Sport-Stipendiaten
Sebastian Hänsel schickt Fußballer über den großen Teich

Münster -

Sport ist nicht nur Tore, Punkte, Meisterschaft. Es geht auch um Existenzen, besonders in der Frühphase der Berufslaufbahn. So wie bei den Stipendiaten, die sich Jahr für Jahr Richtung USA aufmachen, um Sport und Studium zu kombinieren. Seit zwölf Jahren bringt Sebastian Hänsel die eine oder andere Karriere auf den Weg ...

Freitag, 03.04.2020, 11:36 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 11:40 Uhr
Sebastian Hänsel kümmert sich um die Reisepläne seiner Stipendiaten. Leon Schwarzer (o.) und Julian Büscher haben ihre USA-Aufenthalte bereits erfolgreich hinter sich.
Sebastian Hänsel kümmert sich um die Reisepläne seiner Stipendiaten. Leon Schwarzer (o.) und Julian Büscher haben ihre USA-Aufenthalte bereits erfolgreich hinter sich. Foto: fotoideen.com

Aus der heimischen Fußballszene waren es zuletzt unter anderem Julian Büscher, Max Mümken, Leon Schwarzer oder Julian Conze, die von Sebastian Hänsel an US-amerikanische Colleges vermittelt wurden. Aktuell stoppt der Weg der Stipendiaten schon an der nächsten Ecke.

Rund 100 bis 120 ziehen jährlich das große Los. Im August soll es wieder so weit sein, dann beginnt das Semester in den Vereinigten Staaten. Ob mit oder ohne deutsche Teilnehmer, ist offen, hängt auch von der Dauer des Einreisestopps ab, der aktuell weiter besteht.

„Augenblicklich ändert sich täglich etwas. Natürlich werden wir mit Fragen der möglichen Kandidaten oder deren Eltern konfrontiert. Dabei suchen wir nach Möglichkeiten, nach Alternativen“, sagt Hänsel, im Hobby Trainer beim Fußball-Landesligisten BSV Roxel. Beim 38-Jährigen laufen im münsterischen Büro von Sports Scholarship, eins von nur zwei Anlaufstellen in Deutschland, die Fäden zusammen. Seit 2008 und nach dem Abschluss des Bachelor of Science in Business Administration ist er bei einer der sieben einflussreichsten Agenturen Europas tätig.

Auswahl per Video

Die Stipendien resultieren aus den Eindrücken, die die Scouts der Colleges in der Regel selber vor Ort oder per Videostudium gewonnen haben. Die von den Coaches in den USA betreuten und gemanagten Fußball-Mannschaften der Hochschulen bestehen aus 25 Akteuren. Statistisch kommen 9,9 Prozent von ihnen in den Genuss eines geförderten Studiums. 13 sind es im Basketball, je 4,5 im Tennis oder Volleyball. Oft nach Stellenbeschreibung und gezielter Suche.

„Beispielsweise wird im Fußball noch ein Stürmer gesucht, für den noch 80 Prozent eines Stipendiums zur Verfügung stehen“, sagt Hänsel. Darauf gilt es, vorbereitet zu sein. Auch deshalb beobachtet er den Markt, ist in Österreich und der Schweiz vernetzt, in Deutschland unterwegs. Regelmäßig beim U-18-Länderpokal des DFB. Aber Interessenten können sich auch bewerben. Im besten Fall stellt die Agentur Kontakte her, garantiert Beratung. Voraussetzungen sind gute Leistungen in ihren Sportarten, aber auch eine entsprechende Schulbildung inklusive gutem Notenschnitt. Schließlich setzen die Coaches der Hochschulen Erwartungen in ihre „Zugänge“. Die Teams der jeweiligen Universitäten dienen als Aushängeschilder, sind Prestigeobjekte.

Einsätze in All-Star-Teams

Hänsel kennt das aus eigener Erfahrung. Dank eines Stipendiums studierte er drei Jahre in den USA, war einer der ersten, die nach dem Sportgymnasium in Leipzig und Oberliga-Stationen beim FC Sachsen und Carl Zeiss Jena den Sprung über den großen Teich wagten. Im Fußballteam der Towson University in Baltimore wurden ihm mehrere Berufungen in All-Star-Teams zuteil.

Inzwischen hat sich einiges gewandelt. Blieben anfänglich 95 Prozent der Stipendiaten für vier Jahre im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sind es nun etwa 70. Die übrigen 30 Prozent belassen es bei einem Jahr. Was immerhin zwischen 40 000 und 50 000 Euro kostet. Zunächst läuft der Vertrag für ein Jahr, kann aber verlängert werden. Wenn das College auf die sportlichen Fähigkeiten nicht verzichten oder der Gast verlängern möchte.

Karriereknick droht

Aktuell dreht sich aber viel um die ersten Schritte, um das bevorstehende Semester. Noch 22 Kandidaten müssen den Sprachtest absolvieren, der erst einmal abgesagt wurde. „Wir arbeiten an einer Ausnahmeregelung, an Bestätigungen“, sagt Hänsel. Die eigentlich letzte Chance, den Test zu absolvieren, ist für Mai vorgesehen. Spätestens im Juni haben die Scouts ihre Teams komplett. Wer dann nicht dabei ist, kann sich mit einem Urlaubssemester und einem erneuten Versuch anfreunden. Im schlimmsten Fall mit einem Karriereknick.

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