Münsters Juniorsportler des Jahres: Kim Behrens siegt im Jahr 2009
Kickstart für die Karriere in der Sand-Arena

Münster -

Sie hat keinerlei Scheu, als es sie 2007 aus Bremen nach Münster verschlägt. Kim Behrens besucht das Sportinternat, spielt für den USC und wird 2009 zur „Juniorsportlerin des Jahres“ gewählt. Und dann steht sie vor einer nicht unwichtigen Zukunftsentscheidung.

Donnerstag, 07.01.2021, 16:54 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 17:05 Uhr
Kim Behrens
Kim Behrens Foto: Jürgen Peperhowe

Kim Behrens beschleicht schon wenige Stunden vor der Gala zur Wahl von Münsters Sportler des Jahres 2009 ein besonderes Gefühl. Das „kleine Schwarze“ hat sich die junge Volleyballerin des USC Münster ausgesucht, dazu ein kurzes Jäckchen gewählt. Doch Ruth Funk, damals wie heute Leiterin des Sportinternats und gute Seele, rät ihr von dem Accessoire ab. „Zieh das nicht an“, rät sie der Internatsbewohnerin.

Kennt Funk etwa das streng gehütete Ergebnis bereits? Weiß sie schon, dass Behrens wenig später auf der großen Bühne des GOP-Varietés zur Juniorsportlerin 2009 gekürt wird. „Im Nachhinein hatte ich das Gefühl, dass Ruth Bescheid wusste. Ich habe es aber nicht gecheckt“, sagt die gebürtige Bremerin, die als damals ­17-Jährige einen „coolen Abend“ erlebt. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich gewinne. Ich habe mich sehr gefreut, der Pokal steht immer noch in meinem Zimmer in Bremen.“

Anlaufprobleme hat Behrens in Münster keine. 2007 kommt sie von der Weser an die Aa, das quirlige Volleyball-Küken ist sofort „Feuer und Flamme“ für die neue Herausforderung in fremder Umgebung. „In Bremen konnte ich nie genug bekommen vom Training, habe in vier Mannschaften gespielt“, sagt Behrens. „In Münster wurde ich gefordert, das war super.“ Das Sportinternat, in dem damals unter anderem auch ihre Teamkollegin Ines Ba­then (Juniorsportlerin 2007) und Weitspringerin Lena Malkus (2010) wohnen, und Behrens – das passt. Die 1,79 Meter große Rechtshänderin startet durch, avanciert zur Jugend-Nationalspielerin und spielt sich über die Zweitliga-Truppe des USC in das Erstliga-Aufgebot von Trainer Axel Büring. Behrens mischt an der Seite von Maren Brinker oder Gwendolin Horemans munter mit im Oberhaus. Doch zum Hallenvolleyball mischt sich immer mehr auch die Beach-Variante, die zunächst „fast keine Option“ ist. Als Behrens aber nicht mehr zur Junioren-Auswahl eingeladen wird und Büring die Außenangreiferin zur Libera umfunktionieren will, reift der Entschluss zum Wechsel in den Sand. „Ich musste mich irgendwann entscheiden: Bundesliga in der Halle oder Beach. Und da habe ich mich nach langem Hin und Her für Beachvolleyball entschieden“, sagt Behrens, die neben dem Sport eine Ausbildung bei der Polizei macht und mittlerweile Kommissarin ist.

Die richtige Wahl. Schon 2011 wird sie mit Sandra ­Seyfferth Vierte bei der U-19-EM, ein Jahr später beendet sie die U-21-WM mit Chris­tine Aulenbrock als Fünfte. Es folgen Siege auf der nationalen Serie, der europäischen Tour und Top-Platzierungen auf der Welttour – mal mit Seyfferth, mal mit Nadja Glenzke oder Anni Schumacher, mal mit Cinja Tillmann, mit der sie in den beiden vergangenen Jahren jeweils DM-Dritte in Timmendorfer Strand wird und mit der sie im September EM-Silber in Jurmala gewinnt. Es ist der krönende Abschluss, nach zwei erfolgreichen Jahren ist Schluss. Der Neuanfang ist für Behrens eine Wiedervereinigung, ab sofort spielt sie wie 2017 und 2018 mit Sandra Ittlinger – als Fernziel hat das Duo, das 2018 deutscher Vizemeister wird und auf Rang 13 der Weltrangliste geführt wird, die Olympischen Spiele 2024 in Paris im Blick.

Ein ambitioniertes Ziel, das sich Behrens steckt. Doch Herausforderungen nimmt die mit dem niederländischen Beachvolleyballer Steven van de Velde verlobte und in Den Haag lebende ­28-Jährige gerne an. Der Wechsel aus der Halle in den Sand, häufige Trennungen von ihren Partnerinnen, dazu der in erster Instanz erfolgreiche Rechtsstreit mit dem Deutschen Volleyball-Verband um dessen Nominierungskriterien – Behrens ist eine Kämpferin, lässt sich nicht unterkriegen. Das ist schon bei ihrer Ankunft 2007 im Sportinternat zu merken.

 Henner Henning

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