Fußball: 3. Liga
Einspruch beim DFB: Preußen Münster gibt sich nicht geschlagen

Münster -

Am Freitagabend bekam die Diskussion um die umstrittene Fortsetzung der Saison in Liga drei eine überraschende neue Dimension. Der SC Preußen Münster hatte beim DFB Protest gegen die Wertung der Partie gegen Bayern München II (2:3) eingelegt. Es geht um Fairness und Chancengleichheit. Der Klassenkampf erreicht damit eine neue Ebene.

Freitag, 05.06.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 22:04 Uhr
2:3 in München verloren – zwei Tage später haben die Preußen Einspruch eingelegt.
2:3 in München verloren – zwei Tage später haben die Preußen Einspruch eingelegt. Foto: Bernd Feil

17.15 Uhr schickte der Deutsche Fußball-Bund die knappe Dreizeilen-Meldung ins Land, dass Drittligist Preußen Münster gegen die 2:3-Niederlage bei den Amateuren des FC Bayern fristgerecht Einspruch eingelegt hätte. Grund: Die Austragung des Spiels verstoße gegen die Grundsätze des Fair Play und der Chancengleichheit. 55 Minuten später folgte die Bestätigung durch den SC Preußen, was so eigentlich nicht geplant war. „Wir wollten dass nicht an die große Glocke hängen“, so SCP-Sportchef Malte Metzelder.

„Aber nachdem der DFB an die Öffentlichkeit gegangen war, mussten auch wir uns äußern.“ Immerhin in fünf Sätzen bestätigte der Drittligist den Vorgang. Und: „Wir möchten uns mit unserem Vorgehen zumindest unter Wahrung der Fristen alle Rechtsmittel offen halten“, so Metzelder. Immer mit der Maßgabe, dass der SCP weiterhin am liebsten auf dem sportlichen Weg den Klassenerhalt schaffen möchte: „Wir sind immer noch davon überzeugt, dass auf dem Platz klären zu können. Aber wir wollen die Art und Weise nicht klaglos über uns ergeben lassen.“

Bayern bereits seit dem 22. April im Mannschaftstraining

Für einen Moment hatte man das Gefühl, das wäre ein Scherz, Fake News von der einen oder anderen Seite, spät am Freitag lanciert, damit es nicht so auffällt und die meisten sowieso schon mit den Gedanken im Wochenende sind. Aber tatsächlich war es so, dass der SC Preußen am grünen Tisch gewissermaßen in die Offensive gegangen ist und den Einspruch eingelegt hat, der Verband wird das nun prüfen und durch das DFB-Sportgericht schnell zu einem Ergebnis kommen müssen. Zudem gingen die Preußen juristisch auch „gegen die kurzfristigen Entscheidungen des DFB-Bundestages und die darauffolgenden kurzfristigen Spielansetzungen“ mit ihrem Einspruch vor.

29. Spieltag - Saison 2019/20: Bayern München 2 - Preußen Münster

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  • Am 29. Spieltag der 3. Liga gastierte der SC Preußen Münster beim FC Bayern 2.

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  • Während die Münsteraner im Abstiegskampf stecken, stehen die Münchener im oberen Tabellenviertel. 

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  • Das Spiel begann überaus gut für den SCP: Bereits in der ersten Spielminute gingen die Münsteraner durch einen Treffer von Mörschel in Führung.

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  • Was für ein gelungener Auftakt für den SCP!

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  • ...denn in einem offenen Schlagabtausch glichen die Münchener schon in der 4. Minute aus.

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  • Die Bayern spielten weiter nach vorn und gingen ihrerseits in der 18. Minute mit 2:1 in Führung.

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  • Doch der SCP steckte nicht auf...

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  • Angetrieben von Trainer Sascha Hildmann gelang dem SCP in der 37. Minute der 2:2-Ausgleich.

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  • Mit dem Remis ging es in die Pause.

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  • Im zweiten Spielabschnitt musste sich Preußen Münster stark zur Wehr setzen...

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  • ...denn die Hausherren war klar spielbestimmend.

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  • Kwasi Okyere Wriedt erzielte schließlich den 3:2-Siegtreffer für den FC Bayern 2.

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  • Es folgen weitere Impressionen vom Spiel...

