Rudern: US-Wahl
RVM-Athlet Ole Kruse zwischen Politik, Masken und sportlicher Entwicklung

Münster -

Ole Kruse hat das Finale der US-Wahl hautnah und vergleichsweise entspannt in Boston erlebt. Der U-23-Ruder-Europameister aus Münster studiert und trainiert in Neu England – aktuell mit Maske, aber ohne Donald Trump.

Dienstag, 10.11.2020, 16:38 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 16:30 Uhr
Auch wenn es nicht so aussieht: Ole Kruse (r.) beim Rennrad-Trip nach Cape Cod mit Jan Hennecke aus Lingen (l.) und dem Neuseeländer Braeden Camp – ein Stück des Wegs wurde mit der Fähre zurückgelegt.
Auch wenn es nicht so aussieht: Ole Kruse (r.) beim Rennrad-Trip nach Cape Cod mit Jan Hennecke aus Lingen (l.) und dem Neuseeländer Braeden Camp – ein Stück des Wegs wurde mit der Fähre zurückgelegt.

Auch diesseits des großen Teichs hat die US-Wahl für hohe Wellen gesorgt und Menschen wie ­Medien bewegt. Inzwischen ist die Entscheidung gefallen, doch wie schnell sich die Wogen glätten, muss sich erst noch zeigen. Ole Kruse war in den vergangenen ­Tagen mittendrin statt nur dabei – und der 21-jährige Münsteraner weiß als Ruderer nur zu gut, wie wichtig ruhige Gewässer nicht nur, aber vor allem im Rudersport sind. Der Nationalmannschaftsathlet aus Gievenbeck ist seit einigen ­Wochen zurück an der North­eastern University in Boston und erlebte die Wahl mit Spannung und deren Ende mit Erleichterung. „Ich bin im Ganzen erleichtert, weil befürchtet wurde, dass es zu Ausschreitungen kommt, falls Trump wiedergewählt werden sollte“, berichtet Kruse. „Tatsächlich ist Boston als Studentenstadt mehrheitlich liberal, wes­wegen die Stimmung entspannt ist – am Wahltag sogar ausgelassen mit Auto­corsos und feiernden Menschen auf den Straßen.“

Offene Konfrontationen wie in den Straßen von Philadelphia blieben in der größten Stadt des New-England-Staates Massachusetts schon im Vorfeld aus – und sie spielten auch im Nachgang keine Rolle. „Wegen der deutlichen Mehrheit an Liberalen hier in Boston gibt es weniger Konflikte, und obwohl beide politische Gesinnungen in meinem Freundeskreis vertreten sind, wird häufig mit Argumenten diskutiert, was für konstruktiven und zivilisierten Austausch sorgt“, so Kruse.

Kruse-Geschwister im Einsatz rund um die Welt

Beim ersten Lockdown im Sommer war die Kruse-Familie noch im heimischen Garten vereint – jetzt ist die Ruderjugend nicht nur bundes- sondern sogar weltweit im Einsatz: Schwester Ida trainiert mit dem Bundeskader in Potsdam, Jungspund Sönke fährt täglich zum Stützpunkt nach Dortmund und Ole trainiert in Boston.

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Umso schneller sollte an der Ostküste auch die Rückkehr zur Normalität gelingen – so weit das überparteiliche Virus dies zulässt. Ole Kruse ist mit seinem Team längst wieder im Training, trägt aber sogar im Boot verpflichtend Mundschutz. Auch im Bootshaus herrscht Maskenpflicht, „wie in allen anderen Campus-Gebäuden“. So oft es, geht ersetzt Kruse die Ergo-Einheiten deshalb durch Ausdauertouren auf dem Rennrad. Die Einheiten auf dem Ergometer sind nicht verpflichtend, dienen aber der Erfüllung Richtlinien, die die National Collegiate Athletic Association ihren Athleten auferlegt. Wofür er genau trainiert, steht allerdings noch nicht endgültig fest. „Wenn hier eine Uni-Saison gestartet wird, dann mache ich mit.“ Andernfalls wäre auch die Rudersaison in der Heimat eine Option für den U-23-Europameister, allemal ist eine Rückkehr nach „good old Germany“ bereits in den Winterferien geplant. „Für einen Monat will ich zurück“, so Kruse, der sich nach drei Jahren in den USA auch dank seiner amerikanischen Freundin auf beiden Seiten des großen Teichs gleichermaßen wohlfühlt.

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