Volleyball
Christian Wolf hat aus der Ferne Münster immer im Blick

münster -

Er war dann mal weg. Nach fünf Jahren als Chefcoach am Bundesstützpunk Münster folgte Christian Wolf im vergangenen Sommer dem Ruf der weiten Welt, neue Eindrücke und Erfahrungen wollte er sammeln – und sein Wunsch wurde Realität, in Sachen Volleyball war er viel unterwegs.

Freitag, 17.04.2020, 13:50 Uhr
Wohin geht der Blick von Christian Wolf (r.) – etwa nach Münster? Bei der EM 2019, bei der er als Assistent von Bundestrainer Felix Koslowski (l.) tätig war, sammelte der ehemalige Chefcoach des Bundesstützpunkts Münster neue Eindrücke und wertvolle Erfahrungen.
Wohin geht der Blick von Christian Wolf (r.) – etwa nach Münster? Bei der EM 2019, bei der er als Assistent von Bundestrainer Felix Koslowski (l.) tätig war, sammelte der ehemalige Chefcoach des Bundesstützpunkts Münster neue Eindrücke und wertvolle Erfahrungen. Foto: imago images

Es war ein emotionaler Abschied, den Christian Wolf im Juli 2019 erlebte. Aus freien Stücken hatte er sich entschieden, nach fünf Jahren als Cheftrainer den Bundesstützpunkt und damit den VC Olympia Münster zu verlassen. Als der Tag aber gekommen war, waren eine Menge Emotionen im Spiel. Doch der Drang, sich neuen Herausforderungen in seiner Karriere als Volleyball-Trainer zu stellen, war zu groß. Und dieser Hunger auf neue Erlebnisse wurde in den vergangenen neun Monaten vorerst gestillt, Wolf hat viele Erfahrungen gesammelt – als Coach und als Mensch.

Sein neuer Lebensabschnitt begann mit einer Enttäuschung. Keine 14 Tage hatte der 34-Jährigeseine „zweite Heimat Münster“ verlassen, da kam nach einer münd­lichen Zu- aus finanziellen Gründen plötzlich eine Absage aus Japan. Dort hätte er eine Frauen-Mannschaft aus der ersten Liga betreuen sollen. Zum Zeitpunkt der Absage steckte er mit der deutschen Nationalmannschaft als Co-Trainer mitten in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft – und erlebte bei dieser dann „traumhafte Momente“. Schließlich marschierte die DVV-Auswahl ungeschlagen bis ins Viertelfinale und unterlag erst Polen 2:3.

Kontakt nach Israel

Nach der EM öffnete sich für den gebürtigen Heilbronner eine neue Tür, ein alter Kontakt aus VCO-Zeiten frischte auf – und zwar aus Israel. Im November 2017 hatte die U-19-Nationalmannschaft Israels in Münster zu einem fünftägigen Trainingslager gastiert, der Teammanager Shuki Frenkel erinnerte sich nun an Wolf. „Der Kontakt war nie ab­gebrochen, sie haben sich damals sehr wohl bei uns gefühlt. Im Sommer hatte mich Shuki dann ein paar Mal angerufen“, erzählt Wolf, der sich am Elite Sports Department in Tel Aviv dem Technischen Komitee des israelischen Verbands vorstellte und den Zuschlag bekam. Für die Nachwuchsteams von der U 15 an war er nun verantwortlich – eine neue Erfahrung. „Aber genau das wollte ich ja“, sagt Wolf.

Die Entscheidung bereut er nicht, unter „sehr professionellen Bedingungen und Strukturen“ und mit einem „sehr guten Staff“ arbeitete er erfolgreich. Mit der U 19 schaffte er durch 3:0-Erfolge über Schweden und den Kosovo – das 0:3 gegen Gast­geber Montenegro fiel nicht ins Gewicht – den Sprung in die zweite Qualifikationsrunde zur EM. Die aber der Corona-Krise zum Opfer fällt.

Abruptes Ende

Der Ausbruch der Pandemie beendete auch abrupt seine Zeit in Tel Aviv, Hals über Kopf kehrte er vor gut vier Wochen nach Deutschland zurück. Ob es in Israel für Wolf weitergeht, ist offen. „Wir haben sehr gute Gespräche geführt. Aber die Situation ist gerade nicht einfach“, sagt Wolf, der sich in der pulsierenden Stadt am Mittelmeer nicht nur beruflich pudelwohl gefühlt hat. „Ich bin sehr dankbar, dass ich dort sein durfte, und bin sehr angetan von Israel. Die Leute waren alle sehr hilfsbereit und angenehm, es war eine tolle Zeit, nicht nur weil der Strand 200 Meter vom Trainingszentrum entfernt war“, meint Wolf. Auch sportlich nimmt er aus der fremden Kultur neue Eindrücke mit, die von einer Kurzhospitanz in Istanbul beim ehemaligen Bundestrainer Giovanni Guidetti noch verstärkt werden. „Mein Modell, von den Besten zu lernen, konnte ich in meine Arbeit integrieren. Mein Dank gilt dem israelischen Verband, dass ich dieses inspirierende Wochen­ende bei Giovanni erleben durfte.“

Offene Zukunft

EM in der Slowakei und Polen, dann Israel mit einem Abstecher nach Montenegro und in die Türkei. Wolf ist viel herumgekommen, hatte dabei aber auch immer seine alte Wirkungsstätte im Blick. „Münster spielt immer für mich eine besondere Rolle, ich habe noch viel Kontakt zu ehemaligen Spielerinnen oder zu Athletiktrainer Matthias Warnck, der einer meiner besten Freunde ist.“

Wohin es Wolf nun zieht, ist noch nicht klar, ein „paar Möglichkeiten“ gibt es. Eines aber steht fest: Spannend bleibt sein Weg als Volleyball-Trainer auf jeden Fall. Sein Hunger nach neuen Herausforderungen ist definitiv noch nicht gestillt.

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