Fußball: 2. Frauen-Bundesliga
Joana Weber vom 1. FC Gievenbeck zu Arminia Bielefeld

Münster -

Nur 90 Minuten sind es für Joana Weber jede Woche, die zählen. Trotz Höhen und Tiefen ist die 17-jährige Münsteranerin in Diensten von Arminia Bielefeld eine erfolgreiche Fußballerin, die für ihren Sport lebt, aber nicht von ihm leben kann..

Donnerstag, 26.03.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 19:30 Uhr
Den Ball immer in Blick: Joana Weber im Dress von Arminia Bielefeld.
Den Ball immer in Blick: Joana Weber im Dress von Arminia Bielefeld. Foto: Helena Wilmer

Eigentlich müsste diese Geschichte beginnen mit den Worten: „Es war einmal.“ Dabei ist es nur wenige Wochen her, dass das Leder noch rollte – mittlerweile unvorstellbar. Dennoch bleibt der Blick zurück zu diesem Spieltag im März ebenso lebendig wie die Zukunft von Hauptdarstellerin Joana Weber. Die junge Münsteranerin steht in Diensten des Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld – und hat ihre Karriere noch vor sich.

114 Zuschauer in Bielefeld

Es läuft die 82. Spielminute in in Bielefeld. Im Duell zwischen der Arminia und dem FC Ingolstadt steht es 0:0. Der Bielefelder Trainer Markuse Wuckel fuchtelt mit den Armen und treibt seine Schützlinge nach vorne, denn diesmal soll unbedingt ein Sieg her. An der Seitenlinie steht Joana Weber. Sie zieht noch einmal die schwarzen Stutzen hoch und den langen Pferdeschwanz stramm, dann kann sie endlich aufs Feld.

Jeden Tag arbeitet die drahtige Spielerin hart dafür, um am Wochenende 90 Minuten auf dem Platz stehen zu dürfen. Statt der vollen Spielzeit sind es an diesem Sonntag nur die Schlussminuten. Dabei lief es nach ihrem Wechsel im vergangenen Sommer rund, doch im Winter war sie wieder raus aus der Stammbesetzung. Deshalb will Weber die verbleibenden acht Minuten nutzen, um zu zeigen, was sie kann. Nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Trainer und ihren Eltern. Die unterstützen sie nicht nur an Spieltagen, sondern auch schon seit ihrem Einzug ins Internat, als sie gerade einmal 14 Jahre alt war.

„Natürlich haben wir uns Gedanken darüber gemacht, ob es sinnvoll ist, so viel Zeit und Energie da reinzustecken. Aber im Vergleich zu früher, als die Frauen bei der EM 1989 noch einen Kaffeesatz geschenkt bekommen haben, sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Das ändert aber nichts daran, dass die Bezahlung auch heute noch unterirdisch ist“, sagt Joanas Mutter Angelika Weber. Von den drastischen Kontrasten zwischen Männer- und Frauenfußball zeugen auch die 114 Zuschauer in der Arena. Ein durchschnittlicher Besuch – mehr geht noch nicht. Man mag es kaum glauben, aber das Verbot des Frauenfußballs wurde tatsächlich erst 1970 vom DFB aufgehoben.

Plötzlich sehen die 114 Unentwegten den Treffer des Tages, allerdings auf der falschen Seite: 0:1 – zwei Minuten vor dem Abpfiff. Während die Gäste jubeln, steht Weber und ihren Mitspielerinnen der Frust ins Gesicht geschrieben.

Vom Gehalt kann niemand leben

Auch wenn die 17-Jährige keine Zahlen nennt, ist klar: Von dem Gehalt in der 2. Bundesliga kann keine Spielerin leben. Das heißt, neben vier Trainingseinheiten in der Woche und dem Spiel am Wochenende gehen alle Spielerinnen noch einem Beruf nach, studieren oder gehen zur Schule – so wie Weber. Für sie ist klar: Nach dem Abitur soll ein solider Beruf den Lebensunterhalt sichern. Aber der Fußball soll ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben bleiben, denn: „Fußball ist mein Hobby, für das ich lebe“, erzählt sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Mit 14 ins Fußball-Internat

Sie ist eine Kämpferin und setzt gerne ihren Willen durch. Mit 14 Jahren zog sie zu Hause aus und im Mädchenfußball-Internat Kamen-Kaiserau ein. Am Wochenende ging es für Weber in die 60 Kilometer entfernte Heimat, wo sie bei den Jungs vom 1. FC Gievenbeck mitkickte. Dort war sie als einziges Mädchen auf dem Platz oftmals den überraschten Blicken der Gegner ausgesetzt. „Bemerkungen haben mich aber immer noch mehr motiviert. Dann wollte ich den Leuten erst recht zeigen, was ein Mädchen leisten kann“, schildert Weber.

Sprung ins Profigeschäft

In der Saison 2016/17 und Anfang 2018 nahm sie an neun Partien mit der U-15- und U-16-Nationalmannschaft teil und befand sich auf dem besten Weg in den Fußball-Olymp. Doch dann: Pfeiffersches Drüsenfieber und eine Lungenentzündung mit Krankenhausaufenthalt. Fast das ganze Jahr 2018 durfte sie nicht aufs Feld. Aufgeben kam trotz allem nicht infrage. Sie trainierte wieder im Internat und wagte im Sommer 2019 den Schritt in die Profiliga.

Ihren Namen? Den werden auch in Zukunft wohl nur wenige Fußballfans kennen. Trotzdem lebt Weber ihren Traum – auch wenn sie das Spiel um gleiche Bezahlung und Anerkennung (noch) nicht gewinnen kann.

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