Fußball: 3. Liga
Die Preußen wickeln Saison ab – Blick nach vorn mit Hildmann?

Münster -

Das war sie, die Saison 2019/20. Am Ende dieser Spielzeit bleibt dem SC Preußen Münster der bittere Gang in die Regionalliga, die ab sofort und dringlich vorbereitet werden muss. Schlüsselentscheidungen müssen beim SCP getroffen werden, ein Trainer und ein Sportlicher Leiter stehen auf der Fahndungsliste, auch kickendes Personal wird gesucht. Viel Zeit bleibt nicht.

Sonntag, 05.07.2020, 16:40 Uhr
Das war es nach neuen Jahren in der 3. Liga, Abgang für die Preußen: (v.l.) Julian Schauerte, Marco Königs, Ole Kittner, Kevin Rodrigues Pires, Fridolin Wagner, Okan Erdogan und Joel Grodowski
Das war es nach neuen Jahren in der 3. Liga, Abgang für die Preußen: (v.l.) Julian Schauerte, Marco Königs, Ole Kittner, Kevin Rodrigues Pires, Fridolin Wagner, Okan Erdogan und Joel Grodowski Foto: imago-images

Als der Bus der Preußen am Samstagabend das Stadion an der Hammer Straße erreichte, erwartete die Mannschaft eine kleine, feine Fan-Delegation. Abschied von der 3. Liga nach neun Jahren, Abschied von einer vermaledeiten Saison, Abschied vom SCP. Was vermutlich für einen Teil der Spieler gilt, für Sascha Hildmann eher nicht. Das Interesse an einer Weiterverpflichtung des 48 Jahre alte Pfälzers ist verbürgt, die generelle Bereitschaft vom Fußballlehrer, die Dinge in Münster sportlich neu aufzubereiten, auch.

Es sind die zwei Schlüsselentscheidungen, die der Fußball-Drittligist a.D. in naher Zukunft zu klären hat. Wer wird Trainer des Neu-Regionalligisten? Wer übernimmt die Sportliche Leitung des SC Preußen?

Hildmann wie auch Club-Chef Christoph Strässer bestätigen Gespräche miteinander in den letzten Tagen, wobei faktisch die Preußen erst am vergangenen Mittwoch abgestiegen waren. „Natürlich“, sagte Hildmann, und sieht nach diesen Gesprächen über die Zukunft des SCP den Club vorbereitet auf die nächste Saison in der Regionalliga West. Und: „Der Verein ordnet sich. Ich will aber keine Wasserstandsmeldungen abgegeben.“

Neuaufbau mit Hildmann?

Dabei hatte er am Samstag nach der Ankunft des SCP nach dem Auswärtsspiel in Magdeburg durchaus weitere positive Schwingungen gegenüber seiner Person registriert. Es war nur eine Art barometrischer Ausschlag, doch Hildmann dürfte durch die Zustimmung der rund 25-köpfigen Fan-Delegation das Gefühl bestätigt bekommen haben, dass er in Münster als Trainer im neuen Spieljahr erwünscht sein dürfte. Hildmann und Fans, diese Ebene hatte es seit Anfang der Corona-Krise und dem Stop der Drittliga-Saison Mitte März praktisch nicht mehr gegeben.

Insofern half dieses Indiz dem Fußballlehrer vielleicht auch persönlich weiter, Ja zu einem Engagement in Münster sagen zu können. Weil es natürlich nicht nur so ist, dass der SC Preußen ihn weiter verpflichten will, sondern auch der Trainer dahinter stehen muss. Seine 24 Punkte in 18 Meisterschaftsspielen hätten auf die Saison hochgerechnet rein sportlich betrachtet zu Rang zehn oder elf gereicht – wäre da nicht die Hypothek der ersten 20 Spieltage mit kläglichen 16 Punkten gewesen.

Entscheidungen in der Wochenmitte

So muss der SCP die Zukunft in der Regionalliga planen – mit Tempo, wobei die Rasanz der Entscheidungen, die anstehen, nicht jedem gefallen. Club-Chef Strässer jedenfalls hielt sich über das Wochenende bedeckt, man habe am Tag, als die Trennung von Sportchef Malte Metzelder bekannt gegeben wurde, die Agenda festgelegt. In der Wochenmitte seien Entscheidungen zu erwarten.

Plan B gäbe es, was Hildmann aus seinen Gesprächen bestätigte. Und wie schon vor dem letzten Spieltag in Magdeburg sagte er auch: „Ich kann mir die Tätigkeit in Münster sehr gut vorstellen, Regionalliga ist ein Stahlbad, aber Münster wäre eine reizvolle Aufgabe.“ Man kann davon ausgehen, dass er ein mögliches personelles Gerüst des neuen SCP schon im Kopf hat. Sowieso werden die Preise für Spieler von Format in der Corona-Zeit purzeln, bei Transfers ist Geduld gefragt, vielleicht auch etwas Poker-Geschick.

Nun also Regionalliga, eine Klasse mit 22 Mannschaften und 42 Spieltagen. Hildmann will über seine etwaigen Planungen bezüglich eines SCP-Engagements eigentlich nicht sprechen. Aber Ende Juli, Anfang August wäre ein passender Startpunkt für eine Saisonvorbereitung, das erste Punktspiel dürfte am verlängerten Wochenende vom 4. bis 6. September erfolgen.

Kommentar

Schnelle, wenngleich wohlüberlegte Entscheidungen sind gefragt. Ein langes Verweilen in de Regionalliga kann kein Preuße wollen, so würde der Verein langsam in der Versenkung verschwinden. Was muss jetzt passieren? Als erstes sollte ein Sportdirektor her. Einer, der vernetzt ist, die dritte und vierte Liga in- und auswendig kennt. Denn viel investieren können die meisten Vereine in diesem Corona-Sommer nicht. So kommen aber auch viele interessante Profis auf den Markt, die ansonsten die Regionalliga meiden würden. Ist diese Personalie geklärt, kann der Trainer vorgestellt werden. Sascha Hildmann hat gute Karten, Auftreten und Bilanz sprechen nicht gegen ihn. Aber der neue starke Mann in Münster kann nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Das wäre einmal mehr unprofessionell. Damit dieser sich auf sportliche Dinge konzentrieren kann, ist ein hauptamtlicher Leiter für die Geschäftsstelle notwendig. Außerdem braucht es als Korrektiv endlich Fußball-Kompetenz in den Gremien. Zu guter Letzt: Es kann nicht schaden, dem SCP verbundene Akteure aus dem Abstiegskader als Anführer zu halten. Alles so nicht finanzierbar? Es ist die Aufgabe der Entscheider, die lange versprochenen Dinge möglich zu machen. Thomas Rellmann

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