Fußball: DFB-Beschlüsse
Kreisvorsitzender Krevert: „Da wurden Türen aufgestoßen“

Münster -

Die neuen Beschlüsse des DFB sollen Regional- und Landesverbänden, vor allem aber den Vereinen die Dinge in der Corona-Krise vereinfach. Norbert Krevert, der Vorsitzende des Kreises Münster, hält alle Maßnahmen für sinnvoll und erklärt das weitere Vorgehen.

Montag, 06.04.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 15:30 Uhr
Kein Sport, die Schuhe nicht an den Nagel gehängt.
Kein Sport, die Schuhe nicht an den Nagel gehängt. Foto: www.imago-images

Als sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag zu Wort meldete, sorgte das nach der ersten vagen Einschätzung zumindest im Amateurbereich für Aufatmen. Im Wesentlichen wurden vier Punkte angeführt, die anders als sonst gehandhabt werden können: Insolvenzen von der 3. Liga ab abwärts, die Abschlusstabellen, Wechselfristen und fast wie ein Appendix, aber nicht unwichtig zum Beispiel für den SC Preußen Münster, die Abgaben. Sollte es in der 3. Liga zu Geisterspielen bei der möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs kommen, dann müssen die Clubs nicht die Mindestabgabe von 600 Euro oder drei Prozent der Zuschauereinnahmen zahlen. Immerhin.

Norbert Krevert, der Vorsitzende des Fußballkreises 24 Münster, sieht durch die angedachte DFB-Variante vor allem eines: „Wir haben Zeit gewonnen.“ Am Dienstag kommt es zur nächsten Videokonferenz der Kreisvertreter auf Verbandsebene. Und, so Krevert: „Wir sind nicht so weit, dass wir etwas umsetzen können.“ Aber die Grundlage, dass die Saison verlängert werden kann und die sonst üblichen Wechselfristen aufgehoben werden können, versetzen die Funktionäre in eine bessere Situation. Krevert: „Da wurden jetzt Türen aufgestoßen.“ Hier einige Fragen und Antworten:

Inwieweit ändern sich Lizenzierungsfragen oder Abstiegsregelungen durch Insolvenzen?

In der 3. Liga werden Vereine, die in eine Planinsolvenz steuern, aktuell nicht mit einem Punkteabzug bestraft. Bis zu neun Zähler würden üblicherweise am Ende der Saison gestrichen. Clubs werden somit instabile Finanzen wohl nicht so streng ausgelegt. Derzeit soll zum Beispiel der 1. FC Kaiserslautern eine solche Planinsolvenz in Betracht ziehen. Die Lockerung des Punktabzuges bei Einleitung einer Insolvenz gilt auch für Männer-Regionalligisten sowie die 1. und 2. Frauen-Bundesliga. Für Vereine unterhalb der 4. Liga gilt, dass eine eingeleitete Insolvenz die Zurückstufung auf den letzten Platz der Liga und den Abstieg bedeutet.

Die Proficlubs stöhnen über wirtschaftliche Pro­bleme der existenziellen Art, wie sieht es bei Amateurvereinen aus?

„Auf Kreisebene sehen wir das noch nicht. Bislang hat sich kein Verein gemeldet, es gab keinen wirtschaftlichen Hilfeschrei, von dem wir Kenntnis haben“, sagt Krevert. Viele Vereine würden versuchen, eigenständige Hilfsprojekte auf die Beine zu stellen, wie es zum Beispiel der TSV Handorf oder Borussia Münster tun. Krevert: „Die Clubs sind sehr kreativ. Solidarität wird bei allen ganz groß geschrieben.“

Wie sieht ein möglicher zeitlicher Korridor für die aktuelle Saison aus?

Krevert kann dazu keine Angaben machen, das wäre spekulativ. Am 8. März fand letztmals ein Spieltag statt, am 13. März wurden alle Spiele abgesagt, bis zum 30. April geht gar nichts. In den Niederlanden ist für Profis und Amateure bis zum 31. Mai komplette Funkstille angesagt. „Wir müssen natürlich auf das Zeichen der Kommune warten, wann die Plätze wieder genutzt werden können.“ Dieser Termin mit Zugang zu Sportanlagen ist völlig offen.

Was ist gut an der DFB-Entscheidung?

Die mögliche Verschiebung der Wechselfrist in die Zeit nach den 1. Juli würde dazu führen, dass auch die Saison noch einmal aufgenommen werden könnte. Der DFB stellt den Verbänden frei, die aktuelle Saison zu verlängern und die nächste Spielzeit 2020/21 in einem anderen Modus auszurichten. Auch die dann abweichende Regelung für Auf- und Abstieg entschärft augenblicklich die Situation. Zwischen Saison-Abbruch und Saison-Fortsetzung ist alles möglich. Allerdings glaubt Krevert, zumindest was den Spielbetrieb im Juniorenbereich betrifft, dass hier die Entscheidungen zu Beginn der Sommerferien gefallen sein müssten. Diese beginnen am 29. Juni.

Wie lange braucht der Kreis, damit die Saison wieder anlaufen kann?

„Intern gehen wir von einer Vorlaufzeit von 14 Tagen aus, ehe es wieder losgehen kann“, sagt Krevert.

Gibt es Härtefälle?

Darüber sei es momentan noch zu früh zu sprechen. Ziel ist es, dass die 29 Kreise im Fußball- und Leichtathletik-Verband (FLVW) am Ende gemeinsame Entscheidungen treffen, die zudem durch den Westdeutschen Fußball-Verband gedeckt sein sollten. Norbert Kreverts Hoffnung lautet daher: „Wir werden versuchen, möglichst viele Vereine glücklich zu machen.“

Die DFB-Maßnahmen

Der Spielbetrieb im Amateurfußball ist derzeit bundesweit ausgesetzt. Da alle öffentlichen und privaten Sportanlagen für den Publikumsverkehr gesperrt sind, kann auch aktuell kein Trainingsbetrieb im Amateurbereich stattfinden. Grundsätzlich liegt es im Interesse aller Vereine und Verbände, wenn Nachholtermine gefunden, alle Begegnungen der Saison 2019/20 noch ausgetragen werden könnten und die Spielzeit regulär beendet werden könnte. Der Grundsatz, dass ein Spieljahr zum 1. Juli eines Jahres beginnt und zum 30. Juni des folgenden Jahres endet, ist für die nächsten 15 Monate aufgehoben. Dies hat gleichzeitig Auswirkungen auf Spielberechtigungen, Wechselperioden, das Aufrücken in höhere Altersklassen im Jugendbereich sowie auf Verträge von Vertragsspielern oder Abmeldefristen für Amateurspieler. All diese Bereiche können ebenfalls angepasst werden, sollten sich Ende und Anfang der Spieljahre 2019/2020 und 2020/2021 verschieben. Die beschlossenen Änderungen sind ab sofort bis zum 30. Juni 2021 gültig.

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