Volleyball: Frauen-Bundesliga
Lisa Thomsen sieht bei ihrem Trainerdebüt einen verbesserten USC

Münster -

Der USC hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Auch wenn es gegen Stuttgart eine 1:3-Niederlage gab, präsentierten sich die Unabhängigen nach der turbulenten Woche mit der Trainerentlassung stabil. Trainerin Lisa Thomsen war nicht unzufrieden.

Montag, 02.11.2020, 17:35 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 21:40 Uhr
Nicht unzufrieden: Trainerin Lisa Thomsen
Nicht unzufrieden: Trainerin Lisa Thomsen Foto: Jürgen Peperhowe

Der 1. November war für Lisa Thomsen kein gewöhnlicher Spieltag, wie sie ihn schon unzählige Male in ihrer langen Karriere als Spielerin oder in der jüngeren Vergangenheit als Co-Trainerin erlebt hatte. Nein, Allerheiligen 2020 war ein besonderer Tag für die 35-Jährige, stand doch ihr Debüt als Cheftrainerin des USC Münster an. „Im Frühtraining und je näher es dann in Richtung Spiel ging, umso nervöser wurde ich. Aber es war eine gute Nervosität, eine Anspannung, die man braucht“, gestand Thomsen, die nach dem 108-minütigen Geisterspiel ohne Zuschauer gegen Allianz MTV Stuttgart (1:3) erleichtert feststellen durfte, dass ihr Team den am Mittwoch vollzogenen Wechsel von ihrem Vorgänger Teun Buijs gut verarbeitet hat.

„Stolz“ war sie auf die Mannschaft, die fast ein wenig befreit wirkte nach den turbulenten Tagen rund um die Buijs-Freistellung. Gegen den Champions-League-Teilnehmer und immer noch amtierenden Meister aus dem Schwabenland trat der USC mit einer Menge Esprit, Einsatz und Leidenschaft auf, wehrte sich mit allen Mitteln gegen die überragende Topscorerin Krystal Rivers (29 Punkte) und ihre Kolleginnen. „Es hat richtig Bock gemacht, wir hatten trotz der Niederlage Spaß“, sagte Juliane Langgemach, die erstmals in dieser Saison in der Startformation stand – und ihre Aufgaben in der Mitte gut löste. Überhaupt stand Münsters Block, zwölf Punkte mit diesem Element (Stuttgart kam auf zehn) sind ein stolzer Wert. „Natürlich kann man eine Rivers nicht immer blocken, aber wenn man sie erwischt, pusht das extrem“, erklärte Langgemach.

Und Münster erwischte Stuttgarts Amerikanerin ein ums andere Mal, ließ sich auch von Rückständen wie in den Sätzen drei, als der USC beim 22:24 zwei Matchbälle abwehrte und ihn noch 26:24 gewann, und in Abschnitt vier (2:8) nicht irritieren. „Ich wollte erreichen, dass wir den Glauben an uns selber wiederfinden, dass wir jeden Punkt einzeln spielen. Das hat die Mannschaft gemacht und gezeigt, dass sie guten Volleyball spielen kann“, sagte Thomsen, die den neuen Schwung an der Seitenlinie vorlebte. Sie kommunizierte mit den Ersatzspielerinnen, tauschte sich mit Co-Trainer Marvin Mallach aus, motivierte, feuerte an, reklamierte, bezog alle mit ein. „Wir brauchen die positive Emotionalität und müssen als Einheit agieren. Alle gehören dazu“, sagte die ehemalige Nationallibera. Als „eine Einheit, die auch nach Rückschlägen zurückgekommen ist“ (Langgemach), verlangte der USC dem Favoriten eine ganze Menge ab. Der Block stand und erleichterte Libera Linda Bock so die Arbeit, im Angriff fanden die Münsteranerinnen „viele clevere Lösungen“, wie Thomsen sagt. „Auch wenn sie sich wegen Stuttgarts Abwehrstärke noch nicht so in der Statistik niedergeschlagen haben, haben wir einen Schritt nach vorne gemacht“, erklärte die Trainerin, verbesserte sich aber umgehend. „Nein, einen ganz großen in die absolut richtige Richtung.“

Mannschaftlich geschlossen hat der USC diesen gemacht. Zwar wurde Anika Brinkmann (19 Zähler) zum vierten Mal Münsters wertvollste Spielerin, aber auch Liza Kastrup auf der Diagonalen, die eingewechselten Nele Barber, Barbara Wezorke, Mia Kirchhoff und Taylor Nelson brachten Energie und Impulse. Einzig Helo Lacerda war außen vor, Probleme am Knie verhinderten einen Einsatz, ihren Part im Doppelwechsel mit Nelson übernahm die erst 16-jährige Kirchhoff.

„Die Wechsel haben funktioniert“, sagte Thomsen, die nun eine Woche Zeit zur Vorbereitung auf das Pokal-Achtelfinale daheim am Sonntag (14.30 Uhr) gegen die Roten Raben Vilsbiburg hat.

Vilsbiburg, war da nicht was? Richtig, vor zwei Wochen verlor Münster im Tiebreak gegen die Niederbayern. „Wir haben noch eine Rechnung offen, ganz klar“, sagte Langgemach. Und die Aufbruchstimmung, die am Berg Fidel Einzug gehalten hat, schwang in ihrer Stimme mit. Der USC ist munter zurück.

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