Rudern: Europameister Ole Kruse
Nach der Party rufen Pflicht und die Liebe

Münster -

Es war alles dabei in den letzten drei Tagen – nur zum Zug kam Ole Kruse nicht: Mit dem Ruderboot rauschte der Münsteraner zu EM-Gold, mit dem Auto ging es am Tag danach zum Flughafen, mit dem Flugzeug in die USA. Viel Bewegung für den 21-jährigen Europameister.

Montag, 07.09.2020, 17:20 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 17:41 Uhr
Der Fluch der guten Tat: Steuermänner, die den schnellsten Weg ins Ziel weisen, gehen anschließend baden. Hier DRV-Denker und -Lenker Florian Koch.
Der Fluch der guten Tat: Steuermänner, die den schnellsten Weg ins Ziel weisen, gehen anschließend baden. Hier DRV-Denker und -Lenker Florian Koch. Foto: Detlev Seyb

Die Erschöpfung hielt sich erstaunlicherweise in Grenzen. Obwohl der Deutschland-Achter bei den U-23-Europameisterschaften in Duisburg am Sonntag in Lichtgeschwindigkeit – zumindest in der Wahrnehmung der frustrierten Konkurrenz – zum Titel gerast war, hatten die adrenalin-strotzenden Goldmedaillengewinner im Anschluss noch Kraft und Ausdauer, ihren Steuermann Florian Koch standesgemäß in die Wedau zu befördern und anschließend auch die Feierlichkeiten im Bootshaus des DRV-Stützpunkts in Dortmund bis in den frühen Morgen auf hoher Schlagzahl ins Ziel zu bringen.

Wichtige Anschlusstermine

„Ich saß um drei Uhr im Zug nach Münster“, erinnert sich Ole Kruse vom RV Münster noch in groben Zügen an die Après-Titel-Aktivitäten. Der Mann vom RV Münster verabschiedete sich ein wenig früher von der Party-Meute, weil er bereits am Montagmorgen wichtige Anschlusstermine hatte. Am Vormittag wurde er von seiner Mutter Elke Markwort Kruse zum Flughafen Schiphol nach Amsterdam chauffiert, am Abend ging es per Luftfracht über den großen Teich nach Boston, wo Freundin und Studium auf den frisch gebackenen Europameister warteten.

Zwei gute Gründe allemal, zurück in die dieser Tage vergleichsweise unstete USA zu fliegen. Zweierpartner und Kommilitone Jasper Angl beispielsweise entschied sich gegen die Rückkehr an die North­eastern University. „Habe ich auch kurz drüber nachgedacht“, gab Kruse zu – doch die Pflicht und die Liebe behielten die Oberhand. Eigentlich hätte das Semester sogar schon viel früher beginnen sollen, doch die damals geltenden Quarantäne-Bedingungen mit der Anreise über ein Drittland bescherten dem Münsteraner die Gelegenheit, eben noch EM-Gold einzufahren. Aktuell geht es in den USA wieder etwas unkomplizierter voran. „Ich habe schon den Termin für den Coronatest, am Mittwoch steht dann die erste Vorlesung an“, so Kruse.

Zwei Semester bis zum Bachelor

Zwei Semester hat der Student für Chemie und ­Ingenieurwesen noch vor sich, ehe es mitsamt einem Bachelor-Abschluss endgültig zurück in die Heimat gehen soll. Bis dahin kann der 21-Jährige Sport und Studium in den USA weiter optimal verbinden. „Das klappt da wunderbar“, berichtet er aus inzwischen dreijähriger Erfahrung. Immerhin hat ihn die Vorbereitung jenseits das großen Teichs in den „kleinen“ Deutschland-Achter gespült – auch im Juniorenbereich unumstritten das Flaggschiff des DRV. „Es ist natürlich schön, mit den besten Ruderern in einem Boot zu sitzen. Aber es ist genauso schön, in einem Vierer zu sitzen, der gut läuft – oder in einem Zweier.“

Paris 2024 noch in weiter Ferne

Kruse will rudern, die Größe des Boots spielt dabei nur eine Nebenrolle – ebenso wie die Aussichten auf die Olympischen Spiele 2024. Die sind zwar ein Ziel, aber „auch noch weit weg“. Dass die Jungs aus dem U-23-Achter in nicht allzu ferner Zukunft die erfahrenen Recken aus dem aktuellen DRV-Erfolgsboot ablösen sollen, ist kein Geheimnis. „Aber da kann noch viel passieren.“ Unter anderem so manche ausschweifende Bootshaus-Party. Floyd Benedikter, Clubkamerad und Bootsnachbar von Ole Kruse, war am Montag nicht zu erreichen ...

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