Fußball: 3. Liga
Preußen Münster kommt wieder in Fußballlaune

Münster -

Es ist nicht immer leicht, Abstand zu wahren, wenn sich die Termine so dicht aneinander drängen, dass es kaum Platz dazwischen gibt. Am Sonntag steht das erste Geisterspiel für Drittligist Preußen Münster an, am Mittwoch das Auswärtsspiel in München. Viel Arbeit für Geschäftsführer Malte Metzelder – aus dem Quarantänehotel nicht zu bewältigen. Drum muss Metzelder auf Distanz zu seinen Spielern gehen.

Donnerstag, 28.05.2020, 16:38 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 13:04 Uhr
Training im kleinen Kreis: Jan Löhmannsröben, Marco Königs, Seref Özcan, Ole Kittner, Alexander Rossipal und Kevin Rodrigues Pires.
Training im kleinen Kreis: Jan Löhmannsröben, Marco Königs, Seref Özcan, Ole Kittner, Alexander Rossipal und Kevin Rodrigues Pires. Foto: SCP

Wenn Malte Metzelder am Trainingsgelände des SC Preußen Münster steht, dann hält er vorbildlich Abstand. Der Geschäftsführer des SC Preußen Münster geht auf Distanz zum eigenen Team – nicht ganz freiwillig, aber zum Teil auch selbst gewählt. „Ich gehöre zum Monitoring-Team, bin aber nicht im Quarantäne-Hotel, dafür habe ich zu viele Dinge außerhalb zu tun“, berichtet Metzelder von den letzten Tagen vor diesem ominösen Tag X, der für den heimischen Drittligisten am Pfingstsonntag mit dem Geisterspiel gegen den Halleschen FC eingeläutet wird. Die vorerst letzte Hürde wurde mit dem bei der Stadt Münster hinterlegten Hygienekonzept genommen, das postwendend mit der Spielfreigabe für Sonntag beantwortet wurde. Gespräche mit den Spielern und vor allem mit Trainer Sascha Hildmann führt der Geschäftsführer mobil oder mit dem angesagten Abstand. „Nicht optimal, aber es geht“, so Metzelder.

Vertrauen ins Team ist groß

Das Vertrauen in die sportliche Abteilung ist dabei groß: „Die Mannschaft hat die neue Situation sofort angenommen, wie sie ist. Und man merkt, dass sich alle auch freuen, wieder auf dem Platz zu stehen und das zu tun, was sie am besten können.“ Natürlich seien, das stellt Metzelder auch aus der Ferne fest, „gewisse Dinge noch nicht wieder auf dem Niveau, auf dem sie vor dem Abbruch waren.“ Geschenkt, ebenso wie die Tatsache, dass Gegner Halle einige Tage Vorsprung in Sachen Mannschaftstraining hat. „Das ist so und nicht mehr zu ändern, aber ich gehe davon aus, dass das Spiel am Sonntag im Kopf entschieden wird“, sagt Metzelder, der sein Team physisch wie psychisch auf einem guten Weg sieht. Jannik Borgmann ist verletzt, Fridolin Wagner fehlt gesperrt. „Ansonsten sind alle Mann an Bord.“

Wer schläft im Hotel?

Der SC Preußen ist derzeit aufgeteilt: Der innere Zirkel ist gemeinsam in einem Innenstadthotel in Münster untergebracht – und damit gemäß den von der DFL aufgestellten und vom DFB übernommenen Corona-Richtlinien unter Quarantäne. Im konkreten Fall betrifft das sämtliche Spieler, den vierköpfigen Trainerstab, zwei Physiotherapeuten, Zeugwart Helge Dahms und Teambetreuer Harald Menzel. Alle anderen, unter anderem eben auch die komplette Funktionärsriege und Geschäftsführer Malte Metzelder, halten Abstand.

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Geregelt sind auch die nötigen Hygienemaßnahmen im und am Stadion. „Wir haben Wege gefunden, alles gemäß den Richtlinien hinzubekommen“, so Metzelder. So nutzen die Preußen am Spieltag sowohl Heim- als auch Gästekabine zur Vorbereitung, während sich Gäste und Schiedsrichter im Jugendtrakt nicht in die Quere kommen. Beim Warmmachen und auch beim Einlauf gehen sich die Teams streng kanalisiert aus dem Weg. Kontakt gibt es erst nach dem Anpfiff und dann auch nur bis zum Abpfiff. Zwischendrin wird die Unterstützung der eigenen Anhänger natürlich fehlen, einen kräftigen Motivationsschub von den Fans und Freunden des Clubs verspüren die Preußen dennoch. „Die Unterstützung im Umfeld ist großartig“, bedankt sich Metzelder bei den Menschen, die dem Club in diesen Tagen auf vielfältige Art den Rücken stärken. „Man darf ja nicht vergessen, dass es bei dieser Krise nicht nur um die Preußen geht. Alle haben diese Last zu tragen, teilweise deutlich mehr als wir. Dennoch erfahren wir wirklich großen Rückhalt.“ Mit den Konditionen des Quarantäne-Hotels beispielsweise könne man gut leben. „Die haben schnell und unkompliziert alles so organisiert, wie es das Hygienekonzept vorsieht.“

Fans beweisen Treue

Und auch die Fans beweisen Treue. Die positiven Si­gnale von Zuschauern, die auf eine Erstattung ihrer Eintrittskarten für die bevorstehenden Geisterspiele verzichten wollen, seien sehr erfreulich. Bedanken will sich das Team am Sonntag mit einem gepflegten Geisterdreier. Und anschließend gilt mehr denn je die alte Herbergerschen Weisheit, gemäß der nach dem Spiel vor dem Spiel ist. Bereits am Mittwoch (19 Uhr) sind die Preußen bei den Bayern-Amateuren in München gefordert. Am Dienstag geht es auf dem Luftweg nach München, am Donnerstag zurück – zwei Übernachtungen, „die wir normalerweise natürlich nicht gebraucht hätten“, so Metzelder. Doch „normalerweise“ ist derzeit ohnehin kein sinnstiftendes Adverb.

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