Volleyball: Bundesliga Frauen
Lisa Thomsen – auf einmal Cheftrainerin des USC Münster

Münster -

Volleyball begleitet Lisa Thomsen schon ihr ganzes Leben lang, schon als kleines Baby nahm ihre Mutter sie mit in die Halle. Nach dem Ende ihrer erfolgreichen Karriere im Sommer 2019 formulierte die frühere Nationalspielerin ein klares Ziel für ihren weiteren Weg: Cheftrainerin wollte sie werden. Nun, deutlich früher als erwartet, kann sie diese Rolle beim USC Münster ausfüllen. „Gemischte Gefühle“ begleiten sie dabei.

Mittwoch, 28.10.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 21:08 Uhr
Lisa Thomsen wird als neue Cheftrainerin des USC nun Sarah van Aalen (r.) und Co. Anweisungen geben.
Lisa Thomsen wird als neue Cheftrainerin des USC nun Sarah van Aalen (r.) und Co. Anweisungen geben. Foto: Jürgen Peperhowe

Nur wenige Wochen nach dem Ende ihrer erfolgreichen Karriere, in der sie deutsche Meisterin und Pokalsiegerin wurde und als insgesamt 112-fache Nationalspielerin mit der DVV-Auswahl zweimal EM-Silber (2011, 2013) gewann, hatte Lisa Thomsen im Sommer 2019 klare Vorstellungen über ihre Volleyball-Zukunft. „Ich würde gerne als Trainerin im Topleistungssport arbeiten. Die Aufgabe reizt mich“, sagt die ehemalige Libera. Nun, etwas mehr als ein Jahr danach, bekommt Thomsen die Chance, sich beim USC Münster als Nachfolgerin von Teun Buijs in verantwortlicher Position zu beweisen. Auf einmal Cheftrainerin.

Die 35-Jährige, bislang Assistentin des nun freigestellten Niederländers, hat ein erstes Zwischenziel erreicht, ist angekommen. Allerdings mit „gemischten Gefühlen in der Magengegend und im Herzen“, wie sie gesteht. „Es war immer mein Ziel, als Cheftrainerin in der Bundesliga zu arbeiten. Aber die Umstände, wie es dazu gekommen ist, sind alles andere als schön. Schließlich habe ich mit Teun sehr lange zusammengearbeitet und kenne ihn sehr gut“, sagt Thomsen, die als Spielerin beim Schweriner SC, bei Lokomotive Baku und zum Karriereabschluss beim USC ein Schützling des heute 60-jährigen Buijs war.

Einzige Bundesliga-Trainerin

Nun also ist Thomsen die Chefin, zunächst bis zu Mitte Dezember. Dann geht die werdende Mama in Mutterschutz, Münsters Sportlicher Leiter Ralph Bergmann wird sie bis zur kommenden Saison vertreten. Bis Weihnachten aber ist die derzeit einzige Trainerin in Deutschlands höchster Spielklasse gefordert, die Unabhängigen nach dem verpatzten Start (drei Niederlagen in vier Partien) in die Spur zu bringen. Die Stimmung war zuletzt in den Einheiten gedrückt, die Folgen auf dem Feld zu sehen. „Es ist total wichtig, dass wir die Situation so annehmen, wie sie ist. Mein Fokus wird darauf liegen, die Positivität und Emotionalität zurück ins Team zu bringen. Die Spielerinnen müssen den Glauben an sich zurückbekommen“, benennt Thomsen mit Blick auf die Begegnung am Sonntag (18 Uhr) gegen Stuttgart die kurzfristigen Ziele. „Zuletzt war ein großer Unterschied zwischen der Leistung im Training und im Spiel zu spüren, da die Drucksituation im Wettkampf eine ganz andere ist. Der Ansatz wird sein, dass wir solche Situationen tagtäglich im Training kreieren müssen, damit der Sprung im Spiel nicht mehr so groß ist“, sagt Thomsen, die von der Qualität der Mannschaft absolut überzeugt ist. „Wir haben super gute Spielerinnen, die großes Potenzial haben. Das muss herausgekitzelt werden.“

Thomsen wird am Donnerstag ihre Arbeit aufnehmen – und damit in einen neuen Abschnitt ihres Volleyball-Lebens starten.

Zwei Fragen an...

Barbara Wezorke, Kapitänin des USC, erlebt mit ihrer Mannschaft gerade turbulente Zeiten. Nachdem der Mannschaft die Entlassung von Trainer Teun Buijs verkündet worden war, saß das Team noch beisammen.

Wie hat es die Nachricht aufgenommen?

Die Bandbreite war groß, von Enttäuschung bis Aufbruch. Aber wir alle haben mit Teun mitgefühlt, allen tat es leid. Zumal bislang keiner von uns eine Trainerentlassung erlebt hat. Neu-Trainerin Lisa Thomsen spricht davon, dem Team neue Positivität und Emotionalität vermitteln zu wollen.

Wann ging diese verloren?

Das war, glaube ich, ein schleichender Prozess. Der Spaß am Volleyball ist manchmal ein wenig untergegangen, es ist zur Routine geworden. Da kann ich Lisas Worte nur unterstreichen. Ich habe an das Team appelliert, dass wir es ihr so leicht wie möglich machen müssen. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass es eine schwere Zeit wird.

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