Triathlon: Ironman Marke Eigenbau
Fabian Kahlenberg zieht eisern durchs Münsterland

Münster -

Selbst ist der Mann: Für Fabian Kahlenberg mehr als eine leicht dahin gesagte Redewendung. Der 25-Jährige hat monatelang für einen Triathlon trainiert, der wie so viele Veranstaltungen in diesem Virenjahr von der Coronawelle hinweggespült wurde. Doch weil er gerade so gut im Training war, organisierte sich der Münsteraner kurzerhand seinen eigenen Iron Man in Münster.

Montag, 14.09.2020, 18:26 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 10:14 Uhr
Erschöpft, aber glücklich im Ziel: Fabian Kahlenberg
Erschöpft, aber glücklich im Ziel: Fabian Kahlenberg Foto: Fabian Kahlenberg

Fabian Kahlenberg ist ein Eisenmann, das hat der 25-Jährige schwarz auf weiß: Die Finisher-Urkunde von den Triathlon-Europameisterschaften 2015 in Frankfurt weist den Münsteraner amtlich als Ironman aus. 3,6 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen entspannten Marathon obendrauf – das ist was für Männer aus Stahl, definitiv nichts für Weicheier. Vor allem etwas für Sportler mit einem eisernen Willen – auch den kann der Student aus Kinderhaus mit Fug und Recht für sich proklamieren.

Premiere in 13 Stunden

Als 19-jähriger Abiturient hatte er sich vor fünf Jahren im mitunter quälenden Alleingang alles beigebracht, was es brauchte, um diese Ausdauertortur zu bestehen. Das Ergebnis konnte sich sehen und messen lassen: Nach gut 13 Stunden war Kahlenberg in Frankfurt im Ziel – hinter dem sich natürlich gleich die nächsten Ziele auftaten. Irgendwo am Ende der langen Reise träumt jeder Triathlet von der Mutter aller Wettkämpfe auf Hawaii.

Plötzlich Eventmanager

Einen Zwischenschritt dorthin wollte Kahlenberg im Juni beim Ironman in Hamburg zurücklegen, ehe die allgegenwärtige Corona-Krise den Wettkampf in der Hansestadt ersatzlos aus dem Veranstaltungskalender radierte. Die lange Vorbereitung auf seinen zweiten Ironman-Wettkampf nach fünf Jahren für die Katz? Nicht mit Kahlenberg, der kurzerhand vom Sportler zum Eventmanager umschulte und seinen eigenen Triathlon in und um Münster organisierte. „Ich wollte nicht, dass das ganze Training umsonst ist – und vor allem wollte ich zeigen, dass man auch in diesen Zeiten etwas auf die Beine stellen kann“, so Kahlenberg.

Also legte der frisch gebackene Bachelor im Rettungsingenieurwesen kurzerhand den Zollstock an – in digitalen Zeiten ersetzt und unterstützt durch Google Maps – und startete die Vermessung des Münsterlandes. 3,6 Kanalkilometer zwischen Gelmer und Coerde, eine doppelt zu befahrene 90-Kilometer-Radrunde durch die Baumberge und ein Marathon mit Start und Ziel in Kinderhaus. Dazu ein ausgeklügelter Zeitplan und 20 gute Freunde, die all das übernahmen, was Kahlenberg als Teilnehmer und Veranstalter in Personalunion nicht auch noch erledigen konnte: Die Zeit nehmen, die Verpflegungsstationen besetzen, das Begleitfahrzeug steuern und als wichtige Marathon-Abschnittsbegleiter gegen den von allen Läufern gefürchteten Mann mit dem Hammer ankämpfen.

„Das hat super geklappt, es war immer jemand bei mir, ein Freund sogar 36 Kilometer lang“, berichtet Kahlenberg vom großen Tag Anfang September. Beim Start im bitterkalten Kanal – „das Wasser hatte zehn Grad, das war auch mit Neoprenanzug grenzwertig“ – war es 7 Uhr morgens an einem klammen Sommersonntag. „Ich musste früh los, damit noch nicht so viel Verkehr auf den Straßen ist“, hoffte der einsame Athlet auf freie Fahrt auf all seinen Wegen. Die grüne Welle bei den drei Ampeln auf der Radstrecke verbuchte er als Glück des Tüchtigen, ein kurzer Halt an einem Stoppschild und an einem Bahnübergang brachten ihn nicht aus dem Rhythmus. Das Pannenfahrzeug – „übrigens immer hinter mir, damit ich nicht in den Windschatten konnte“ – hatte nichts zu tun, das Not-Handy blieb stumm. Nahezu ungestört schwamm, fuhr und lief Fabian Kahlenberg vom ersten Meter im Dortmund-Ems-Kanal in exakt 11 Stunden und 53 Minuten bis ins Ziel. Natürlich ein neuer Rekord – und ein weiterer kleiner Schritt Richtung Hawaii. „Dafür müsste ich aber unter zehn Stunden bleiben“, weiß Kahlenberg. Eine echte Herausforderung, aber auch ein Fall für den Mann aus Eisen ...

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