Handball: Landesliga
Andreas Helftewes zieht bei Münster 08 die Reißleine

Münster -

In der vergangenen Saison beschlossen die Landesliga-Handballer von Münster 08 die Saison als Tabellenzehnter. Dann übernahm Andreas Helftewes das Traineramt und führte das Team bis zum Saisonabbruch der aktuellen Spielzeit am Wochenende auf Rang fünf – und wirft jetzt das Handtuch, weil sein Team mit der sportlichen Leitung nicht zufrieden ist.

Donnerstag, 23.04.2020, 14:18 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 15:22 Uhr
Kurzfristig ist Andreas Helftewes das Lachen vergangen: Der Handball-Trainer hat bei Münster 08 das Handtuch geworfen.
Kurzfristig ist Andreas Helftewes das Lachen vergangen: Der Handball-Trainer hat bei Münster 08 das Handtuch geworfen. Foto: Johannes Oetz

Die Handballer des SC Münster 08 haben die am Wochenende abgebrochene Spielzeit auf Platz fünf der Landesliga beendet – ein starkes Stück für die Jungs aus Münsters Osten. So prominent waren die Nullachter lange nicht mehr in einer Abschlusstabelle vertreten – in Münsters Männerhandball sind sie derzeit das Maß der Dinge, haben zumindest in dieser durchaus belastbaren Momentaufnahme die Westfalia aus Kinderhaus abgelöst.

Es brodelt am Kanal

Doch Freude will darüber so recht nicht aufkommen, es brodelt am Kanal. Am Dienstagabend warf Trainer Andreas Helftewes die Brocken hin. „Ich habe die Reißleine gezogen“, sagte der Handball-Lehrer, der zu Saisonbeginn Björn Hartwig als Cheftrainer abgelöst hatte. Den Stein ins Rollen gebracht hatten allerdings die Spieler, die offenkundig mit der sportlichen Ausrichtung ihres Trainers in der Spielvorbereitung nicht einverstanden waren.

Und das ist das eigentlich Schlimmste, dass da scheinbar ein Dreiviertel Jahr über mich statt mit mir geredet worden ist.

Andreas Helftewes

Während Trainer und Abteilungs-Vorstand bereits vor Monaten über eine Verlängerung der Zusammenarbeit nachdachten, formierten sich im Mannschaftskreis entgegengesetzte Kräfte. Vor sechs Wochen formulierten die Spieler ihre Kritik dann offen beim Vorstand – nach wie vor jedoch nicht beim Trainer. „Und das ist das eigentlich Schlimmste, dass da scheinbar ein Dreiviertel Jahr über mich statt mit mir geredet worden ist“, so Helftewes. Seine Schwester Iris leitet die Handball-Abteilung des Vereins und musste dann den schwierigen und letztlich nicht lösbaren Konflikt moderieren. „Ich bin dann aber bei den Gesprächen bewusst außen vor geblieben, weil ich als Schwester durchaus befangen gewesen wäre.“ Doch auch ohne familiäre Bande hat Iris Helftewes wenig Verständnis für die Entwicklung. „Das hat sich wirklich nicht abgezeichnet. Im Gegenteil: Im Ferbruar waren wir überzeugt, dass wir so weiterarbeiten können.“ Verschleppt wurde die Aufarbeitung des dann endlich offenen Konflikts durch die Corona-Krise. „Es gab vorher keine Gelegenheit mehr“, so Helftewes. „Und im Nachhinein hilft es auch nicht, wenn alle beteuern, dass es nichts Persönliches sei. Wie soll ich das denn sonst auffassen? Sportlich standen wir doch sehr gut da.“

Dazu werden wir aber die Mannschaft mit in die Verantwortung nehmen.

Abteilungsleiterin Iris Helftewes zum Neustart nach der Krise

Die Suche nach einer gemeinsamen Basis für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit scheiterte dann am Dienstagabend digital – die Trennung erfolgte per Whats­App. Eigentlich war der Chat als Mediation geplant, entwickelte sich dann aber anders. „In dem Mannschaftschat gab es dann Äußerungen, die mich veranlasst haben, die Reißleine zu ziehen“, so Andreas Heltewes. Schwester Iris muss jetzt an einem Plan B arbeiten: „Dazu werden wir aber die Mannschaft mit in die Verantwortung nehmen.“

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