Interview
SSB-Chef Schmitz: „Ganz am Ende der Wertschätzungskette“

Münster -

Irgendwo im Schatten der Geisterspiele im Fußball hat die große Politik auch den Breitensport zurück ins öffentliche Leben geholt. So zumindest sieht Michael Schmitz, Vorsitzender des Stadtsportbundes Münster, die ersehnten Lockerungen für die Sporthungrigen in Deutschland und entsprechend auch in Münster.

Mittwoch, 06.05.2020, 17:48 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 07:07 Uhr
Noch sind die Pforten an der Sentruper Höhe geschlossen. Der Stadtsportbund hofft, dass hier wie an den anderen städtischen Sportanlagen bald wieder Sport betrieben werden kann.
Noch sind die Pforten an der Sentruper Höhe geschlossen. Der Stadtsportbund hofft, dass hier wie an den anderen städtischen Sportanlagen bald wieder Sport betrieben werden kann. Foto: Oliver Werner

Erlaubt wurden zunächst nur sportliche Aktivitäten unter freiem Himmel und unter Bedingungen, auf die sich die Sportminister der Länder bereits am 28. April geeinigt hatten. Doch am späten Nachmittag schob NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dann die Botschaft nach, auf die man beim SSB gehofft und gewartet hatte: Ab dem 11. Mai soll auch in Hallen wieder geschwitzt werden dürfen. Hallen- und Freibäder sollen folgen.

Herr Schmitz, die Bund-Länder-Konferenz hat sich mit Verzögerung an diesem Mittwoch endlich auch mit dem Breitensport beschäftigt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Michael Schmitz: Absolut. Das entspricht dem, was wir uns gewünscht und erhofft haben. Bislang stand der Sport ganz am Ende der Wertschätzungskette. Jetzt hat sich eine neue Dynamik ergeben, wohl auch durch die Lockerungen in vielen anderen Lebensbereichen.

Sind die Vereine vorbereitet auf den Re-Start?

Schmitz: Bestens. Für viele Sportarten liegen die Pläne längst in den Schubladen und können sofort aktiviert werden.

Schneckenrennen in NRW

Nordrhein-Westfalen war bislang unumstrittenes Schlusslicht im Schneckenrennen der Lockerungen, jetzt biegt NRW plötzlich auf die Überholspur ein.

Schmitz: Sieht so aus. Jetzt folgen endlich den wochenlangen Ankündigungen auch Taten. Der Druck auf die Landespolitik ist offensichtlich so groß geworden, dass die entsprechende Reaktion endlich einsetzen musste. Ohne die Diskussion um die Geisterspiele im Fußball wäre der Sport aber möglicherweise immer noch nicht in dem Maße zur Sprache gekommen.

Bundesliga als Gladiatorenspektakel

Immerhin gibt es grünes Licht für den Profifußball?

Schmitz: Für die Bundesliga ist das vielleicht nachvollziehbar. Das ist mehr Geschäft als Sport, das ist ein Gladiatorenspektakel mit hohem Unterhaltungswert, aber für die dritte Liga schließe ich mich da absolut der Sichtweise des SC Preußen Münster an, der sagt, dass vor einer Erlaubnis für Geisterspiele erst die Freigabe für den Breitensport fällig wäre. Die haben wir jetzt ja zum Glück.

Welche Maßnahmen müssen jetzt noch folgen?

Öffnung der städtischen Anlagen

Schmitz: Wir sind jetzt in der operativen Ebene. Was das Land jetzt vorgegeben hat, muss auf städtischer Ebene umgesetzt werden. Wir erwarten, dass städtische Sportanlagen wie die Sentruper Höhe für den Individualsport oder für Trainingseinheiten unter Berücksichtigung aller Kontaktrichtlinien wieder geöffnet werden. Warum soll nicht wieder Speckbrett gespielt und für das Sportabzeichen trainiert werden?

Konkret heißt das ...

Schmidt: ... dass die Stadt den Vereinen das Vertrauen geben muss, dass sie sich nicht nur, aber vor allem in den letzten Wochen verdient haben. Alle sind verantwortungsbewusst und schnell in den Shutdown gestartet, haben binnen 24 Stunden alle Sportanlagen verlässlich geschlossen. Jetzt können sie wieder herauskommen und die Systeme hochfahren. Immer natürlich mit dem erforderlichen Augenmaß. Wir wollen Sport für alle ermöglichen, aber auf keinen Fall eine zweite Infektionswelle verursachen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7398547?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker