Lockdown im Sport
Verbände wollen Saison fortsetzen und denken nicht an Abbruch

Münster -

Die Verlängerung des Lockdowns setzt die Amateursportler unter Druck. In vielen Sportarten bleibt immer weniger Zeit, die Saison fortzusetzen geschweige denn seriös zu beenden. Noch allerdings regiert bei den Verbänden das Prinzip Hoffnung.

Mittwoch, 06.01.2021, 17:07 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 12:06 Uhr
Mundschutz, leere Halle, ein verwaister Ball: Die Pandemie hat den Amateur- und Breitensport lahmgelegt.
Mundschutz, leere Halle, ein verwaister Ball: Die Pandemie hat den Amateur- und Breitensport lahmgelegt. Foto: imago-images

Der Lockdown ist verlängert und somit auch der Stillstand im Amateur- und Breitensport. Deutschland bewegt sich nicht mehr – mindestens bis zum 31. Januar. Es ist eine surreale Situation, vor einem Jahr wäre ein solches Szenario unvorstellbar gewesen. Nun suchen alle nach Lösungen, die Verbände, vor allem der Hallensportarten, sind mittendrin. Jeder klammert sich an die Hoffnung, noch in dieser Saison wieder Wettkämpfe zu haben. „Wir haben so viel getan und hatten zu Beginn so viele Ehrenamtliche im Einsatz – das soll nicht für die Katz gewesen sein“, sagt Andreas Tiemann, Vizepräsident Spieltechnik im Handball-Verband Westfalen.

Verbände wollen „Worst case“ verhindern

Viele Verbände, eine Meinung: Solange der Strohhalm, an den sich gerade alle klammern, nicht bricht, soll ein nochmaliger „Worst case“ (Tiemann), der zweite nach dem kollektiven Abbruch im Frühjahr 2020, verhindert werden. Und die laufende Spielzeit eine sachdienliche und faire Wertung erfahren. Eine Herkules-Aufgabe in der Pandemie. „Wir kennen und sehen die Zahlen“, erklärt Michael Keil, der langjährige Geschäftsführer des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes (WTTV). Gleichwohl mag er sich nicht mit der Annullierung der im Oktober unterbrochenen Punkterunde beschäftigen. „Die Vorgaben von Politik und Kommunen sind unsere Orientierung. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, wieder spielen zu dürfen, wollen wir das auch tun“, so Keil.

Die Mehrheit der Vereine im WTTV-Ressort sieht er hinter sich: „Ich glaube schon, dass die meisten starten würden und sich eine Auf- und Abstiegsentscheidung wünschen.“ Bereits im vergangenen Jahr hat der Verband seinen Spielplan eingedampft und auf eine einfache Runde (ohne Rückspiele) reduziert. Und wenn in dieser mehr als die Hälfte der Spiele erreicht wird, genügt das, um die Saison ordnungsgemäß mit Auf- und Abstieg zu werten.

„Playoffs“ zur Ermittlung der Aufsteiger?

Im Handballverband Westfalen (HVW) sind noch keine Beschlüsse gefasst worden. „Aber natürlich gibt es Gedankenmodelle“, versichert Vizechef Tiemann. In der dritten Januarwoche will der HVW seine Clubs digital ins Boot holen und Meinungen abfragen. Danach solle gemeinsam entschieden werden. Tiemann glaubt an die Chance, den Wettkampfbetrieb rechtzeitig wieder aufnehmen zu können. „Wenn das gefahrlos möglich ist, werden wir den Vereinen etwas anbieten.“ Niemand müsse, aber jeder könne mitmachen. Da es wohl keine Absteiger geben werde, schlägt sich Tiemann auf die Seite der Aufstiegswilligen. „Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, halte ich es für vorstellbar, dass nur die Teams spielen, die eine Klasse rauf wollen.“

Das kann sich auch Uwe Plonka vorstellen. Dem Chef des Westdeutschen Basketball-Verbandes (WBV) schwebt eine „kleine Playoff-Runde für die ambitionierten Teams“ vor. Im Gegensatz zu den anderen Hallensportarten haben die Korbjäger auf Amateur-Ebene noch nicht mit der Saison begonnen (Ausnahme 1. Regionalliga). In den nächsten Tagen wollen sie einen neuen Spielplan aufsetzen. „Wenn wir vor Ostern in die Hallen kommen, könnte ein verkürzter Spielbetrieb möglich sein“, sagt Plonka. Schon vor einiger Zeit wurde das Saisonende von Ende Mai auf Ende Juni verschoben. „Dadurch gewinnen wir einen vollen Monat.“ An einen Abbruch der Runde denkt Plonka aktuell nicht: „Ich bin immer Optimist und werde die Saison nicht aufgeben.“

Wenn die Inzidenzzahlen so bleiben, haben wir schlechte Karten.

Hubert Martens, Präsident des Westdeutschen Volleyball-Verbandes

Hubert Martens teilt die Zuversicht des Kollegen Plonka. „Wir sind der festen Überzeugung, dass auch in dieser Saison noch etwas möglich ist und wir zu einer fairen Wertung der Saison kommen können“, sagt der Präsident des Westdeutschen Volleyball-Verbandes. Dies sei auch im Interesse der Vereine, die im November vergangenen Jahres abgefragt worden seien. Es habe „klare Signale“ gegeben, dass man wieder ins Training und in den Wettkampf wolle, sobald dies zulässig sei. Martens verweist darauf, dass in den unteren Klassen Punktspiele bis in den Juni hinein möglich seien. Er sagt aber auch: „Wenn die Inzidenzzahlen so bleiben, haben wir schlechte Karten.“


Wie sollen es weitergehen mit Sportwettbewerben in der Corona-Pandemie? Bisher haben die zuständigen Verbände oft mit dem Finger auf die Politik gezeigt. Doch damit muss jetzt Schluss sein, meint unser Redakteur Wilfried Sprenger in seinem Kommentar zum Lockdown im Amateursport. Der Ball der Verantwortung liege in den Händen der Verbände.

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