Münsters Juniorsportler des Jahres 2008: Malte Wies träumt von Nachwuchs
„Das Leben verändert sich“

Münster -

Malte Wies stand vor einer großen Karriere als Wasserballer. In der Jugend wurde er nationaler Meister und daraufhin zum „Juniorsportler des Jahres 2008“ gewählt. Weil er ein bodenständiger Typ ist, hielt er der Heimat die Treue – heute arbeitet der inzwischen 27-Jährige in der Automobilbranche.

Dienstag, 05.01.2021, 16:02 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 16:56 Uhr
Malte Wies wurde als Jugendlicher eine große Zukunft im Wasserball vorhergesagt. Der Juniorsportler von 2008 spielt heute noch für die SV 91.
Malte Wies wurde als Jugendlicher eine große Zukunft im Wasserball vorhergesagt. Der Juniorsportler von 2008 spielt heute noch für die SV 91.

Mila und Gonzo schleichen durch die Küche. Es ist noch früh, die beiden Samtpfötchen haben ihren Schlaf ebenso abrupt abgebrochen wie Malte Wies. Der 27-Jährige braut sich schlaftrunken seinen Kaffee. Vorher geht nichts. In die morgendliche Stille mischen sich unverhofft drei Worte: „Da ist er!“ Worte, in denen der Stolz unweigerlich mitschwingt. Hinter dem Vollautomaten kommt leicht angestaubt ein Stück Erinnerung zum Vorschein. „Juniorsportler des Jahres 2008“: Mit 15 Lenzen ganz oben, die prominente Konkurrenz ausgestochen. Der ambitionierte Wasserballer hat in seinem jugendlichen Leichtsinn bis dato so ziemlich alles erreicht, was zu erreichen ist. Der Titel bei der Wahl am 10. Februar 2009 im GOP-Varieté-Theater zu Münster ist die Krönung. Und etwas, das bleibt. Bis heute.

„Ja, es war besonders“, erinnert sich der gelernte Kfz-Mechatroniker an diesem winterlichen Dienstag. Denkt nach. Nervös wirft er sich damals in Schale, nimmt die Mama und den Papa mit zur Ehrung. Die Beine schlottern, als er auf die Bühne muss. Er ist noch jung, dieser Malte. Aber er macht das gut. Applaus für einen Burschen, der mit der B-Jugend des SV Brambauer 2008 deutscher Meister wird, zum NRW-Landeskader gehört und Teil der Junioren-Nationalmannschaft ist. Mehr geht nicht. Ein würdiger Preisträger.

Fast zwölf Jahre sind seither vergangen. Wies ist inzwischen in der Automobilbranche tätig, wohnt mit der Freundin und zwei Kätzchen zusammen. Träumt von Kindern. „Irgendwann wäre das schön, ja.“ Der Sport ist nach wie vor Teil seines Lebens. Mindestens einmal die Woche zieht es ihn in der Regel in den dunklen Monaten ins Stadtbad Ost und im Sommer ins vereinseigene Freibad Sudmühle zum Training der Wasserballer der Schwimmvereinigung von 1891. Sein Ausgleich zum zeitfressenden Job. Und wenn er mal Bock hat, hüpft er auf dem Drei-Meter-Brett am Sprungbecken, macht einen Salto vorwärts samt halbe Schraube und finisht mit einer klassischen Arschbombe. „Das kriege ich noch gut hin“ – über die Lippen von Malte Wies huscht ein Lächeln.

Mit Wasserspringen bei Juliane Schlechter und Werner Hesse fängt in der SV 91 alles an, dann treibt ihn sein Bruder Sven, heute ein ausgezeichneter Triathlet, zum Wasserball. Nicht gänzlich unschuldig sind auch die Gene, Vater Martin ist ein hervorragender Leistungsschwimmer, Mutter Birgit eine fabelhafte Synchronschwimmerin. Erblich vorbelastet.

Dass es nicht zum Profi reicht, ist der Bodenhaftung Wies’ geschuldet. „Wenn du das Talent hast, musst du deinen Heimatverein verlassen, raus in die Welt gehen, vielleicht ins Ausland“, sagt er. Mit 13 liegt ihm ein Angebot aus Berlin vor. Weg aus Münster, rein ins Internat der Bundeshauptstadt. Zu viel für den Halbwüchsigen. „Ich war oft an den Wochenenden weg, aber so ganz in ein anderes Umfeld hinein für viele Monate – das war nichts für mich“, erinnert sich Wies. Nein, dieser Jugendliche braucht seine Familie, seine Freunde um sich. Der Wechsel nach Brambauer ist so eben zumutbar, da ist er schnell wieder zu Hause.

Mit der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker nach dem Realschulabschluss 2011 löst sich Malte Wies mehr und mehr von dem Gedanken, mit seinem Sport ganz groß rauszukommen. Die Prioritäten verschieben sich. „Das Leben verändert sich“, sagt er, ohne gefrustet zu sein. Vielmehr liebt er heute seinen Beruf, seine Freundin und die beiden tierischen Mitbewohner. Ja, der Juniorsportler von 2008 ist mit sich und der Welt da draußen im Reinen. Und der Pokal wird seinen Ehrenplatz in der Küche hinter der Kaffeemaschine auf ewig verteidigen.  André Fischer

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