Fußball: Fifa statt SC Preußen Münster
Die neue Aufgabe von Arne Barez im Team von Arsène Wenger

Münster -

Herausforderung und Neuanfang für Arne Barez. Der 42-jährige Fußballlehrer, der beim SC Preußen Münster eine Reihe von (Trainer-)Stationen durchlief, heuert ab dem 1. November beim Fußball-Weltverband Fifa an.

Freitag, 23.10.2020, 18:47 Uhr aktualisiert: 24.10.2020, 17:55 Uhr
Neuer Job: Arne Barez
Neuer Job: Arne Barez Foto: imago-images

Als er im März 2019 die Urkunde überreicht bekam als sichtbares Zeichen für die bestandene Prüfung zum Fußballlehrer, dürfte der Sprung zum Weltfußballverband noch kein denkbares Szenario gewesen sein. Preußen Münsters Arne Barez (42) vollzieht zum 1. November den Schritt hin zur Fifa und in deren Talentförderungsprogramm, das kein Geringerer als Arsène Wenger (71) ans Laufen bringen soll, der seit November 2019 amtierende Fifa-Direktor für globale Fußballförderung.

Über 200 Mitgliedsverbände aus allen Konföderationen, schreibt die Fifa stolz, sind im neuen Programm das neue Maßstäbe setze, dabei. „Die ganze Welt hat sich angemeldet. Nun müssen wir liefern: schnell, sinnvoll, verständlich und effizient“, sagte Wenger, der erfolgreichste und bisher am längsten amtierende Trainer in der Geschichte des FC Arsenal in London, laut Mitteilung.

Tempo wird gemacht, aber in erster Linie geht es um Gründlichkeit. Jeder Mitgliedsverband wird eine „ausführliche Analyse der Spitzenförderung im Männer- und Frauenfußball erhalten – einschließlich aller Nationalteams, nationalen Ligen, Talentsichtungsprojekte und Akademien.“ Das oberste Ziel ist weltumspannend formuliert: „Das Fifa-Talentförderungsprogramm soll jedem Kind auf der Welt, das Fußball spielen möchte, eine Chance geben und ihm dabei helfen, sich zu verbessern und den Fußball positiv zu erleben.“

Und Barez ist dabei, wenn „diese große Aufgabe als logischer erster Schritt" einer intensiven Zusammenarbeit gemacht wird. Der analytisch so herausragende Norddeutsche wird sich fortan konsequent konzeptionell dem Fußball widmen – statt wie bisher über alle die Jahre als Trainer vornehmlich praktisch. „Ich werde diese Arbeit vermissen. Aber irgendwann muss man sich entscheiden.“ Da er seit Monaten bereits auf Beraterebene für die Fifa in der Vorbereitung der Umsetzung des Talentförderungsprogramms tätig war, lag der Seitenwechsel nahe.

Was also ist zu tun? Die Arbeitsgruppen verschaffen sich einen Überblick über die genaue Struktur aller Systeme. „Wir müssen zunächst einmal verstehen, wie die Talentförderung in den einzelnen Ländern überhaupt funktioniert und dann die jeweiligen Bedürfnisse aufdecken. Erst danach kann man maßgeschneiderte Unterstützung anbieten“, sagt Barez. Logisch, dass erhebliche Unterschiede dokumentiert werden dürften. Zum Beispiel in diesen Bereichen: Wie genau sind die Nationalmannschaften aufgestellt? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? In welcher Ligenstruktur sind die Junioren unterwegs? Wie läuft die Trainerfortbildung ab?

Da die weltweite Pandemie die geplanten Reisen der Fifa-Teams und deren direkte Ansprache unmöglich macht, sind Videokonferenzen zum Thema an der Tagesordnung. Strukturierte Gespräche vertiefen die zuvor online abgefragten Angaben. Barez und Kollegen werden die riesigen Datenmengen zusammenfassen, analysieren und unterstützende Angebote formulieren. Im ersten Quartal 2021 bereits will die Fifa „für jeden Mitgliedsverband maßgeschneiderte technische Programme entwickeln“, also Ratschläge geben, wie mögliche Schwächen zu beheben sind und vorhandene Stärken noch besser zur Geltung kommen können. Ein ambitionierter Plan.

„Es geht überhaupt nicht darum, besserwisserisch irgendein Problem aufzudecken“, sagt Barez. „Es gibt immer gute Gründe, warum Prozesse so laufen, wie sie laufen. Wir wollen einfach nur ein gemeinsames Bewusstsein schaffen, durch internationale Vergleiche Orientierung geben und Unterstützung anbieten.“ Nur wer den Überblick darüber habe, was alles benötigt wird für Fußball auf hohem Niveau, könne Antworten geben.

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