Fußball: 3. Liga
Preußen Münster steigt nach Pleite gegen Meppen ab

Münster -

Das war es nun. Aus und vorbei, um 20.47 Uhr ging die Sonne an diesem 1. Juli 2020 hinter der westlichen Stehtribüne unter, der SC Preußen gleich mit. Kein zweites Endspiel, kein Finale furioso in Magdeburg am Samstag, die große Entscheidung gegen die Adlerträger ist gefallen und in Stein gemeißelt. Der SC Preußen Münster steigt ab.

Mittwoch, 01.07.2020, 21:50 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 09:46 Uhr
Fußball: 3. Liga : Preußen Münster steigt nach Pleite gegen Meppen ab
Das 0:3 besiegelt den Abstieg der Preußen. Meppens Nicolas Andermatt versucht Kevin Rodrigues Pires und Joel Grodowski zu trösten. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach neun Jahren in der 3. Liga endet dieses Kapitel. Nun gut, man musste damit rechnen, aber ein Fitzelchen Resthoffnung begleitete den Traditionsclub von der Hammer Straße durch die letzten Wochen und Monate – alles für die Katz, Aufholjagd, Preußen-Supporters-Aktion, Trainerwechsel, Wintertransfers. Und, und, und.

„Ich hatte mir das anders vorgestellt“, sagte SCP-Coach Sascha Hildmann. Er wirkte angeschlagen, ausgelaugt, und: „Das ist ein bitterer Augenblick, ein schlimmer Moment. Wir haben einfach zu viele Punkte liegengelassen gegen  Ingolstadt oder in Braunschweig. Und man muss sagen, dass wir zu wenig gegen direkte Konkurrenten wie Großaspach oder Chemnitz geholt haben.“ Dann bedankte er sich, fügte an: „Tut mir leid Männer, ich hätte es gerne geschafft.“ Ging in die Kabine zu seinen Schützlinge und donnerte dann ein wildes „Scheiße“ in die Katakomben. 

Geisterspielzeit endet wie ein böser Spuk

Raus aus Liga drei, hinein in die bittere Welt der Regionalliga. Viertklassigkeit, wir kommen. Nach der 0:3 (0:1)-Heimpleite gegen den SV Meppen geht nichts mehr, die Aufholjagd ist vorbei, die unglaublich schwere Mission des Sascha Hildmann ist nicht von Erfolg gekrönt, die Geisterspielzeit 2019/20 endet wie ein böser Spuk. Abstieg. Ein Desaster.

37. Spieltag - Saison 2019/20: SC Preußen Münster - SV Meppen

1/21
  • Abgestiegen! Nach dem Spiel brauchte SCP-Trainer Sascha Hildmann ein paar Minuten für sich.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Am vorletzten Spieltag mussten sich die Preußen dem SV Meppen mit 0:3 geschlagen geben. Hier ist Steurer im Zweikampf mit Meppens Julius Düker.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tor zum 1:0 durch Rene Guder

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Litka im Zweikampf gegen Willi Evseev

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schiedsrichter Sven Jablonski, Rossipal und Hildmann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Löhmannsröben

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schnellbacher gegen Yannik Osee

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Malte Metzelder

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hildmann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Anzeigetafel mit dem 0:3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder gegen Willi Evseev

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grodowski am Ball

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grodowski gegen Marius Kleinsorge

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Löhmannsröben gegen Nicolas Andermatt

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grodowski, Steurer und Heidemann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Königs, Grodowski und Steurer

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder und Schauerte

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nicolas Andermatt tröstet Grodowski und Pires

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grodowski und Pires

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Metzelder und Hildmann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder und Steurer

    Foto: Jürgen Peperhowe

Vor dem Spiel lebte die Hoffnung, dieses Mirakel von Münster schaffen zu können, dieses schon lange andauernde Hinterherrennen zum Happy-End zu gestalten. Da sollte doch was gehen gegen die Gäste aus dem Emsland, einer Mannschaft, der vor ein, zwei Spieltagen bereits die Aufstiegschance genommen worden war.

Meppen auf Sparflamme? Meppen ohne Biss? Nach fünf Minuten war das Gegenteil bewiesen, als René Guder nach Vorarbeit von Janik Jesgarzewski das 1:0 markierte. Münsters erneute 4-4-2-Formation fand gleich zu Beginn keinen Zugriff. Warum Trainer Hildmann nicht auf die bewährte Fünfer-Verteidigungsreihe nach der Rückkehr von Julian Schauerte zurückgriff, war zu diesem Zeitpunkt sein Geheimnis.

