Juniorsportler des Jahres: Ines Bathen gewinnt die 2007er Wahl
In die Volleyball-Herzen gestürmt

Mit zarten 16 Jahren zieht es Ines Bathen im Sommer 2007 nach Münster. Sie wird schnell zu einer festen Größe bei den Bundesliga-Frauen des USC. Und obendrein sammelt sie die meisten Stimmen bei der Wahl zu Münsters „Juniorsportler des Jahres 2007“.

Samstag, 02.01.2021, 08:00 Uhr
In der Annahme eine Bank, im Angriff immer mit Lösungen: Elf Jahre spielte Ines Bathen für den USC in der Bundesliga, als 17-Jährige debütierte sie und gewann prompt die Wahl zu „Münsters Juniorsportler 2007“.
In der Annahme eine Bank, im Angriff immer mit Lösungen: Elf Jahre spielte Ines Bathen für den USC in der Bundesliga, als 17-Jährige debütierte sie und gewann prompt die Wahl zu „Münsters Juniorsportler 2007“. Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist ein großer Schritt, den Ines Bathen im Sommer 2007 wagt. Aus dem nur etwa 1500 Einwohner zählenden Dörfchen Nuttlar zieht es die damals 16-Jährige nach Münster, mit immerhin gut 270 000 Bewohnern schon eine andere Hausnummer. Auf das Sportinternat verschlägt es die junge Volleyballerin, die beim RC Sorpesee in der Regionalliga auf sich aufmerksam gemacht hat. Schule und Leistungssport will sie dort verbinden, sich auf eine Karriere als Beachvolleyballerin fokussieren und parallel für den USC Münster in der 2. Bundesliga spielen. „Das war der Plan“, sagt Ines Bathen, die im besagten Sommer keinen Gedanken an die Bundesliga verschwendet – wenig später aber im Oberhaus debütiert, sich fest ins Team der Unabhängigen spielt. Eine Durchstarterin aus dem Sauerland, die die Herzen der Volleyball-Fans im Sturm erobert – und die meisten Stimmen bei der Wahl zu Münsters „Juniorsportler des Jahres 2007“ einheimst.

Da steht die frisch gebackene Gewinnerin, beim Siegerfoto neben gestandenen Größen wie dem zweifachen Ruder-Weltmeister Philipp Stüer und Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, die zu der Zeit mit Abraxxas von Erfolg zu Erfolg reitet. „Ein unvergesslicher Moment“, beschreibt Bathen, die in der neuen Heimat keine leichte Anfangsphase hat. „Es war alles neu. Die Schule, der Verein, das Umfeld, dazu die sportliche Umstellung mit dem höheren Trainingsumfang. Ich war allein ohne meine Familie. Das erste halbe Jahr war schon schwer“, erinnert sich Bathen.

Abhalten aber lässt sie sich nicht, geht ihren Weg und nutzt die sich bietende Chance. Als Anika Brinkmann, mittlerweile wieder zurück beim USC, verletzt ausfällt, debütiert die mit einem Doppelspielrecht ausgestattete Bathen im Bundesliga-Team von Trainer Axel Büring. In Hamburg, Münster gewinnt. Dabei trauen Experten der nur 1,71 Meter großen Sauerländerin den Sprung in die Beletage nicht zu, als zu klein stempeln sie Bathen ab. Pustekuchen, ihre Volleyball-Karriere nimmt richtig Fahrt auf. 2008 folgt die Berufung in die Junioren-Nationalmannschaft, mit der sie 2009 bei der U-20-WM Silber gewinnt. „Eine wahnsinnige Erfahrung und ein Titel, den mir keiner nehmen kann.“ Ein weiteres Jahr später macht die Außenangreiferin ihr Abitur auf dem Pascal-Gymnasium – als gestandene Bundesliga-Spielerin.

Wer hätte das gedacht? „Ich nicht“, gesteht Bathen, die elf Saisons für den USC spielt und die Unabhängigen zwei Jahre lang als Kapitänin anführt. „Meine Bundesliga-Zeit war superschön und für meine Entwicklung sehr prägend“, erklärt Bathen, die mit den Grün-Weißen zweimal DM-Dritte wird. Im Sommer 2018 aber ist Schluss, das Lehramtsstudium (Geografie und Sport) hat nun Vorfahrt. „Bisher hat Volleyball mein Leben bestimmt. Das ändert sich jetzt. Der Sport hat mir superviel gegeben, ich wäre ohne ihn heute nicht die Person, die ich bin“, sagt sie damals.

Doch ganz ohne Volleyball geht es bei der heute 30-Jährigen nicht. Direkt nach ihrem Karriereende als Bundesliga-Spielerin folgt sie dem Ruf ihres einstigen Mentors Büring („Axel hat sehr großen Anteil an meinem Weg, hat mir Vertrauen gegeben und an mich geglaubt.“) und verstärkt die just in die 3. Liga aufgestiegene USC-Zweite – mit elf Jahren Verspätung. Dazu baut sie gerade ihren A-Trainer-Schein, betreut an Spieltagen immer mal wieder Jugend-Teams der Unabhängigen. „Trainerin zu sein, macht mir Spaß. Mal sehen, ob ich später auch im Erwachsenenbereich tätig sein werde“, sagt Bathen, die seit dem Frühjahr Lehrerin ist. Ihre finale Prüfung legt sie eine Woche vor dem ersten Lockdown ab, bis zum Sommer unterrichtet sie noch dank einer Vertretungsstelle an einem Gymnasium in Neubeckum.

Was dann kommt, ist offen. Zu gerne würde Bathen in Münster bleiben. Längst hängt sie an der Stadt, in die sie 2007 aus dem Sauerland kam – und aus der die Juniorsportlerin 2007 ihre beeindruckende Karriere startete. Henner Henning

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