Volleyball: Bundesliga Frauen
USC stolpert bei Alsmeier-Weggang erneut über Klausel

Münster -

Eine Ausstiegsklausel, eine spezielle Vereinbarung, ermöglicht Lina Alsmeier den Weggang vom USC Münster. Der Verein verliert einmal mehr ein herausragendes Talent an die zahlungskräftige Konkurrenz und steckt dabei in der Zwickmühle.

Donnerstag, 09.04.2020, 17:04 Uhr aktualisiert: 13.04.2020, 16:52 Uhr
Lina Alsmeier geht beim USC von Bord.
Lina Alsmeier geht beim USC von Bord. Foto: Jürgen Peperhowe

Als Lina Alsmeier vor ziemlich genau einem Jahr beim USC Münster einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieb, klopften sich die Verantwortlichen beim Volleyball-Bundesligisten gegenseitig auf die Schultern. Toptalent gehalten, ein Stück Zukunft gesichert, das fühlte sich richtig gut an. Leider war der Kontrakt kaum mehr als das Papier wert. Nach nur zwölf Monaten, also einem Drittel der vereinbarten Zusammenarbeit, stolpert der Club nun über eine Klausel, die Alsmeier einen legitimen Ausstieg aus der Beziehung ermöglicht. Die 19-Jährige wechselt zum deutschen Rekordmeister Schweriner SC. „In Münster war alles perfekt und optimal für mich. Aber Schwerin ist eine neue Herausforderung. Dort kann ich international spielen und vielleicht auch Deutscher Meister werden“, sagte Alsmeier. Kein schlechtes Gewissen? „Ein bisschen schon, vor zwei Monaten hatte ich schließlich noch nicht die Absicht zu wechseln.“

Es ist eine Krux mit diesen vom Fußball herübergeschwappten und umstrittenen Sondervereinbarungen. Einerseits geben sie den Sportlern große Bewegungsfreiheit. Andererseits nehmen sie den Vereinen das, was diese so gern hätten: Planungssicherheit. Vor zwei Wochen erst machte sich Ivana Vanjak einen Sternchen-Inhalt im Kontrakt zunutze. Auch sie packte ihre Koffer und wird künftig woanders Volleyball spielen. Um den nächsten Schritt zu machen, wie es in diesen Fällen, so hübsch verpackt, heißt.

Vorzügliche Ausbildung

Nun auch Alsmeier, die Jung-Nationalspielerin. Groß gewachsen, hoch talentiert, ambitioniert. Schwerin, das gerade einen durchaus nennenswerten Aderlass an Spitzenkräften erlebt, wird sich freuen. Der USC hat die ehemalige Internatsschülerin, die vor vier Jahren aus Emlichheim zu den Unabhängigen kam, vorzüglich ausgebildet. Die Saat ist ausgebracht, ernten werden andere. Jetzt, wo das Talent nach und nach aufblüht, zieht es davon. Zum Branchenriesen und somit auch zu Felix Koslowski. Er, der Vereins- und Bundestrainer in Personalunion ist, wird sich in doppelter Hinsicht über den Neuzugang freuen. Und auch Alsmeier mag die günstige Konstellation nicht kleinreden. „Es war wirklich nicht der alleinige Grund. Aber so schlage ich in meiner Entwicklung gerade zwei Fliegen mit einer Klappe.“

Alsmeier hält sich zurzeit bei den Eltern in Emsbüren auf und fit. Ihr Vater sei ein wichtiger Berater bei der Entscheidungsfindung gewesen. Dazu diskutierte sie mit Freund und Freundinnen. „Alle haben mir zugeraten. Und jetzt mache ich es.“

Schlüsselposition geschwächt

Münster wird mit einer Ablösesumme in nicht bekannter Höhe getröstet. Das ist ein kleines Pflaster, das die Narbe auf Dauer nicht verdecken kann. Erst Vanjak, jetzt Alsmeier – der USC ist binnen kürzester Zeit zweimal ganz böse erwischt worden. Und muss sich auf Schlüsselpositionen völlig neu aufstellen. Präsident Martin Gesigora denkt über eine Änderung der Strategie nach. „Das Beispiel Alsmeier zeigt, dass es ganz schwierig ist, unsere Talente dauerhaft zu binden. Vielleicht müssen wir unseren Fokus künftig auch und wieder mehr auf erfahrene Spielerinnen legen.“

Ralph Bergmann, der neue Sportliche Leiter und langjährige Nationalspieler, betrachtet die Entwicklung nüchtern. „Es ist super schade, dass Lina uns verlässt. Aber sie hat ihre Absicht offen kommuniziert und sich ja auch vertragskonform verhalten.“ Schon aus finanziellen Gründen sei es schwierig, nun adäquaten Ersatz zu finden und die Lücken im Außenangriff zu schließen.

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