Serie: Der Sport in der Corona-Falle
Im Boxzentrum fliegen nur im Ausnahmefall die Fäuste

Münster -

Handschuhe geschnürt und ab in den Ring: Eine handverlesene Auswahl an jungen Boxern und Boxerinnen darf die Fäuste fliegen lassen, doch sie sind die Ausnahme von der Regel: Auch im Boxzentrum Münster ist bedrückende Ruhe eingekehrt.

Donnerstag, 21.01.2021, 19:42 Uhr
Boxen im Boxzentrum: Das wird vermutlich dauern.
Boxen im Boxzentrum: Das wird vermutlich dauern. Foto: Peter Leßmann

Das Boxzentrum Münster ist eine der raren Sportstätten der Region, in denen aktuell noch Sport betrieben werden darf. Das hängt damit zusammen, dass die Anlage am Schifffahrter Damm ein Stützpunkt im besonderen Landesinteresse ist. Einige wenige Athleten dürfen unter ganz besonderen und strengen Hygiene-Vorgaben rein in die Halle. Abwechselnd trainieren Cheftrainer Farid Vatanparast, Hamdi Yilderim und Dima Pirushkin die jungen Nachwuchsboxer vor Ort.

Immerhin, denn zwei Sportler aus dem Boxzentrum sind just zu nationalen Trainingsmaßnahmen bestellt worden. Carlotta Schünemann (bis 69 Kilo) erhielt eine Einladung zum fünftägigen Bundeskader-Grundlagenlehrgang U 19/U 22 in die Motorwelt Köln (22. bis 26. Januar). Im direkten Anschluss wird Mohamed Siala (bis 60 kg) an gleicher Stelle vom 26. bis 30. Januar im Lehrgang U 19/U 22 versuchen, bei Bundestrainer Andreas Schulze Pluspunkte zu sammeln.

Sonderstatus für Kaderathleten

Das ist das eine, Coach Vatanparast weiß um den Sonderstatus für seine Spitzenathleten, zu denen auch Dilara Gökalan und Dariusz Lassogga sowie einige Kaderathleten von umliegenden Vereinen der Münsterland-Region gehören. Die sportliche Arbeit im Ring ist das eine, da wo die Topathleten versuchen, irgendwie die Form zu halten oder zu retten. Aber das Boxzentrum ist vielmehr auch für seine Verbindung von Sport und Schule bekannt. „Farids Qualifighting“ basiert genau auf diesen beiden Säulen. Wer als Jugendlicher dort trainieren und boxen will, der hat auch in der Schule zu liefern.

Digitales vorantreiben

Erstes Ziel von Marliese Kosmider, die die Gesamt-Organisation der Nachhilfe inne hat, ist, dass sich die Noten verbessern. Andernfalls, und das ist eine Kernbotschaft des Projekts, gibt es auch keine Chance, am Training teilzunehmen. Das eine bedingt das andere. Aktuell ist aber nichts vonb beiden möglich.

Kosmider koordiniert in Spitzenzeiten nicht nur bis zu 129 Schüler, davon an manchen Tagen 60 gleichzeitig, sondern auch 28 Nachhilfelehrer. Durch Corona ist auch hier alles viel, viel schwieriger geworden.

„Wir sind Schritte vorangekommen, natürlich setzen wir beim Unterricht auf mehr Digitalisierung“, sagt Vatanparast. Vorher, vor der Pandemie, waren die Lernzeiten nicht nur klar vorgegeben, sondern auch die Räumlichkeiten besuchbar. Nun muss die Mannschaft um Marliese Kosmider ausweichen in die digitalen Räume. Und hier geht es langsam wieder voran. Nur kann man seine Kadetten jetzt auch leicht verlieren.

Denn tatsächlich hat die Pandemie beide Säulen beschädigt, bis auf die handverlesenen Kaderathleten kann niemand trainieren in der Boxhalle. Über Videos, mal bei WhatsApp oder auch YouTube, werden die Athleten herausgefordert. „Challenges sind das, es geht ums Laufen oder Liegestütz, vielleicht Schattentraining, was natürlich kein richtiger Trainingsersatz ist“, sagt Vatanparast.

Abrechnung nach Pandemie

Er ist selbst gespannt, wie viele von den jungen Athleten nicht mehr zum Boxsport zurückkehren werden, die Abrechnung kann erst gemacht werden, wenn der Trainings- und Nachhilfebetrieb im Boxzentrum wieder unter voller Auslastung läuft. Es dürfte dem Faustkampf nicht anders ergehen als anderen Sportarten. „Normalität erreichen wir erst wieder“, sagt er, „wenn wir wieder als Gemeinschaft hier stattfinden dürfen.“

Schulisch sei das alles sehr problematisch für eine Reihe von jungen Athleten, ohne die Lernergänzung im Boxzentrum voranzukommen. Sportlich bauen viele Athleten ab, weil sie aufgrund des fehlenden Trainings Gewicht zulegen. Aber auch hier bleibt Vatanparast Optimist: „Natürlich haben viele Leistung abgebaut. Aber wir werden schnell wieder zu den Leistungsständen hinkommen, wenn es wieder normal läuft.“

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