Fußball: Regionalliga West
Die Preußen haben den Herbst-Blues

Münster -

Nur ein Punkt aus den letzten drei Spielen, das war es wohl im Aufstiegsrennen der Regionalliga für Preußen Münster. Das Team von Trainer Sascha Hildmann verlor mit 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach II und vergab dabei durch Alexander Langlitz einen Elfmeter zum möglichen Ausgleich.

Sonntag, 06.12.2020, 13:30 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 15:08 Uhr
Vorbeigegriffen: Torwart Max Schulze Nieheus kann nicht klären, Galdbachs Lukas Müller (links) kommt zum Kopfball.
Vorbeigegriffen: Torwart Max Schulze Nieheus kann nicht klären, Galdbachs Lukas Müller (links) kommt zum Kopfball. Foto: Jürgen Peperhowe

Der SC Preußen Münster hat den Herbst-Blues zurück, fast schon eine Tradition in den letzten ­Saisons. Muddy Waters würde, wenn er noch unter uns weilen würde, dazu wohl passend ein paar Akkorde auf seiner Gibson SG Junior anspielen und dann verbal bestätigen: „Oh, yeah.“ „Alle Jahre wieder“ denkt der leidgeprüfte Preußen-Fan dann vermutlich. Nun gut, richtig böse hat es den Drittliga-Absteiger nicht erwischt, aber viele Fakten liegen kurz vor dem Ende der Hinrunde auf dem Tisch. Demnach dürfte nach der 1:2 (1:2)-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach II die letzte vage Hoffnung zur rein theoretischen Chance verkommen sein, dass die Mannschaft von Coach Sascha Hildmann noch in das Aufstiegsrennen der Regionalliga aktiv eingreift. RW Essen und Borussia Dortmund II werden den Drittliga-Aufstieg unter sich ausmachen. Münster ist raus.

Einiges fehlt zur Spitzenelf

Alles, was dem SCP zur Spitzenmannschaft noch fehlt, wurde gegen die Borussen-Reserve sichtbar. Zwei einfache Wahrheiten des Fußballs wurden zunächst bestätigt: Denn der SCP kassiert zum einen zu viele vermeidbare Gegentore und macht zum anderen aus seinen vielen Chancen zu wenig Tore. Dann waren erneut Aggressivität und verbale Dominanz Themen, bei beiden hatten die Fohlen die Nase lange und entscheidend vorn. Nur ein Punkt aus den letzten drei Partien, und somit acht Zähler liegengelassen, praktisch gegen alle Clubs mit gehobenem Format verloren wie Essen, Dortmund II, 1. FC Köln II, Fortuna Köln und jetzt Gladbach II – tatsächlich ist der SCP im Entwicklungsmodus, bei Weitem noch nicht stabil, oft zu zaghaft, zu lange im Aufwärmmodus. Und kassiert deshalb als Kollektiv wie auch individuell die eine oder andere Lehrstunde. Das schmerzt.

Lehrstunde

Diesmal erwischte es die defensive Mittelfeldzentrale mit Dominik Klann und ­Ginaluca Przondziono, die in der ersten Hälfte das Heft aus der Hand gaben, nur mit- oder im schlimmsten Fall ihren Gegenspielern hinterherliefen. Zu ihrer Entschuldigung sei gesagt, dass sie 41 Jahre alt sind – zusammen. Klann manövriert sich gerade nach tollem Start in ein Tief, Przondziono fehlt sichtlich Praxis. In diesem Spiel waren sie dem Power-Fußball der Gäste nicht annähernd gewachsen.

Wechselspiele auf der Bank

Große Rotation im Preußen-Kader, allerdings nicht in der Startelf, sondern auf der Bank. In die Anfangsformation schaffte es nur Benedikt Zahn, der zuletzt wieder aufsteigende Tendenz zeigte und als Stürmer den nicht enttäuschenden, aber vielleicht etwas platten Nicolai Remberg ersetzte. Weil aber Marcel Hoffmeier, Joshua Holtby und Ersatzkeeper Marko Dedovic nach ihren Verletzungspausen wieder einsatzbereit waren und sich Roshon van Eijma sowie erstmals William Möller im Training angeboten hatten, mussten U-23-Torhüter Steffen Westphal, aber auch Justin Möbius, Lukas Frenkert, Naod Mekonnen und der leicht angeschlagene Osman Atilgan weichen.

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Dabei begann alles nach Maß, als Alexander Langlitz nach einer Ecke von Jules Schwadorf das 1:0 köpfte (5.). Doch keine fünf Minuten später patzte der ungewohnt nervöse Torwart Max Schulze Niehues, Marcel Lieder glich aus. Das 1:2 nach gut einer halben Stunde stellte der kompletten SCP-Abwehr ein schlechtes Zeugnis aus, keiner griff entschieden ein, keiner bekam einen Fuß dazwischen, am Ende verwertete Thomas Kraus einen abgefälschten Schuss des Ex-Preußen Justin Steinkötter zur Führung.

Dritter „Elfer“ verschossen

Noch ein Haar in der Suppe? Der SCP vergab bereits den dritten Elfmeter in dieser Saison, als Alexander Langlitz an Jonas Kersken scheiterte – zuvor war Joel Grodowski von Lukas Müller und Kaan Kurt gefoult worden. Nun gut, Langlitz musste fast zwei Minuten auf die Ausführung warten, aber dann schoss er den Ball zu schwach und unplatziert. „Er war vorgesehen, aber natürlich müssen wir die Elfer auch mal reinschießen“, haderte Hildmann. Einer von vier, schlappe Quote.

Schweigeminute für Tandetzki

Im Gedenken an den in der vergangenen Woche verstorbenen Sponsor und Unterstützer Wilfried Tandetzki gab es am Samstag eine Schweigeminute vor dem Anpfiff. Stadionsprecher Martin Kehrenberg verlas dazu einige erinnernde Sätze über das Vereinsmitglied. Außerdem spielte die Mannschaft aus diesem Anlass mit einem Trauerflor am Arm.

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Als nach der Pause Marcel Hoffmeier und Joshua Holtby die Zentrale besetzten, war mehr Leben in der Bude, viel Druck, viele Chancen, nur auch wenig Effektivität. Nach gut einer Stunde begann der SCP zu dominieren, hatte durch Grodowski und Langlitz beste Gelegenheiten. Kurz vor Ende hätte der Freistoß von Holtby in den Torgiebel gepasst, wäre da nicht Kersken hingehechtet zur Klärung der letzten offenen Frage. Für Hildmann blieben nur der Frust und das Wissen, erneut Punkte liegengelassen zu haben. Das schmerzt in der Seele. Genau das ist Blues. Die Preußen haben ihn. Oh, yeah.

Vogel wie Rumpelstilzchen

Mönchengladbachs Co-Trainer Jens Wissing trat in Münster so auf, wie ihn die Preußen in Erinnerung hatten: ruhig und gelassen. Chefcoach Heiko Vogel hingegen wurde vor der Halbzeit wegen diverser Entscheidungen zum Rumpelstilzchen und handelte sich nach dem Elfmeterpfiff kurz vor der Pause eine Gelbe Karte wegen permanenten Lamentierens ein. Die Ausführung des Strafstoßes verzögerte er somit um gut zwei Minuten. Alexander Langlitz tat das lange Warten offenbar nicht gut . . .

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