Boxen: Kein Training im Boxzentrum
Vatanparast verspricht: „Wir kommen wieder“

Münster -

Eigentlich sollte es in den nächsten Wochen und Monaten im Ring richtig rundgehen. Doch die Corona-Krise hat auch die Boxer gestoppt. Einige klopfen nun im Keller auf Sandsäcke. Und hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Dienstag, 07.04.2020, 15:58 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 21:30 Uhr
Da noch im Wettkampfmodus: Mohamed Siala und Trainer Farid Vatanparast
Da noch im Wettkampfmodus: Mohamed Siala und Trainer Farid Vatanparast Foto: Rene Penno

„Wir machen“, sagt Farid Vatanparast mit einem Anflug von Trotz, „gerade Web-Training“. Das muss reichen für den Augenblick. Auch im Boxzentrum, Münsters Kaderschmiede für Faustkämpfer, ruht das Geschehen. Dabei sollte gerade für die ambitionierten Elite-Boxer die Saison jetzt richtig beginnen: NRW-Meisterschaft, DM, mögliche Qualifikationen für internationale Events – und ein Länderkampf sollte noch in der Boxhalle stattfinden. „Ja, das war ein großes Ziel, das müssen wir für dieses Jahr abschreiben“, sagt Vatanparast. Gegen Irland oder die Ukraine sollte es rund gehen, die Gespräche waren schon vorangeschritten. Aktuell sind solche Planungen also auf Eis gelegt.

Insgesamt 22 Athleten umfasst die erste Trainingsgruppe im Boxzentrum, acht Aktive gehören in den Landeskader, mit Dilara Gökalan, Thahel Rentmeister, Dariusz Lassotta und Patrick Walfort ist ein Quartett sogar im Bundeskader angesiedelt. „Es ist schwer zu sagen, wie viel Qualität und Substanz die Athleten jetzt verlieren, die ohne Ringtraining über Wochen sind“, fragt sich Vatanparast. Beispiel Schwergewichtler Patrick Walfort, der passend zum Finale der Westfalenmeisterschaft nahe an seiner Topform war, und der auf nationaler Ebene in den nächsten Wochen weit nach vorne hätte kommen können. Walfort war schon mal deutscher Vizemeister (2017), in ähnliche Bereiche hätte er wohl auch jetzt vorstoßen können. Vatanparast: „Gerade bei den Schwergewichtlern ist das ein Problem mit dem Muskelauf- und -abbau, Trainingsprozesse dauern meist länger.“ Gerade durchleben alle „schweren Jungs“ in diesem Bereich Rückschritte.

Aber Vatanparast trainiert via WhatsApp auch eines der aktuell größten Talente mit Mohamed Siala. Der Warendorfer übt daheim im Keller, Sialas Bruder Abel nimmt die ersten Korrekturen vor, Vatanparast dann nach Videostudium die nächsten. Einfach sei das nicht, optimal schon gar nicht, aber dieser Weg sei besser als nichts zu tun, erklärte Vatanparast. Siala zieht voll mit.

Der Chefcoach ist alles andere als glücklich, denn sportlich war vieles gerichtet: „Wir standen vor den Saison-Höhepunkten, hatten große Ziele.“ Nun also müssen die Athleten sich selber in Schwung halten, Kahraman Uzun und Hidayet Ünal haben Sandsäcke im Keller, was schon einmal eine Basis ist. Aber die Kampferfahrung, sowohl im Training wie auch Wettkampf, fehlt. Aber, so Vatanparast: „Wir kommen wieder.“

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