Ruder-Bundesliga
Rolf und Nils Warnke bringen schnelle Achter auf Kurs

Münster -

Wenn eine große Mission gelingen soll, dann sollte die eine Hand wissen, was die andere tut – und alle Hände ineinandergreifen. Da kann es schon helfen, wenn die Besitzer der Hände Brüder sind und sich perfekt ergänzen. Rolf und Nils Warnke steuern die Ruder-Bundesliga in die neue Saison ...

Dienstag, 05.01.2021, 16:58 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 11:27 Uhr
Rolf und Nils Warnke (r.) machen – endlich – gemeinsame Sache. Wer das Sagen hat, darüber verweigern die Brüder die Auskunft.
Rolf und Nils Warnke (r.) machen – endlich – gemeinsame Sache. Wer das Sagen hat, darüber verweigern die Brüder die Auskunft. Foto: privat

Reine Familiensache: Die schnellste und spektakulärste Variante des Ruderrennsports ist nach der Corona-Zwangspause fest in Händen der Brüder Warnke. Rolf Warnke (56) hat als Leiter der Sparte Wettkampf beim Deutschen Ruderverband das letzte Wort, Bruder Nils (37) als Regattaleiter und Ansprechpartner für die fünf Veranstaltervereine mehr als nur Mitspracherecht.

„Sehr eng“, so beschreibt Rolf Warnke die Zusammenarbeit mit dem kleinen Bruder, „sehr konstruktiv“, ergänzt Nils Warnke. Gemeinsam stemmt das Duo aus Münster die Organisation der aktuellen Rennserie der Ruder-Bundesliga (RBL). Dass der Höhepunkt der Veranstaltung am 11. September auf dem Aasee stattfinden wird, liegt scheinbar nahe, war aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass Münster der einzige Bewerber war, wie Nils Warnke betont. Allerdings hatte der ausrichtende Regattaverein Münster mit den bisherigen Rennen auf dem Aasee auch eine gediegene Visitenkarte hinterlegt Zum zwölften Mal sollen die deutschen Meister auf der Sprintstrecke ermittelt werden, zum zehnten Mal ist Münster Teil der Serie, zum dritten Mal wird auf dem Aasee das stimmungsvolle Finale ausgerichtet.

Premiere in Münster

Vom Stapel lief das publikumsträchtige Kräftemessen der schnellsten Achter des Landes im Jahr 2009 – natürlich in Münster. Damals hielt Rolf Warnke als Vorsitzender des Regattavereins in Münster (MRV) die Fäden bei der viel beachteten Sprint-Premiere in der Hand. Als er 2013 ins Präsidium des Deutschen Ruderverbandes wechselte, übernahm Bruder Nils das Ruder beim MRV. Wieder einmal gaben sich die Brüder die Steuerseile in die Hand, ohne je gemeinsam im Boot gesessen zu haben. Es ist das erste große Joint Venture von Rolf und Nils Warnke. Erstens, weil beide ihre Ruderkarriere als Steuerleute starteten, von denen es naturgemäß immer nur einen pro Boot geben kann, und zweitens, weil Nils erst so richtig einstieg, als der große Bruder als Funktionär und Schiedsrichter schon wieder festen Boden unter den Füßen hatte. „Mit zehn oder elf Jahren“, so erinnert sich Rolf Warnke, „bin ich zum Rudern gekommen.“ Die Schul-AG des Ratsgymnasiums ebnete in der 70ern den Weg. 1997 war der ältere Warnke-Bruder bei den Weltmeisterschaften auf dem Fühlinger See bereits hinter den Kulissen aktiv. Bruder Nils steuerte im selben Jahr das RVM-Duo Andreas Lütkefels und Falko Fugel auf Platz drei der Deutschen Meisterschaften. Der jüngere der Warnke-Brüder saß bereits „mit fünf oder sechs, genau weiß ich es nicht mehr“ an den Steuerseilen. „Da kamen dann immer die Anrufe aus dem Bootshaus, dass ein Steuermann fehlt.“ Nils sprang ein, wenn die zwei Jahre ältere Schwester Britta keine Zeit oder Lust hatte. Doch grundsätzlich fühlten sich sowohl Nils wie Rolf als Strippenzieher an Land noch wohler als an den Steuerseilen im Boot.

Optimistisch trotz Corona

Jetzt werden die Warnkes mit geballtem Regatta-Knowhow eine Sprintmeisterschaft auf die Beine stellen, die trotz zu befürchtender Corona-Nachwehen reibungslos über die Bühne gehen wird – wenn sie denn ausgetragen wird. „Aber davon gehen wir aus. Es kann gut sein, dass wir Corona-Maßnahmen treffen müssen, aber wir sind insgesamt optimistisch“, erklärt Nils Warnke.

Olympia-Break

Eigentlich ist das nicht der Stil von Rolf Warnke, aber einen Teil der Bundesliga-Serie wird der „Chef“ schwänzen – allerdings von höchster Stelle abgesegnet. IOC-Chef Thomas Bach wird den Münsteraner für die Zeit der Olympischen Spiele im Juli offiziell entschuldigen. Rolf Warnke wird bei der Olympischen Regatta in Tokio als Schiedsrichter vor Ort fungieren – eine seltene Ehre. Nur einen Referee durfte der deutsche Ruderverband entsenden, die Wahl fiel auf den WM-erfahrenen und bewährten Münsteraner, der Ende Juli gen Japan zu seiner Lifetime-Experience abhebt. Denn im Gegensatz zu den Aktiven, die sich immer wieder um die Olympiateilnahme bewerben können, darf ein Ruderschiedsrichter gemäß IOC-Statuten nur ein einziges Mal nominiert werden. Leider fällt der verschobene Olympia-Aufenthalt für Warnke im zweiten Anlauf deutlich bescheidener aus, als ursprünglich geplant. Direkt nach Abschluss der Ruderwettbewerbe muss der Münsteraner zurückfliegen – dafür verpasst er aber im Gegenzug auch nur einen Renntag der RBL.

...

Nachdem der langjährige hauptamtliche Geschäfstführer Boris Orlowski aus beruflichen Gründen seinen Posten geräumt hatte, wurde das Organigramm der Sprintserie überarbeitet. Rolf Warnke wollte die Arbeit nun im Ehrenamt, dafür aber auf mehrere Schultern verteilt, erledigen – und kam dabei nicht am kleinen Bruder vorbei. „Natürlich habe ich vor allem beim Papierkram Unterstützung im Sekretariat des DRV.“ Alles andere wird brüderlich geteilt.

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