Fußball: 3. Liga
Stadt erteilt Grünes Licht: Preußen spielen Sonntag

Münster -

Es wurde heftig diskutiert, als „unwürdiges Schauspiel“ und „unerträglich“ bezeichnete DFB-Vize Rainer Koch den Streit über die Fortsetzung der 3. Liga. Seit Montag ist es nun amtlich, der Spielbetrieb geht am Pfingstwochenende weiter, auch die Stadt Münster gab Grünes Licht. Und so müssen auch die Kicker des SC Preußen Münster wieder die Fußballstiefel schnüren. Am Sonntag, gegen den Halleschen FC

Montag, 25.05.2020, 19:40 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 16:10 Uhr
Sonntag könnte nach fast drei Monaten Pause wieder gespielt werden wie zuletzt Anfang März in Köln:
Sonntag könnte nach fast drei Monaten Pause wieder gespielt werden wie zuletzt Anfang März in Köln: Foto: imago-images

Ob es eine frohe Kunde für den SC Preußen Münster war, sei mal dahingestellt. Eher nicht. Aber zu Wochenbeginn gab es diesen einen Satz, mit dem die Stadt Münster zumindest Grünes Licht für ein pfingstliches Aufeinandertreffen des SCP in der 3. Liga mit dem Halleschen FC gab. „Die Stadt hat nach Prüfung eingereichter Unterlagen dem SC Preußen heute schriftlich mitgeteilt, dass keine Bedenken gegen die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainingsbetriebs bestehen, wenn nur Spieler eingesetzt werden, die aktuell zweimal negativ auf Sars-CoV-2 getestet worden sind“, hieß es in dem knappen Skript, unterzeichnet von Wolfgang Heuer, dem Leiter des örtlichen Corona-Krisenstabes. Profifußball im Preußenstadion ist damit wieder möglich.

Fast zeitgleich machte der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes den Weg für Spiele frei. Die außerordentliche Versammlung war um 13 Uhr gestartet worden, die entscheidende Abstimmung brachte eindeutige Ergebnisse. Insgesamt 262 Stimmberechtigte gab es, 238 waren virtuell anwesend, einfache Mehrheit war bei 120 Stimmen erreicht, eine Zweidrittel-Mehrheit bei 159.

94,87 Prozent für Fortsetzung

Als die wichtigste Frage des Tages anstand, entschieden sich 94,87 Prozent der Stimmberechtigten für die Fortsetzung der Saison in der 3. Liga. Nur zwölf Stimmen, allein der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hatte an diesem Montag 13 Delegiertenstimmen, waren dagegen. Und hatte der FLVW noch, mit viel Applaus bedacht, die Amateursaison für beendet erklärt mit Aufsteigern und ohne Absteiger, so dürfte das Votum in DFB-Kreisen einen gänzlich anderen Zungenschlag gehabt haben. SCP-Geschäftsführer Bernd Niewöhner hatte vor dem Wochenende vermutet, dass FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders nun anders agieren würde. Letztgenannter dürfte wohl die Drittliga-Fortsetzung befürworten. Die zwölf Gegenstimmen, woher auch immer, waren dann nur eine unbedeutende Randnotiz.

Gegenwind aus dem Süden

Die Diskussion, die zuletzt massiv geführt worden war mit den zwei Polen der Saisonabbruch-Befürworter und der Fortsetzungs-Votierer, spielte offenbar keine Rolle mehr, zu eindeutig sind die Beschlüsse. Der SC Preußen hatte in den letzten Wochen und Monaten für Abbruch plädiert, in der münsterischen Denkweise hätte das zum Klassenerhalt geführt. Die Front gegen den SCP und die Mitstreiter aus Halle, Jena oder Magdeburg war am Ende gewaltig. „So wie sich manche verhalten, da frage ich mich schon, ob wir noch eine Profiliga oder eine Amateurliga sind. Wenn ich ein Profiverein bin, dann sollte ich mich auch messen wollen, auf dem Spielfeld und nicht am grünen Tisch“, sagte Unterhachings Club-Chef Manfred Schwabl. Der SCP war damit gemeint. Wobei es den Preußen-Spielern obliegt, Unterhachings Aufstiegsträumen am 6. oder 7. Juni einen Dämpfer zu verpassen. Kleine Rache und so.

Kritiker weggefegt

Ein „unwürdiges Schauspiel, unerträglich und nicht länger hinzunehmen“, moserte auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der Bayerns fünf Drittligisten massiv in Sachen Saison-Fortsetzung unterstützte. Sie fegten alle Kritiker und Skeptiker vom Tisch, es war ein überdeutlicher Sieg der DFB-Kaste, ein „Ja“ zum Weitermachen. Die Saison muss auf jeden Fall weitergehen.

  • Junioren-Bundesliga:
  • Nicht einmal ein Trostpflaster ist in diesem Kontext, dass sowohl die U-19-Junioren wie auch die U-17-Auswahl der Preußen den Klassenerhalt geschafft haben. Die Saison wird abgebrochen, es gibt keine Absteiger in den höchsten deutschen Jugendklassen. Die A-Jugend war nach 20 von 26 Spieltagen siegloser Vorletzter mit vier Zählern Rückstand auf einen Nichtabstiegsrang. Glück gehabt. Die U 17 rangierte auf Rang sieben nach 21 von 26 Partien mit fünf Zählern Vorsprung auf die Abstiegszone. Das wäre auch so gutgegangen.
Preußen im Quarantäne-Trainingslager in Münster

Man kennt das ja von Promis, von Künstlern, die zum Gastspiel in irgendeine Stadt kommen: Kleintransporter, im Idealfall verdunkelte Scheiben, Durchfahrt in die Tiefgarage des Hotels, über Aufzüge die Rezeption ignorierend hoch in die Zimmer. Abstand vom Rest der Welt. Fast genau so wird es bei den Preußen in dieser Woche bis zum Heimspiel am Sonntag vor leeren Rängen im Preußenstadion gegen Halle laufen – außer, dass die Kleinbusse keine verspiegelten Scheiben haben. 79 Tage nach der letzten gemeinsamen Einheit darf der SCP am Dienstag wieder in voller Mannschaftsstärke trainieren. Die zweite Testreihe, die am Montag erfolgt war, hatte wie die erste am Samstag ausschließlich negative Ergebnisse gebracht. Die Voraussetzungen sind damit erfolgt, auch das zuständige Gesundheitsamt gab eine positive Rückmeldung. Nun geht es in die Einsiedelei eines Hotels in der Innenstadt in Münster, sechs Übernachtungen sind dabei Pflicht. Vorgabe vom DFB. Dabei gilt Kontaktsperre – ausgenommen die Fahrt des Teams samt Trainerstab zum Training und wieder zurück. Quarantäne im Herzen der Domstadt könnte so schön sein. Allerdings: Bei einer solch radikalen Ausgangs- und Kontaktsperre ist das eher eine Einkasernierung oder Strafe, weniger ein Vergnügen.

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