Der Ausgleich lag in der Luft 

Doch der SCP hatte da noch einige Antworten auf den Rückstand parat, wehrte sich, offensiv war das ansehnlich. Abseitstore von Luca Schnellbacher (7.) und Maurice Litka (35.) fanden zurecht keine Anerkennung. Aber sowohl Schnellbacher (11.) und Litka (16.) – allein vor SVM-Keeper Matthis Harsmann – wie auch Lucas Cueto (33.) bei einem Lattentreffer hatten beste Torchancen. Wie schon in Mannheim beim 0:0 ging der SCP verschwenderisch mit Gelegenheiten um.

Der Ausgleich lag schon irgendwie in der Luft. „Wir haben nicht die Leistung gezeigt, die für einen Erfolg nötig war. Zu viele Chancen wurden liegengelassen“, befand der konsternierte Sportchef Malte Metzelder. Um dann anzufügen, auch seine eigenen Ambitionen betreffend: „Heute macht es keinen Sinn, über die Zukunft zu sprechen, wir sollten den Anstand haben und das Spiel sacken lassen. Zeitnah wird es entsprechende Äußerungen geben.“ 

Nach der Pause im Abstiegsmorast

Zurück zum Spiel der letzten Chance. Auch das sei erwähnt: Es war kein Einbahnstraßenfußball der Preußen, denn die Gäste hatten durch den starken Marius Kleinsorge (25., 43.) zwei Top-Gelegenheiten, Preußen vor der Pause schon in den Abgrund zu schubsen. Zur Halbzeit stand der SCP mit einem Bein in der Regionalliga.

Sieben Minuten nach Wiederanpfiff mit beiden dann im Abstiegsmorast, es dürfte sich wie Beton angefühlt haben. Der SCP wurde vorgeführt von Marius Kleinsorge (50.) und Hilal El-Helwe (52.). Wie von allen guten Geistern verlassen agierten die Hausherren plötzlich, alle Mann nach vorne, keine Absicherung – kontern leicht gemacht für die Gäste. Was für ein Debakel innerhalb von 120 Sekunden. Was für ein Debakel.

Der Rest war Kür für die Gäste, fürchterliche Pflichterfüllung ohne Aussicht auf einen Ertrag für die Hausherren. Die Preußen hätten gewinnen müssen, sie konnten es nicht, der Druck muss übermächtig gewesen sein am Ende. Meppen gab Preußen Münster den Rest.


Münster: Schulze Niehues – Scherder, Löhmannsröben, Steurer, Rossipal (75. Heidemann) – Schauerte, Erdogan (71. Rodrigues Pires), Mörschel, Cueto (57. Königs) – Schnellbacher, Litka (57. Grodowski).

Meppen: Harsmann – Jesgarzewski, Osee, Egerer, Amin (80. Vrzogic) – Andermatt, Evseev – Kleinsorge (75. Kremer), El-Helwe, Guder (75. Rama) – Düker (60. Tattermusch).

Tore: 0:1 Guder (5., Vorarbeit Jesgarzewski), 0:2 Kleinsorge (50. Pass Evseev), 0:3 El-Helwe (52., Vorarbeit Kleinsorge). – Schiedsrichter: Jablonski (Blumenthal).

Gelbe Karten: Scherder, Litka / –

Kommentar: Aufräumarbeiten jetzt

Alle paar Jahrzehnte wieder. 1964, 1991, 2006 und nun 2020. Das sind die markantesten Tiefpunkte in der Geschichte des Fußballvereins SC Preußen Münster. Abstiege. Nun, nach dem vorletzten und 37. Spieltag einer bemerkenswerten und skurrilen Saison ist der SCP nicht mehr zu retten. Das zwischenzeitliche Aufbegehren unter dem Fußballlehrer Sascha Hildmann genügte nicht zur Rettung.

Der SC Preußen hat dabei die größten Fehler in der Saisonplanung und der ersten Saisonhälfte begangen. Das Projekt mit Trainer Sven Hübscher floppte, viel zu spät stellte sich das komplette Profiteam den Anforderungen eines Abstiegskampfes. Sportlich brannte bereits Ende August der Baum, nach monatelanger Lethargie kam erst in der Winterpause wieder Leben in den Club.

Es muss eine Kurskorrektur her. Sportchef Malte Metzelder gehört in das Zentrum der Personaldebatten. Seine Zeit beim SCP dürfte abgelaufen sein. Er soll vor einigen Wochen bereits seinen Verbleib in Münster ausgeschlossen haben. Er hat Fürsprecher, Gremienmitglieder würden gerne mit ihm verlängern. Aber die Front der Gegner ist riesig. Weder ein Neuanfang noch ein Weiterso ist mit ihm eigentlich denkbar. Zur Ehrenrettung sei aber auch gesagt: Metzelder musste mit Etatkürzungen leben, obwohl er erhöhte Budgets versprochen bekommen hatte. Zwickmühle Preußen Münster mal wieder.

Allerdings bleibt dem Club keine Zeit für langatmige Aufräumarbeiten, eine Neuausrichtung für die Regionalliga muss her.

Alexander Heflik

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7476942?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker