Volleyball: Bundesliga Frauen
Lina Alsmeier wechselt vom USC nach Schwerin

Münster -

Nach Ivana Vanjak verlässt auch Lina Alsmeier den USC Münster. Eine Ausstiegsklausel in ihrem Vertrag ermöglicht der 19-Jährigen den Wechsel zum SSC Palmberg Schwerin. Der Frust bei den Grün-Weißen ist groß, da nun schon die zweite Leistungsträgerin geht.

Donnerstag, 09.04.2020, 11:20 Uhr
Lina Alsmeier hat ihren Vertrag beim USC Münster gekündigt. Die 19-Jährige wechselt überraschend zum Schweriner SC.
Lina Alsmeier hat ihren Vertrag beim USC Münster gekündigt. Die 19-Jährige wechselt überraschend zum Schweriner SC. Foto: Jürgen Peperhowe

Als Lina Alsmeier vor ziemlich genau einem Jahr beim USC Münster einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieb, klopften sich die Verantwortlichen beim Volleyball-Bundesligisten gegenseitig auf die Schultern. Top-Talent gehalten, ein Stück Zukunft gesichert, das fühlte sich richtig gut an. Jedoch war der Kontrakt kaum mehr als das Papier wert. Nach nur zwölf Monaten, also einem Drittel der vereinbarten Zusammenarbeit, stolpert der Club nun über eine Klausel, die Alsmeier einen legitimen Ausstieg aus der Beziehung ermöglicht. Die 19-Jährige wechselt zum deutschen Rekordmeister Schweriner SC.

Es ist eine Krux mit diesen Sondervereinbarungen. Vor zwei Wochen erst machte sich Ivana Vanjak eine solche zunutze. Auch sie packte ihre Koffer und wird künftig woanders Volleyball spielen. Um den nächsten Schritt zu machen, wie es in diesen Fällen so hübsch verpackt heißt.

Münster sät, andere ernten

Nun auch Lina Alsmeier, die Jung-Nationalspielerin. Groß gewachsen, hoch talentiert, ambitioniert. Schwerin, das gerade einen durchaus nennenswerten Aderlass an Spitzenkräften erlebt, wird sich freuen. Der USC hat die ehemalige Internatsschülerin, die vor vier Jahren aus Emlichheim zu den Unabhängigen kam, vorzüglich ausgebildet. Die Saat ist ausgebracht, ernten werden andere. Jetzt, wo das Talent nach und nach aufblüht, zieht es davon. Nach Schwerin und somit auch zum Bundestrainer Felix Koslowski.

Münster wird mit einer Ablösesumme in nicht bekannter Höhe getröstet. Das ist ein kleines Pflaster, das die Narbe auf Dauer nicht verdecken kann. Erst Vanjak, jetzt Alsmeier – der USC ist binnen kürzester Zeit zweimal ganz böse erwischt worden. Und muss sich auf Schlüsselpositionen völlig neu aufstellen. Präsident Martin Gesigora denkt längst über eine Änderung der Strategie nach. „Das Beispiel Alsmeier zeigt, dass es ganz schwierig ist, unsere Talente dauerhaft zu binden. Vielleicht müssen wir unseren Fokus künftig auch und wieder mehr auf erfahrene Spielerinnen legen.“

Kommentar: Die Klausel-Falle

Und wieder geht dem USC ein Talent von der Fahne. Lina Alsmeier, noch 19, schon Nationalspielerin, verlässt Münster. Es ist ein erheblicher Verlust für den Bundesligisten. Doch noch weitaus schwerer wiegt für den Club die wiederholte Bestätigung der Erkenntnis, zwar weiterhin ein großartiger Ausbildungsbetrieb zu sein, aber qualifiziertes Fachpersonal nicht halten zu können. Wenn Preise und Pokale vergeben werden, schaut der USC sehr oft in bekannte Gesichter, die Trikots der Sieger tragen allerdings andere Farben und Schriftzüge. Internat, Sportschule, Bundesstützpunkt – Münster ist eine bestens aufgestellte Talentschmiede. Und der USC irgendwie immer eine Mannschaft mit Zukunft. Doch wenn die Brücke kurz vor der Vollendung steht, brechen die Stützpfeiler ein. Und wieder beginnt alles bei Null. Sisyphos in der Neuzeit, auch der alte Grieche wurde nie fertig. Vor zwei Wochen zog Ivana Vanjak die Ausstiegsklausel, nun macht auch Alsmeier von diesem Recht Gebrauch. Binnen kürzester Zeit verliert Münster seine wertvollsten Angreiferinnen. Es fällt nun Ralph Bergmann zu, die Lücken so weit wie möglich zu schließen. Für den Ist-Zustand ist der neue Sportliche Leiter nicht verantwortlich. Als er kam und eingriff, war in den Personalien Vanjak und Alsmeier vermutlich nichts mehr zu retten. Vor einem Jahr etwa verlängerte Alsmeier ihren Kontrakt beim USC um drei Jahre bis 2022. Es war ein starkes Votum für die Unabhängigen und darüber hinaus ein Versprechen. Nun, nur zwölf Monate später, ist die Trennung beschlossen. Es mag sein, dass in Münster zuletzt irgendetwas schief gelaufen ist. Vielleicht aber folgt Alsmeier nur dem üblichen Lockruf im Spitzensport: höhere Vergütungen, bessere Perspektive – das sind nicht die schlechtesten Argumente. Fakt ist, dass Münster nicht in der Lage ist, Schwerin wirtschaftlich die Stirn zu bieten. Und sportlich hat in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns der Bundestrainer das Sagen. Nun ist bekannt, dass der Deutsche Volleyball-Verband ziemlich klamm ist und deshalb die allemal unglückliche Konstellation gern verteidigt. Gleichwohl bleibt angesichts der Verquickung der Ämter ein mieser Beigeschmack.

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