Beachvolleyball: Erfolgreiche Klage
Behrens/Tillmann gewinnen Rechtsstreit mit dem DVV und erhalten Schadenersatz

Münster -

Nach ihrer erfolgreichen Klage setzen die Beachvolleyballerinnen Kim Behrens und Cinja Tillmann auf ein grundsätzliches Umdenken beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Ob der in Berufung geht, steht noch nicht fest.

Donnerstag, 08.10.2020, 16:48 Uhr
Diesmal siegten Kim Behrens (v.) und Cinja Tillmann nicht im Sand, sondern vor Gericht: Ihrer Klage gegen den Deutschen Volleyball-Verband wurde stattgegeben, das Duo erhält vom DVV Schadenersatz.
Diesmal siegten Kim Behrens (v.) und Cinja Tillmann nicht im Sand, sondern vor Gericht: Ihrer Klage gegen den Deutschen Volleyball-Verband wurde stattgegeben, das Duo erhält vom DVV Schadenersatz. Foto: imago-images

Die Meldung kam über den Onlinedienst Instagram und ließ keine Fragen offen: „Wir haben gewonnen“, war dort zu lesen. Mit zwei Ausrufezeichen. Als Verfasserinnen dieser Neuigkeit gaben sich die Beachvolleyball-Profis Kim Behrens (28) und Cinja Tillmann (29) zu erkennen. Nun ist es an sich nichts Ungewöhnliches, wenn Athletinnen Siege vermelden. Doch in diesem Fall handelte es sich um einen Triumph, der ausgesprochen süß schmeckte. Weil er nicht auf dem Sandplatz errungen wurde, sondern im Gerichtssaal, und weil er weitreichende Konsequenzen für die Sportlandschaft zeitigen kann. Das Landgericht in Frankfurt am Main gab der Klage der Spielerinnen gegen den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) in erster Instanz statt und entschied, dass ihnen eine Schadenersatzzahlung in Höhe von 17 000 Dollar zusteht.

Wie konnte es so weit kommen, dass sich Athletinnen dazu genötigt sehen, ihren Dachverband, der eigentlich für ihr Wohlergehen Sorge tragen soll, vor den Kadi zu zerren? Der DVV hatte Behrens/Tillmann trotz sportlicher Qualifikation bei sieben Turnieren der Weltserie nicht nominiert oder abgemeldet. Stattdessen durften die Nationalteams starten, selbst wenn sie in der Rangliste dahinter rangierten. Eine Praxis, die die Profis aus Münster als „krasse Ungerechtigkeit“ empfanden, wie Behrens betonte: „Als Athletin muss ich vor jeder Saison unterschreiben, dass ich mich an die Regeln des Fair Play halte. Und dann werde ich so behandelt.“

Eine Einigung gab es auch in mehreren Schlichtungsgesprächen nicht, sodass das Team den Klageweg wählte. Der Verband erklärte sein Vorgehen damit, er stufe die beiden Abwehrspielerinnen ungeachtet ihrer Weltranglistenposition nur als fünftbestes deutsches Team ein. Der DVV beharrte auf seinem Recht, bei der Nominierung das letzte Wort zu haben. „Mein Job ist es, den Erfolg bei Olympischen Spielen abzusichern“, betonte DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand, „weil daran staatliche Fördergelder gebunden sind, die für unseren Verband überlebenswichtig sind.“ Um das zu gewährleisten, „muss ich nicht der fairste Sportdirektor sein. Das mag hart klingen, aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir Behrens/Tillmann langfristig nicht zutrauen, die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu schaffen und dort um eine Medaille mitzuspielen“.

In seinem Selbstverständnis ist der DVV nun eingebremst worden. Das Frankfurter Landesgericht beschränkte den Verband in seinem Handlungsspielraum. Der DVV habe zwei seiner Athletinnen „ohne gerechtfertigten Grund anders behandelt“ als andere Teams.

Die Funktionäre hatten bereits schlecht ausgesehen, als das verschmähte Duo bei der EM Silber abräumte – nun kommt ein Urteil hinzu, das einer herben Niederlage gleichkommt und für Athleten anderer Sportarten richtungweisend sein kann.

Während beim DVV Katerstimmung herrscht, fühlen sich die Spielerinnen bestätigt. Dr. Paul Lambertz, Fachanwalt für Sportrecht aus Düsseldorf, der Behrens/Tillmann vertritt, konstatierte: „Das ist ein tolles Urteil und es ist ein richtiges Urteil. Es zeigt, dass Athleten eine Stimme haben, und dass sie gehört werden, wenn sie sie erheben.“ Behrens fügte hinzu: „Das bestärkt uns in der Überzeugung, für unsere Rechte zu kämpfen. Nicht nur für uns, sondern auch für andere Athleten.“ Auf der anderen Seite weiß die gebürtige Bremerin, „dass uns ein Jahr unserer Karriere genommen wurde, das uns keiner zurückgeben kann“. Dennoch herrsche „eine Gefühlsmischung aus Erleichterung und Stolz“. Und Lambertz ergänzte: „Der Willkür der Verbände ist mal wieder ein Riegel vorgeschoben worden.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, einen Monat nach seiner Zustellung kann der DVV Berufung einlegen. Ob die Auseinandersetzung in die nächste Instanz geht, ist offen. Man wolle sich nicht äußern, so Hildebrand, und die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. „Dann werden wir uns sorgfältig damit auseinandersetzen und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.“

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