Triathlon: Wettkampfpause
Tri-Finish-Athlet Luca Heerdt und der frühe Vogel

Münster -

Corona hat den Sport mit voller Wucht getroffen. Auch die Dreikämpfer mussten das leidvoll erleben. Wettkämpfe gab es 2020 kaum. Wen wundert es da, dass auch Profi-Triathlet Luca Heerdt irgendwie in der Luft hängt.

Mittwoch, 11.11.2020, 16:33 Uhr aktualisiert: 12.11.2020, 11:04 Uhr
Trainiert aktuell ohne echtes Ziel: Luca Heerdt
Trainiert aktuell ohne echtes Ziel: Luca Heerdt

Ist das früh. Mein Handy bimmelt. Die elektrische Zahnbürste rotiert in meinem Mund. Wer mag das sein? „Fischer“, sage ich zurückhaltend, nachdem ich mir sorgfältig die Futterluke ausgespült habe. So viel Zeit muss sein. „Hi André, hier ist Luca Heerdt.“ Na, dann. Triathleten haben anscheinend einen anderen Rhythmus. Der 25-Jährige will laufen gehen – und hat den Tag fein durchgetaktet. Da muss mal der frühe Morgen für das am Tag zuvor abgesprochene Telefonat herhalten. Kein Ding. Heerdt hat ganz andere Sorgen. Hinter ihm liegt ein Jahr voller Entbehrungen – ein gebrauchtes 2020. Er will reden.

Corona hat den Sport mit voller Wucht getroffen. „Ich bin in ein Loch gefallen“, gesteht der angehende Pädagoge, der aktuell in Bochum seinen Master in den Fächern Sport und Mathematik baut. Gerade mal zwei Live-Wettkämpfe hat er dieses Jahr absolviert. Im Februar in Dubai einen Ironman 70.3, im Juli einen Dreikampf über die olympische Distanz in Leipzig. Dazu die virtuelle Teilnahme am Sparda-Münster-City-Triathlon – das war’s. Für einen jungen, tatkräftigen Burschen mit Profi-Lizenz hartes Brot. „Ich habe die alternativlose Saison im August beendet und mir im Oktober mal zwei Wochen Pause gegönnt“, erzählt er. Der Frust sitzt tief.

Mit Beginn des November-Lockdowns hat der Borghorster, der für den Bundesligisten Tri Finish Münster startet, das Training unter Aufsicht von Coach Ralf Kleemann wieder aufgenommen. Täglich quält er sich, läuft, fährt Rad. Und geht viermal die Woche im Uni-Bad der Ruhr-Metropole schwimmen. Ein Privileg, wo allerorts die Schwimmhallen für die Öffentlichkeit dicht sind. Aber wofür eigentlich? „Es ist schwer, sich manchmal zu motivieren, wenn du nicht auf ein Ziel fokussiert bist“, gibt er zu. Licht am Ende des Tunnels sieht er noch keines. Noch immer gehen die Fallzahlen in die Höhe. Die Pandemie hat die Welt im Griff. Die Zulassung des Impfstoffs, der angeblich 90 Prozent Schutz bieten soll, könnte ein Rettungsanker sein. Hoffnung!

Und doch: Die Uhr tickt. 2021 steht unmittelbar vor der Tür. Aktuell haben Heerdt und Kleemann die Vorplanungen für das neue Jahr aufgenommen. Nur können beide nicht vorhersagen, was kommt. Ein Termin ist zumindest im Kalender rot markiert: die ITU-Multisport-WM Almere-Amsterdam im September. Bis dahin möchte er mit seinem Masterstudiengang durch sein – und in die Praxis, sprich ins Referendariat wechseln. Der Weg ist vorgegeben.

Der Gedanke daran erfüllt ihn mit Freude – und neuen Sorgen. „Kann ich meinen Sport in dieser Form professionell weitermachen, wenn ich im Beruf stecke?“, fragt er sich immer öfter. Äußerst zeitaufwendig ist beides. Der Kopf des ambitionierten Triathleten ist derweil rappelvoll. Gedankenspiele hin – Gedankenspiele her. Zumindest beim Laufen kriegt er ihn frei. In der Frühe. Dann, wenn sich andere noch der Zahnpflege widmen.

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