Fußball: 3. Liga
Malte Metzelder reicht bei Preußen Münster den Abschied ein

Münster -

Malte Metzelder und der SC Preußen Münster gehen künftig getrennte Wege. Der 37-Jährige wird seinen nun auslaufenden Vertrag als Sportchef sowie Geschäftsführer der ausgegliederten Profiabteilung nicht verlängern und den Verein nach dem Abstieg aus der 3. Liga nicht in die Viertklassigkeit begleiten.

Donnerstag, 02.07.2020, 19:06 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 12:31 Uhr
Fußball: 3. Liga: Malte Metzelder reicht bei Preußen Münster den Abschied ein
Abschied nach drei Jahren: Malte Metzelder verlässt den SCP. Foto: Jürgen Peperhowe

Nicht einmal 24 Stunden nach dem besiegelten Abstieg war die zentrale Personalentscheidung beim SC Preußen geklärt. Malte Metzelder wird seinen Vertrag als Sportchef sowie Geschäftsführer der ausgegliederten Profiabteilung nicht verlängern, der Kontrakt galt bis zum 30. Juni und war aufgrund der durch die Corona-Krise verlängerten Saison bis zum 5. Juli gültig. „Wir hatten alle eine unruhige und schlechte Nacht“, begann der 37 Jahre alte Ex-Profi mit seinen Ausführungen. Und fügte an: „Nach Ende der laufenden Saison wird es nicht miteinander weitergehen. Das war keine Entscheidung, die über Nacht gefällt wurde.“

Metzelder, 2017 mit großen Hoffnungen und Ambitionen angetreten an der Hammer Straße, hatte schon vor einigen Wochen seinen Rückzug beschlossen. Aufgrund der schwierigen Tabellensituation und dem steten Kampf um den Ligaerhalt war Stillschweigen vereinbart worden. Nun, keine 18 Stunden nach der verheerenden 0:3-Heimpleite des SCP gegen den SV Meppen, die den Abstieg in die Regionalliga besiegelte, zog der frühere Preußen-Profi, der in Münster seine Laufbahn begann, einen Schlussstrich unter dieses Kapitel.

Keine schmutzige Scheidung

Es war keine schmutzige Scheidung, jedenfalls nicht durch SCP-Präsident Christoph Strässer. „Unsere Situation war in den letzten Wochen ausgesprochen schwierig. Wir haben damals die Entscheidung von Malte zur Kenntnis genommen.“ Was sich zunächst recht lapidar anhörte, war letztlich ein Wink, dass auch der Verein so seine Überlegungen zu dieser Position hatte. Strässer gab sich am „schwarzen Donnerstag“ nach dem Abstieg tags zuvor kämpferisch mit durchaus vorhandener Selbstkritik: „Das eine oder andere hat nicht geklappt. Wir machen aber weiter. Malte und der Verein gehen nicht im Streit auseinander.“

Tatsächlich gestand der Clubchef ein, dass der Sportdirektor Metzelder unter anderen Voraussetzungen vor drei Jahren zum SCP gekommen sei, mit anderen wirtschaftlichen Perspektiven geködert worden sei, auch mit anderen Aufgaben betraut werden sollte. Dann musste er aber dem wirtschaftlichen Kurs bei den Preußen Tribut zollen, anstelle von mehr Finanzkraft musste Metzelder mit geringeren Personalbudgets klarkommen. Auch die Aufgabenvielfalt in der Geschäftsstelle und der KGaA wuchs. Am Donnerstag wirkte Metzelder tatsächlich erleichtert. Der Schlussstrich ist gezogen.

Zum Hören

Antenne Münster-Moderator Matthias Kamps im Experten-Interview mit Alexander Heflik , WN-Sportchef, zum Abstieg der Preußen.

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„Mit Haut und Haaren“

„Ich habe mich dem SCP mit Haut und Haaren verschrieben“, sagte er, eine neue Aufgabe habe er noch nicht. Die eine Entscheidung hat er den Preußen-Verantwortlichen abgenommen, die nächsten beiden diffizilen stehen an. Münster sucht einen Sportchef und einen Trainer. Und dies wird nur der Anfang einer gewaltigen Personalrochade sein.

