Slalom liegt nur Fabian Himmelsbach vor ihm. Seine ersten Punkte im Europacup runden das Gesamtbild ab. Noch Fragen?

Im sportlichen Rückblick gibt es keine. Was die Zukunft, die nahe wie die ferne, aber bringt, schon. Eigentlich standen noch weitere Rennen wie anschließend Materialtests auf dem Gletscher an – abgesagt. Und auch der genaue Ablauf der Vorbereitung auf die kommende Saison ist ungeklärt. „Eigentlich wollen wir im Juni, Juli wieder auf die Ski. Mal sehen, was noch auf uns zukommt mit der Corona-Krise“, sagt Frost, der vor seinem ersten echten Europacup-Winter steht. Dort, im Feld von Weltcup-erprobten Fahrern und jungen Wilden, gilt es sich zu etablieren. „Eine neue Herausforderung, auf die ich mich freue.“

Aktuell trainiert Frost, der im Austausch mit den Trainern steht, als Solist, zwangsmäßig und dem Virus geschuldet. Mit Workouts im Garten hält er sich fit. Unbefriedigend. „Doch da müssen wir jetzt alle durch.“ Und dann kommt möglicherweise wieder die Zeit für neue Gipfelstürme.

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