Der Amateursport sehnt Lockerungsmaßnahmen herbei
Sport zwischen Küche und Wohnzimmer

Münster -

Die Distancing-Maßnahmen müssen auch auf Blumenvasen und andere Deko-Elemente ausgeweitet werden, der Teppich sollte halbwegs sicher und rutschfest liegen, dann kann es losgehen: Sport in Zeiten der Corona-Krise. Aus den Trainingshallen in die Wohnzimmer. Ein unaufhaltsamer Trend, aber sicher nicht die optimale Lösung auf Dauer

Sonntag, 03.05.2020, 20:24 Uhr
Karate zwischen Küche und Wohnzimmer. Sport in Zeiten der Coronakrise braucht kreative Ideen – aber auch die können nicht zur Dauerlösung werden
Karate zwischen Küche und Wohnzimmer. Sport in Zeiten der Coronakrise braucht kreative Ideen – aber auch die können nicht zur Dauerlösung werden Foto: Olivia Gazdic

Seit Tagen hatte die Sportfamilie nicht nur in Münster auf diesen letzten Tag im April hingefiebert – und dann doch nur dieses: April, April, so lautete aus Sicht des Sports das ernüchternde Fazit dieser so hoffnungsbefrachteten Videokonferenz der Kanzlerin mit ihren ranghöchsten Kollegen aus allen Bundesländern. Am vergangenen Donnerstag spielte nicht nur der viel und kontrovers diskutierte Neustart der Fußball-Bundesliga keine Rolle in den Beratungen auf politischer Ebene, auch die explizit formulierten Wünsche, Hoffnungen und Forderungen des DOSB und entsprechend auch die lange Liste des Stadtsportbundes Münster waren (noch) kein Thema für die hohe Politik. Geduld bleibt also erste Tugend für die Sporttreibenden der Nation, nächster Sehnsuchtspunkt ist die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch.

In Münster hatten vor allem die naturgemäß distanzierten Freiluftsportarten wie Tennis und Golf auf eine erste spürbare Lockerungsvorgabe gehofft. In Wilkinghege und Münster-Tinnen warten die Anlagen ebenso auf die ersten Abschläge wie Tennis-Clubs und -Schulen auf Aufschläge und Returns. Die Planungen für einen verantwortungsvollen Re-Start sind getroffen. „Wir gehen davon aus, dass wir zeitnah mit bestimmten Vorgaben wieder auf die Tennisplätze dürfen und das Sommertraining starten kann“, sagt Dirk Leppen von der Tennisakademie „Best-of-five“. „Die Gesundheit geht natürlich vor“ bleibt der verbindliche Leitsatz, aber die Tennis-Plätze sind ready to play. Strenge und angemessene Hygieneregeln haben die Clubs längst griffbereit in den Schubladen liegen.

Auch die beiden Ruderclubs wären bereit, neben den bereits aktivierten Kleinbooten auch die Vierer und Achter wieder aus den Bootshäusern zu befreien und zu Wasser zu lassen. Der Probelauf mit den Einern und Zweiern zumindest hat gezeigt, dass auch das Geschehen an den Bootshäusern und auf dem Kanal mit Disziplin und Gespür gut abgewickelt werden kann.

Schwieriger wird es bei den klassischen Hallensportarten. Doch auch hier wird im Hintergrund vorausschauend gearbeitet: Der Deutsche Handballbund veröffentlichte am Donnerstag einen Acht-Stufen-Plan von der vorsichtigen Rückkehr vom autonomen Freilufttraining bis zum ersten Spiel unter Wettkampfbedingungen: Jede Phase des „Return-to-play-Konzeptes“ ist mit jeweils 14 Tagen veranschlagt – demnach könnte in vier Monaten wieder gespielt werden. All das ist natürlich nur Theorie und untersteht der strengen Regentschaft des Coronavirus. Allemal jedoch ein deutliches Signal, dass der Amateursport reif und heiß ist auf die Rückkehr auf Plätze, Flüsse und natürlich irgendwann auch in die Hallen.

Bis dahin zählen Laptops und Computer in vielen Sportarten zu den wichtigsten Utensilien. Münsters Kampfsportler beispielsweise haben Zoom und vergleichbare Plattformen längst für sich entdeckt. Auch das Budosportcenter des ehemaligen Karate-Weltmeisters Jörg Gantert hat seine Einheiten per Videoschalten in die Wohnzimmer und Keller seiner Schützlinge ausgelagert. Mit Erfolg: „Das wird super angenommen. Ich bekomme unglaublich viele positive Rückmeldungen. Da merkt man nach sieben Wochen Shutdown, dass den Leuten das immens fehlt“, so Gantert. „Die Menschen werden nervöser, es gibt Sorgen, Ängste, einige werden langsam zornig, allen fehlt der Ausgleich. Es wird höchste Eisenbahn, dass der Sport, natürlich unter allen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen, wieder hochgefahren wird.“

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