Von den 26 Kadermitgliedern haben sechs sogenannte „Brückenspieler“ einen gültigen Kontrakt für die Regionalliga. Dabei dürfte es sich um Akteure wie Joel Grodowski, Dominik Klann oder Naod Mekonnen handeln. Offen ist der Verbleib von allen anderen. Die neue sportliche Führung soll das dann ausloten.

Metzelder befand sich zuletzt in der schwierigen Lage, keine Aussagen zur sportlichen Perspektive mehr machen zu können, nachdem sein Entschluss zum Fortgang gereift war. Deshalb konnte auch nicht wirklich abgeklopft werden, ob Routiniers und Preußen-Urgesteine wie Torwart Max Schulze Niehues sowie die Innenverteidiger Simon Scherder und Ole Kittner Interesse am Verbleib haben – oder von der neuen sportlichen Leitung gehalten werden möchten.

Positive Zeichen der Sponsoren

In der nächsten Woche will der SCP dann auch genauer wissen, wo die Reise finanziell hingehen kann. Es gebe viele positive Zeichen von den Sponsoren, sagte Strässer. Innerhalb der Gremien seien die Aufgaben klar verteilt. Und, das war positiv, wie Geschäftsführer Bernd Niewöhner sagte: „Wir werden mit weniger Dellen als andere Vereine aus dieser Saison herauskommen.“

Gerade erst hatte der Bundestag den Weg frei gemacht für ein 200-Millionen-Euro-Paket, um wirtschaftlich angeschlagenen Proficlubs auf die Sprünge zu helfen. Und, so Strässer: „Wir werden nicht wie ein Bundesligist eine 42-Millionen-Euro-Bürgschaft in Anspruch nehmen.“ Es zahle sich jetzt aus, dass man wirtschaftlich solide agiert habe.

Der SCP hofft also auf einen Ausgleich aus dem „Bundestagstopf“. Grob geschätzt fehlten den Preußen die Einnahmen aus fünf Heimspielen, an die 40 000 Zuschauer wären in der Re-Start-Phase möglicherweise an die Hammer Straße gekommen. Zudem: Von den versprochenen 300 000 Euro aus dem Hilfstopf der vier deutschen Champions-League-Teilnehmer werden rund 80 000 Euro für die Corona-Testreihen abgebucht. „Uns bleiben so rund 220 000 Euro. Die Kosten für Hotels an den Spieltagen sowie das Trainingslager müssen auch davon bezahlt werden“, resümierte Niewöhner.

Zumindest an dieser Stelle hat sich das System der preußischen „Sparfüchse“ wohl ausgezahlt.

Kommentar

Alles andere als getrennte Wege wären schwer zu vermitteln gewesen. Spätestens mit dem Abstieg, im Grunde aber schon früher, war klar, dass Malte Metzelder bei Preußen kaum eine Zukunft haben kann. Diese Saison war die erste, in der der Kader einzig die Handschrift des Sportdirektors trug. Sie endete im Fiasko. Der Abstieg wirft den SCP um Jahre zurück. Er wäre mit einer anderen Planung vermeidbar gewesen. Auch mit einer früheren Trennung von Coach Sven Hübscher. Vielleicht sogar mit einer anderen Haltung in der Corona-Pause.

Nicht falsch verstehen. Spieler und Ex-Coach tragen eine genauso große Verantwortung. Doch Metzelder hat diese Auswahl genau so zusammengestellt. Er hält jetzt den Kopf hin.

Zugute zu halten ist ihm, dass sein Etat entgegen früherer Versprechungen stets schrumpfte und bei den Entscheidern die Gefahr, die dieser Weg beinhaltet, zu spät ankam. Doch Angriffsflächen bot Metzelder nicht nur mit dem sportlichen Absturz. In der Kommunikation zeigte er Mängel, Gespür für Club- und Fan-Themen fehlten zudem. Der Gegenwind für den 38-Jährigen wurde nicht erst in den vergangenen Wochen größer.
Dennoch durfte er selbst am Ende den Schlussstrich ziehen. Ein einigermaßen sauberer Schnitt also nach drei fleißigen, aber glücklosen Jahren. Thomas Rellmann

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