Vom Ruderer zum Wanderer
Felix Brummel und eine Unmenge von virenfreien Aha-Erlebnissen

Münster -

Ein Lebenszeichen aus dem Schwarzwald hat Felix Brummel gesendet. Der ehemalige Leistungsruderer des RV Münster, der bei Junioren-Weltmeisterschaften Medaillen gesammelt hat, meldete sich von seiner Wandertour. Teil eins ist geschafft, nach elf Tagen und 289 Kilometern. Und das Beste dabei: Das Konto für den guten Zweck füllt sich mit jedem seiner Schritte.

Mittwoch, 14.10.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 14:33 Uhr
Felix Brummel, ehemaliger erfolgreicher Ruderer des RV Münster,
Felix Brummel, ehemaliger erfolgreicher Ruderer des RV Münster, Foto: privat

Felix Brummel ist wieder aufgetaucht. Zumindest kurz hat der Münsteraner am vergangenen Freitag das möglicherweise tiefste und dunkelste Funkloch seines Lebens wieder verlassen und sich nach elf Tagen und 289 Kilometern quer durch den Schwarzwald gesund und putzmunter aus Pforzheim im mobilen Funkverkehr zurückgemeldet. Den ersten Teil seiner Wanderung für die eigene Einkehr und gegen die Depression, die Sportler nach ihrer aktiven Karriere befallen kann, hatte der Münsteraner hinter sich – und ist begeistert.

„Mir geht es sehr gut“, erzählt der 25-Jährige und hat eine Menge von unvergesslichen Aha-Erlebnissen im Gepäck, die, was in diesen Tagen undenkbar scheint, nicht von Alltagsmasken, Hygiene und Abstand dominiert waren, im Gegenteil: Das Coronavirus spielte auf dem zehntägigen Trip von Basel nach Pforzheim überhaupt keine Rolle. „Die meiste Zeit war ich alleine unterwegs und bin keinem Menschen begegnet“, sagt Brummel. Keine Fallzahlen, keine Breaking News, keinerlei Nachrichten aus dem politischen Weltgeschehen und auch kein Kontakt zu den langjährigen sportlichen Weggefährten, die sich auf die Ruder-Europameisterschaften in Polen vorbereiteten, störten den einsamen Wanderer im Schwarzwald. „Das war genau so, wie ich es mir erhofft hatte.“

Lebenszeichen per SMS

Jeden Abend ein kurzes Lebenszeichen an die Familie im fernen Münster per SMS – das war es auch schon an Vernetzung in die alte Welt. „Das kann ich jedem nur empfehlen“, bewertet Brummel die elektronische Auszeit als absoluten Gewinn. Nicht einmal die Wettervorhersage spielte eine Rolle: „Warum auch. Ändert doch nichts“, sagt Brummel, für den Wind und Regen zum ständigen Begleiter wurden. „In der vierten Nacht hatte ich mein Zelt an einer Stelle aufgebaut, von der ich einen fantastischen Blick hatte. Leider war die aber überhaupt nicht windgeschützt, und nachts hat mich der Sturm fast weggeblasen. Nachts um eins musste ich das Zelt abbauen und bin weitermarschiert. Zum Glück habe ich 500 Meter weiter einen besseren Platz gefunden.“ Zwei Nächte verbrachte er in schlichten Schutzhütten, einmal kehrte er in einer bewirtschafteten Herberge ein, um den regennassen Schlafsack trocknen zu lassen. Auch die seltenen Begegnungen und Gespräche mit anderen Wanderern bezeichnet Brummel als absoluten Gewinn. „Das sind alles schöne Erlebnisse.“

Konto füllt sich

Während Brummel wandert, füllt sich auch das Konto für den guten Zweck. Die Kilometerpaten haben nach 289 Wanderkilometern bis Freitag rund 650 Euro auf das Konto der Aktion „WirfuerYannic“ für den Kampf gegen Depression eingezahlt. Der Stand ist allerdings längst nicht mehr aktuell, weil Felix Brummel seit Sonntag schon wieder unterwegs ist. Auf dem Europa-Wanderweg 1 Richtung Norden – mit „unglaublich viel Freude“ und gespickt mit virenfreien Aha-Erlebnissen.

 

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