Fußball: 3. Liga
Clubs mehrheitlich für Geisterspiele - Preußen Münster ist dagegen

Münster -

Die Solidarität in der 3. Liga bröckelt. Nicht gerade wenige Vereine haben Ausnahmegenehmigungen beantragt und das Training in kleinen Gruppen aufgenommen. 

Donnerstag, 16.04.2020, 20:19 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 10:00 Uhr
Mit Viktoria Köln wieder im Training: Ex-Preußen-Coach Pavel Dotchev
Mit Viktoria Köln wieder im Training: Ex-Preußen-Coach Pavel Dotchev Foto: imago-images

Hansa Rostock gehört dazu, auch die drei Münchener Vereine 1860, Bayern II und Unterhaching, dazu noch der FC Ingolstadt, MSV Duisburg und Viktoria Köln. Regelmäßig konferieren die Clubs, aber noch nicht einmal hier konnte Konsens über einen einheitlichen Einstieg in das überschaubare Übungsformat des Moments erzielt werden. Ein Trainer aus der 3. Liga, der namentlich nicht genannt werden will, sagte zur aktuellen Lage nur: „Es wird alles ein riesiges Glücksspiel werden.“ Er meint die Wiederaufnahme des Trainings, das Heranführen einer Mannschaft auf Wettkampfniveau und vor allem eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Die Trainingspause seit Anfang März ist jetzt schon länger als jede Sommerpause zwischen zwei Spielzeiten.

Fünf Heimpartien stünden in dieser Saison für Preußen Münster noch an, elf Spieltage sind noch insgesamt auszutragen. Seit Mittwoch steht fest, dass vor dem 3. Mai in Münster regulär auf Sportanlagen nichts passieren wird – der SCP hätte zumindest die Chance, eine Ausnahmegenehmigung für den Trainingsbetrieb zu beantragen. Aber wichtiger ist, dass bis zum 31. August alle Großveranstaltungen mit Zuschauern verboten sein werden. Selbst wenn der Betrieb in der 3. Liga wieder aufgenommen werden sollte, würden die SCP-Begegnungen gegen Halle, Unterhaching, Ingolstadt, Zwickau und Meppen an der Hammer Straße unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Unterschiedliche Meinungen

Für den kaufmännischen Geschäftsführer des SCP, Bernd Niewöhner, steht fest: „Ein Saisonabbruch wäre für uns noch der beste Fall. Mir fehlt der Glaube, dass so viele Spiele ausgetragen und vermarktet werden.“ Geisterspiele im Preußenstadion helfen den Hausherren nicht weiter.

Keine Zuschauereinnahmen, dafür vielleicht ein kleiner Betrag aus der Zentralvermarktung, andererseits ein Corona-Testverfahren für die Preußen-Spieler vergleichbar mit dem von Bundesliga-Akteuren. Und sollte der SCP wieder in den Trainingsmodus einsteigen, dürfte die Kurzarbeit für beendet erklärt werden. Niewöhner: „Wir können uns Geisterspiele nicht leisten.“

Saisonabbruch oder Fortsetzung? Auch hier sind die Meinungen nicht homogen. So rechnen die Verantwortlichen vom 1. FC Magdeburg bei Austragung von fünf Heimspielen ohne Öffentlichkeit mit einem Minus bis zum Saisonende von bis zu 2,1 Millionen Euro, im Falle eines Saisonabbruches mit maximal „nur“ 1,6 Millionen Euro. Ein Minus wird so oder so gemacht. Rostock rechnet es anders vor, beide Vereine schnuppern an der 2. Bundesliga und dem zehnmal so großen TV-Geld-Topf. Letzter Stand der Dinge war, laut „kicker-Sportmagazin“, dass immerhin 13 von 20 Drittligisten für die Saison-Fortsetzung im Mai wären.

Saisonabbruch? So wäre der Stand in Westfalens Ligen

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  • Oberliga: Hier geht es schon los. Der SC Wiedenbrück und der RSV Meinerzhagen sind Erster und Zweiter, doch RW Ahlen (Bild) würde bei zwei Spielen weniger mit zwei Siegen an beiden vorbeiziehen. Eintracht Rheine und Preußen Münster II wären nicht betroffen.