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Im Wesentlichen dreht es sich darum, dass die „kleinen Bayern“, wie die Zweitvertretung des Deutschen Meisters auch genannt wird, bereits seit dem 22. April im Mannschaftstraining sind, die Preußen aber aufgrund der gesetzlichen und hygienischen Auflagen in NRW erst drei Wochen später das Kleinstgruppen-Training aufnahmen und lediglich fünf Übungseinheiten als Mannschaft ab dem 26. Mai vor dem Re-Start gegen Halle bestreiten durften. Diese Partie wurde im Übrigen am Pfingstsonntag mit 4:2 gewonnen. Drei Tage später folgte die bittere 2:3-Niederlage in München.
Unbeantwortet blieb die Frage, ob die Preußen auch im Erfolgsfall diese juristischen Einwände beim DFB abgegeben hätten.

SCP stets für Saisonabbruch

So soll auch überlegt worden sein, gegen „Wettbewerbsverzerrung“ bei der Ansetzung der Partie von Jena gegen Kaiserslautern zu protestierten. Schlusslicht Jena trat das Heimrecht an Kaiserslautern ab, die Pfälzer – ebenfalls noch abstiegsbedroht – ersparen sich somit eine mühsame Auswärtsfahrt. Nun bestreitet Kaiserslautern also sein Auswärtsspiel im eigenen Stadion. Wettbewerbsverzerrung? Zumindest einen Gedanken wert.

Die Preußen unterstreichen mit der Eingabe beim DFB, dass sie mit allen Mitteln versuchen, die 3. Liga zu halten. In der Corona-Krise war der SCP stets auf der Seite der Befürworter eines Saisonabbruchs, tat sich allerdings mit Meinungsäußerungen nicht so lautstark hervor wie der Hallesche FC, FC Magdeburg oder auch Jena. Umso klarer ist die Botschaft jetzt. „Dass wir mit der Vorgehensweise des DFB nicht einverstanden sind, ist ja nicht neu. Wir haben diese Punkte schon von Beginn an klar an- und ausgesprochen. Zum Schutze des Vereins ist es jetzt unsere Pflicht, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen – und das beginnt damit, dass wir die vorgeschrieben Fristen wahren“, so Metzelder. 48 Stunden blieben nach der Partie in München Zeit – anschließend wäre diese erste Niederlage nach dem Re-Start der Liga aktenkundig und nicht mehr anfechtbar gewesen.

Der Klageweg indes soll sich nicht mit den sportlichen Schritten von Trainer Sascha Hildmann und seinen Schützlingen überkreuzen, wie Metzelder nochmals betont: „Wir sind in der Lage, sportlich die Klasse zu halten.“

Kommentar

Warum nicht?

Die Wahrscheinlichkeit, dass der SC Preußen mit seiner juristischen Eingabe einen Erfolg haben könnte, dürfte gegen null gehen. Andererseits, das sei zur Ehrenrettung gesagt: ohne den Versuch wird man nie erfahren, was die Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bundes so hergibt. In einem gänzlich anders gelagerten Fall gewann der SV Wilhelmshaven einen siebenjährigen Rechtsstreit beim Bundesgerichtshof, allerdings ohne die Wiedereingliederung in die Regionalliga zu erreichen oder Schadensersatz zu erhalten. Sieg ohne Ertrag.

In Anbetracht der vermutlichen Aussichtslosigkeit stellt sich die Frage: „Macht der Protest Sinn?“ Im Hintergrund rauschen die Expertenmeinungen. Der Verein gäbe sich damit der Lächerlichkeit preis, die Spieler könnten ein Alibi erhalten, der Fokus auf das Sonntagsspiel werde gestört, das hätte alles schon viel früher passieren müssen, der Verein sei in den ersten zwei Monaten der Corona-Krise zu passiv und zu leise gewesen. Plan B, oder C, oder XYZ hätten einfach zu lange gefehlt.

So oder so, die Preußen machen wieder von sich reden. Sportlich besteht etwas mehr als Resthoffnung, und dazu dieses Fitzelchen juristischer Hoffnung auszuloten ... Ganz ehrlich, warum eigentlich nicht. Es sind Corona-Zeiten, diese Saison wird auch ohne juristische Umwege nicht ausschließlich auf den Plätzen entschieden, dafür sind die Voraussetzungen zu ungleich, die Bedingungen nicht vergleichbar. Vergleichbares gab es ohnehin noch nie, vielleicht ist es ja für irgendwas gut.

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