Fußball: Westfalenliga
Kinderhaus bezwingt Gievenbeck

Münster -

Darum sagt man Derbys nach, sie hätten eigene Gesetze: Weil der bis dahin ungeschlagene 1. FC Gievenbeck nach bärenstarkem Saisonstart zu Aufsteiger Westfalia Kinderhaus fährt, der erst vor drei Tagen in eine fiese 0:4-Klatsche einwilligen musste – und dann die Westfalia alle drei Punkte in der Hütte behält.

Sonntag, 04.10.2020, 19:46 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 08:23 Uhr
Westfalias Kebba Touray (l.) im Zweikampf mit Niclas Mende
Westfalias Kebba Touray (l.) im Zweikampf mit Niclas Mende Foto: Peter Leßmann

Derby Nummer eins in dieser für Münster aufgewerteten Klasse ging am fünften Westfalenliga-Spieltag an den Aufsteiger. Westfalia Kinderhaus brachte mit dem 2:1 (2:0) dem etablierten 1. FC Gievenbeck die erste Niederlage bei – dank einer leidenschaftlich geführten ersten Halbzeit. Nur 240 Zuschauer sahen zu. Auf dieses Maximum an Resonanz musste sich Kinderhaus festlegen.

Westfalias baut komplett um

In Gedanken an das 0:4 gegen Erkenschwick und in Erwartung des spielstarken Gegners stellte Westfalia-Trainer Marcel Pielage die Elf umfassend um und ordnete das Personal im 4-2-3-1-Format an. Schon mitten drin Neuzugang Marvin Kehl, der als stark mitspielender „Zehner“ bewegungsfreudig agierte, bis der Akku leer war. Dass die erste Hereingabe Joschka Brüggemanns von Finn Liebert per Kopf zum 1:0 genutzt wurde in Minute eins, sorgte für ein Westfalia-Hoch.

Hohes Laufpensum auf tiefem Rasen

Die sehr aufmerksame Truppe agierte aggressiver und gewann die zweiten Bälle. Das Laufpensum war hoch auf tiefem Rasen. Als Vorbild machte Jonas Kreutzer, der permanent gegen den Ballführenden rackernde Stürmer, Kilometer ohne Ende. Diesen Tugenden begegnete der FCG zu fehlerhaft im Aufbau und zu ideenlos. Torraumszenen schuf keine Team. Bis Kehl per Direktabnahme einer Flanke des präsenten Nick Rensing an FCG-Schlussmann Nico Eschhaus scheiterte (35.). Dessen Offensivkollege Christian Keil hatte nach einem Fehler von Tormann Tim Siegemeyer die beste Gäste-Chance. Nach einem ruhenden Ball erhöhte Kinderhaus (43.), weil Kevin Schöneberg einen abgefälschten Whitson-Freistoß gedankenschnell ins Tor drückte.

Starke erste Halbzeit der Gastgeber

„Das war eine sehr gute Halbzeit, weil viel Leidenschaft drin war und wir auch im Umschalten immer wieder die Tiefe gesucht haben“, sagte Pielage. Und wird über den Vorsprung froh gewesen sein, denn nach dem Wechsel drückte ein um- und besser eingestellter FCG pausenlos wie nachhaltig.

Michael Fromme und Julian Canisius blieben bei den Gästen draußen. Mit Anton Mand und Louis Martin kamen zwei Youngster. Der Erste ging in die Abwehr, der zweite nach vorne. Gievenbeck stärkte das Außenspiel. Julian Conze und Philip Röhe marschierten. Tristan Niemann machte ein Abseitstor und traf einmal den Ball nicht voll. Der technisch so versierte Janes Niehoff, der immer wieder Szenen schuf, schoss volley drüber.

Gievenbeck drückt auf die Wende

Kinderhaus gingen die Körner aus. Der Elf blieb nur noch die Reaktion. Auf „80 Prozent“ schätzten beide Trainer den Anteil des FCG-Ballbesitzes nach dem Seitenwechsel. „Erst waren wir viel zu fehlerhaft in unserem Spiel, dann hatten wir genug Chancen“, sagte Trainer Florian Reckels.

Niehoffs 1:2 (73.) aus 18 Metern sorgte für größte Spannung. Pielage stärkte die Defensive, musste bei den vielen Hereingaben gegen seine Elf tief durchatmen. „Es gab diese Flanken, aber aus dem Spiel heraus ist uns der Gegner nicht gefährlich geworden.“ Reckels hätte das 2:2 gerne gesehen. „Ein Remis wäre verdient gewesen nach der Steigerung.“Westfalia: Siegemeyer – Brüggemann, Rottstegge, Niehues, Pietsch (83. Guimares) – Schöneberg, Rensing – Whitson (53. Gogoll), Kehl (73. Touray), Liebert – Kreutzer (90. Lütke Lengerich)FCG: Eschhaus – Röhe, Beyer, Mende, Conze – Heubrock, Canisius (46. Mand) – Keil (81. Brüwer), Niehoff, Fromme (35. Martin) – Niemann

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