    Foto: Michael Bieckmann
  • Westfalenliga 1: Ein ganz komplizierter Fall. Platz eins (SpVgg Vreden) und sieben (Delbrücker SC) trennen nur drei Zähler. Dabei haben der Dritte (Victoria Clarholz), Vierte (Borussia Emsdetten), Sechste (TuS Hiltrup/Bild) und eben Delbrück ein Spiel weniger absolviert. Wie soll es hier zu einer gerechten Lösung kommen? Auch der 1. FC Gievenbeck als Achter liegt nur fünf Punkte zurück. Unten hätte der SuS Neuenkirchen als Viertletzter Ruhe.

    Foto: fotoideen.com
  • Landesliga 4: Westfalia Kinderhaus (Bild) als Spitzenreiter könnte am ehesten ruhigen Gewissens durchgewunken werden. Ein Punkt mehr und ein Spiel weniger als der Zweite RW Deuten, vier Zähler mehr als der Dritte SV Mesum mit gleich vielen Partien. Da würden sich die Verfolger, zu denen auch der SV Herbern, der BSV Roxel und der Werner SC zählen, nicht zwingend beschweren können. Der abstiegsgefährdete TuS Altenberge würde sich über die Rettung freuen. Am vor der Saison verkündet Rückzug des SC Münster 08 dürfte sich nichts ändern.

    Foto: fotoideen.com
  • Bezirksliga 7: Der SV Drensteinfurt (Bild) liegt momentan an erster Stelle und könnte ein Profiteur werden, doch dahinter lauert mit einem Zähler weniger die SG Bockum-Hövel, die sicher nicht glücklich wäre mit solch einer Entscheidung. Der TuS Freckenhorst folgt zehn Punkte dahinter und kann gelassen sein.

    Foto: Matthias Kleineidam
  • Bezirksliga 11: Der SuS Stadtlohn hat nur drei Punkte weniger als Tabellenführer TuS Haltern II, dem FC Nordkirchen fehlen schon neun zur Spitze, Vorwärts Epe elf. Im Keller ist Schlusslicht VfB Alstätte abgeschlagen. Adler Weseke, der RC Borken-Hoxfeld (beide unter dem Strich), Union Lüdinghausen (Bild) und der SuS Olfen bangten zuletzt.

    Foto: Benedikt Vester
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    Bezirksliga 12: Auch das wird knifflig. Zwischen Rang eins (Vorwärts Wettringen) und fünf (SV Ibbenbüren) sind es nur fünf Zähler. Die SVI und der Vierte SC Greven 09 haben dazu noch ein Spiel weniger bestritten. Mittendrin auch Borussia Münster (Bild) Wie lösen, wenn nicht losen? Unten hat sich der 1. FC Gievenbeck II zurückgezogen. Die weiteren Abstiegsplätze belegen BW Aasee und Cheruskia Laggenbeck aktuell, gefährdet waren auch der SC Hörstel und Concordia Albachten.

    Foto: Peter Leßmann
  • Westfalenliga Frauen: Germania Hauenhorst hat ein Spiel und fünf Punkte weniger als der Erste SF Siegen. Das könnte schon zu Unmut führen. Arminia Ibbenbüren, Wacker Mecklenbeck (Bild)  und der VfL Billerbeck stehen im Mittelfeld, der BSV Ostbevern wäre aller Sorgen ledig. Die Warendorfer SU hat sich längst abgemeldet.

    Foto: Johannes Oetz
  • Landesliga 3 Frauen: Nächste schwere Geschichte – Spitzenreiter Arminia Ibbenbüren II hat ein Spiel und zwei Punkte mehr als Verfolger Borussia Emsdetten. Auch GW Amelsbüren direkt dahinter ist noch im Geschäft. Unten dürften der BSV Brochterbeck und Fortuna Gronau auf den Abstiegsplätzen aufatmen, aber auch der SV Herbern (Bild) und der FC Oeding davor.

    Foto: Johannes Oetz
  • Bezirksliga 5 Frauen: Oben liegt die SpVgg Vreden fünf Zähler (aber mit einer Begegnung mehr) vor dem SuS Legden. Unten könnten die fast sicheren Absteiger Adler Buldern (Bild) und 1. FFC Recklinghausen II durchschnaufen.

    Foto: Simon Beckmann
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    Bezirksliga 6 Frauen: Wacker Mecklenbeck II hat als Primus sechs Punkte Vorsprung vor dem TuS Recke und acht vor SW Esch. Die Abstiegsplätze belegen RW Alverskirchen, der SC Gremmendorf II, der VfL Wolbeck (Bild) und Germania Hauenhorst II.

    Foto: Alex Piccin
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