Fußball: Kreis Münster
Krevert ermahnt Fußballer: Kein Bierchen danach

Münster -

Nach dem Lockdown im Frühjahr zwingt die Pandemie erneut Sportler und Sportarten in den Stillstand. Auch der Amateurfußball ist bedroht. Norbert Krevert, der Vorsitzende des Kreises Münster, hofft auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs. „Die großen Fehler werden vor und nach dem Spiel gemacht“, sagt er.

Dienstag, 27.10.2020, 15:21 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 20:46 Uhr
Norbert Krevert (vorn rechts): Gewissheit gibt es nicht.
Norbert Krevert (vorn rechts): Gewissheit gibt es nicht.

In einer Video-Konferenz haben die zuständige Führungsriege des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) und die Vertreter der 29 Kreise den Beschluss gefasst, trotz steigender Zahl der Covid-19-Infektionen vorerst keine flächendeckende Saisonunterbrechung im Amateur- und Jugendbereich vorzunehmen. Münsters Fußball-Chef Norbert Krevert begrüßt die Entscheidung. „Bislang ist mir nicht ein einziger Fall bekannt, bei dem sich jemand beim Sport unter freiem Himmel angesteckt hat“, sagt er, „die Gefahr lauert an anderer Stelle.“

 

Was meinen Sie damit?

Krevert: Dass die großen Fehler vor und nach dem Spiel gemacht werden. Zu viele Leute in einer Kabine, das Bierchen danach. Es ist die Macht der Gewohnheit, die dem Virus Nahrung gibt.

Wie kann der Kreis einwirken?

Krevert: Indem wir immer wieder auf unseren Corona-Knigge hinweisen: Maske tragen – übrigens auch im Auto bei Fahrgemeinschaften –, Besprechungen grundsätzlich draußen, Abstand halten. Außerhalb der weißen Linie gibt es keinen Schiedsrichter, da ist jeder Einzelne ein Regelhüter. Insgesamt läuft das im Kreis wirklich sehr gut, die Vereine machen einen tollen Job.

Aber noch machen nicht alle alles richtig ...

Krevert: Ja, aber auch das ist ja ganz normal. Wer Hilfe braucht, bekommt sie. In der Regel schicken wir dann unseren Corona-Beauftragten Matthias Wobbe los. Der ist im Thema und super engagiert.

Wann genau gibt es Nachhilfe?

Krevert: Wenn die Vereine dies möchten. Und wenn wir Hinweise auf Missstände erhalten.

Von wem erhalten Sie Hinweise?

Krevert: Von Schiedsrichtern. Von Staffelleitern, die auf den Plätzen unterwegs sind. Natürlich auch von Zuschauern und Spielern. Und dann gibt es auch noch den bösen Nachbarn. Wir gehen wirklich jeder Meldung nach.

Das ist viel Arbeit ...

Krevert: Ja, aber nur so können wir unserer Verantwortung gerecht werden. Dieses Thema ist verdammt ernst.

Sind die Kreise eigentlich autark und auch ohne Placet des Verbandes in der Lage, Wettkampfpausen herbeizuführen?

Krevert: Grundsätzlich ist das möglich. Aber ich möchte nicht, dass jeder Kreis sein eigenes Süppchen kocht. Wir brauchen große und gemeinsame Lösungen, die der Verband vorgeben muss. Das sollte dann für jeden die Orientierung sein.

Haben Sie Hoffnung, dass der Fußball ohne angeordnete Pause durch die nächsten Wochen und Monate kommt?

Krevert: Hoffnung, ja. Aber keinerlei Gewissheit. Das Blatt kann sich täglich wenden. Sicher ist, dass wir keinerlei Risiko eingehen werden. Andererseits ist Sport – und damit meine ich nicht nur den Fußball – ein bedeutender gesellschaftlicher Wert. Grundsätzlich kann es doch niemand wollen, dass wir jetzt ein halbes Jahr zu Hause sitzen und uns nicht bewegen. Was macht das mit unseren Jugendlichen? Deshalb noch einmal mein dringender Appell an alle: Haltet euch an die Regeln!

Im Kreis Unna ist gerade ein 14-tägiger Sport-Lockdown ausgelaufen. Die Inzidenzzahlen sind dort aber weiterhin sehr hoch. Was passiert, wenn sich Mannschaften weigern, in Werne oder Selm anzutreten, weil sie ein ungutes Gefühl haben?

Krevert: Grundsätzlich stelle ich fest, dass die Zahlen überall steigen.

Damit ist die Frage aber nicht beantwortet ...

Krevert: Es ist ein sehr sensibles Thema. Ein ungutes Gefühl reicht eigentlich nicht aus, um eine Spielverlegung zu erwirken. Aber in diesen schwierigen Zeiten lässt sich über fast alles reden und nahezu immer eine verträgliche Lösung finden.

Die Ältesten auf dem Platz sind oft die Schiedsrichter. Gibt es Ausfälle in der Corona-Krise?

Krevert: Einige haben sich freistellen lassen, weil ihnen das Risiko momentan zu groß ist. Dafür hat der Kreis vollstes Verständnis, betroffene Partien wurden durch den Schiedsrichterausschuss umbesetzt. Wir sind weiter handlungsfähig. Darüber hinaus ist den Vereinen mitgeteilt worden, dass die temporären Freistellungen keinen Einfluss auf das Schiedsrichter-Soll haben.

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