Fußball: Regionalliga
Preußen Münsters Neuzugang Jules Schwadorf fährt mit der Leeze zum Training

Münster -

Preußen Münsters Neuzugang Jules Schwadorf hat sich gut eingelebt – wenn man das nach nicht mal einer Woche sagen kann. Aktuell wohnt er noch im Hotel, aber die Wohnungssuche läuft. Außerdem erwartet er mit seiner Freundin Nachwuchs.

Donnerstag, 27.08.2020, 17:55 Uhr
Im Trainingslager in Delden gern mit dem Leihrad des Hotels unterwegs: Jules Schwadorf
Im Trainingslager in Delden gern mit dem Leihrad des Hotels unterwegs: Jules Schwadorf Foto: Jürgen Peperhowe

Im Beliebtheitsranking aller Jungennamen belegt Jules in der Statistik auf der Domain „vornamen.blog“ Platz 739. Wer so heißt, hat große Chancen, in der Schule das Siegel „einzigartig“ zu tragen. Das ist das Stichwort: Preußen Münsters Neuzugang Jules Schwadorf ist beim Regionalligisten in der Tat einzig – und artig. Die Maske ist in diesen Zeiten sein ständiger Begleiter. Selbst im Trainingslager im niederländischen Delden. „Ich werde Ende Oktober erstmals Papa“, verrät der 27-Jährige. Und sagt: „Ich habe eine Verantwortung gegenüber meiner Frau.“ Die sitzt noch in der Heimat Köln. Dort soll das Kind zur Welt kommen.

Im Leben des Jules S. ist Bewegung. Der Nachwuchs ist im Anmarsch, jetzt der Wechsel vom Zweitliga-Absteiger SV Wehen Wiesbaden an die Hammer Straße. Aufbrechen, neu orientieren, Entscheidungen treffen, etwas verändern – manchmal tut das not. „Ich freue mich auf die Zeit als Vater und die Aufgabe beim SC Preußen. Es ist gefühlt ein Schritt zurück, aber ich habe hier Ziele, will Maximales erreichen“, erzählt der Sport- und Fitnesskaufmann, der aktuell seinen Fachwirt Sport baut. Und irgendwann Sportpsychologie studieren möchte. Dieser Junge denkt an die Zukunft.

Das sollte er. Seine Krankenakte ist prall gefüllt. Rückenprobleme, Muskelfaserrisse, Muskelbündelriss, Hüftprellung, Sprunggelenkverletzungen, Leistenoperation, grippale Infekte – Verletzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Obendrein musste sich Schwadorf im März für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben, nachdem bei seinem Ex-Club ein Mitspieler positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Eigentlich alles ausreichend für ein gesamtes Fußballer-Dasein.

Elf Monate war er zuletzt außer Gefecht gesetzt. Fast ein Jahr. Ein Knochenödem in der linken Ferse setzte ihm derart zu, dass er beinahe verzweifelt wäre. Immer wieder dieser stechende Schmerz. Trotzdem schuftet er für sein Comeback. Es ist sein Job. Daran hängt so vieles. Ende Mai beim Gastspiel im Volkspark in Hamburg wird er für Stefan Aigner nach 75 Minuten eingewechselt. Er ist zurück auf der großen Bühne. „Ich bin fit. Klar muss ich fußballspezifisch noch einiges aufholen, aber das kommt“, sagt er selbstbewusst. Im Test am Mittwoch gegen Vreden deutete er an, wie wertvoll er sein kann. Dreimal legte er beim 9:0-Erfolg fein auf, einmal tütete er selbst ein – das passt.

In Münster lebt er derzeit im Hotel. Die Suche nach einer Wohnung steht neben den Preußen ganz oben auf der Agenda. „Eine Bleibe mit Kinderzimmer“, lacht Schwadorf. Er ist ein bodenständiger Typ, kommt mit dem Fahrrad zum Training. „Ich habe so ein hässliches lila Mountainbike. Seit Jahren. Für eine Fahrradstadt ist das doch okay.“ Natürlich.

Daheim bei den Schwadorfs am Rhein gab es früher kein Auto. „Wir sind immer mit dem Rad gefahren. Oder mit der Stadtbahn“, erinnert sich der Neuling. Hat ein bisschen was von Christian Streich. Freiburgs sympathischer Coach tauscht seinen Pkw liebend gern gegen die Leeze. Die Einheit vor der Einheit. Für den werdenden Vater Schwadorf ein Stück Freiheit.

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