Volleyball: Bundesliga Frauen
Lacerda-Schock trübt den Aufwärtstrend des USC Münster

Münster -

Die Saison für Helo Lacerda ist wohl gelaufen. Nach der ersten Diagnose hat sich die Brasilianerin des USC Münster am Donnerstagabend in der Bundesliga-Partie beim Allianz MTV Stuttgart einen Riss der Achillessehne zugezogen, ein MRT-Untersuchung soll detailliert Aufschluss geben. Die böse Verletzung stellte die Leistung der Unabhängigen in den Schatten, die beim 1:3 durchaus ansprechend war.

Freitag, 22.01.2021, 16:14 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 17:25 Uhr
Ungewohnte Rolle, gewohnt starke Leistung: Linda Bock, hier gegen Pia Kästner, überzeugte in Stuttgart im Angriff.
Ungewohnte Rolle, gewohnt starke Leistung: Linda Bock, hier gegen Pia Kästner, überzeugte in Stuttgart im Angriff. Foto: Tom Bloch

Helo Lacerda hockte leicht versetzt hinter der Spielerbank wie ein Häuflein Elend, das linke Bein hochgelegt und weinte bittere Tränen. Während ihre Teamkolleginnen sich noch tapfer in der Scharrena gegen den Allianz MTV Stuttgart wehrten und sich gegen die 1:3-Niederlage stemmten, hatte die brasilianische Diagonalangreiferin nach der Erstversorgung schon die Gewissheit, dass sie sich schwer verletzt hatte.

Ihre Abwehraktion beim 6:8 im dritten Satz hat böse Folgen, eine erste Diagnose – eine MRT-Untersuchung steht noch aus – lautete Riss der Achillessehne. Sechs Monate Pause, Saisonende für die 30-Jährige, die zuletzt aufsteigende Form hatte. Am vergangenen Samstag gegen den Dresdner SC war sie wertvollste Spielerin, in Stuttgart hatte sie bis zu ihrer Verletzung schon neun Punkte auf dem Konto „Das ist an allererster Stelle bitter für Helo. Ich hoffe, dass sie es emotional gut auffängt“, sagte Ralph Bergmann, Trainer des Bundesligisten USC Münster.

Aber auch für die Unabhängigen hat der Ausfall Konsequenzen, der Kampf des Tabellenzehnten um einen Playoff-Platz wird nun sicher nicht einfacher. „Wir müssen jetzt personell das große Karussell anschmeißen“, meinte Bergmann, der wie in Vilsbiburg schon auf Top-Angreiferin Anika Brinkmann (Fersenverletzung) verzichten musste. Umstellungen waren nötig, wie gegen Dresden (0:3) agierte Linda Bock als Angreiferin – und war erneut eine positive Erscheinung. 15 Zähler, darunter fünf Blocks, machten sie zur Topscorerin vor Nele Barber (11). „Sie hat das richtig gut gemacht“, lobte Bergmann die Libera.

Bock und Barber an der Seite

Ihre Position übernahm eine 18 Jahre alte Bundesliga-Debütantin, Erika Kildau feierte ihre Premiere im Volleyball-Oberhaus. Ein Fakt, der bei Helos Pech ein wenig untergegangen war. Dabei löste die angehende Abiturientin ihre Aufgabe gegen den Spitzenreiter trotz einiger Annahmefehler ordentlich, kassierte von ihrem Coach ein dickes Kompliment. „Die Situation war für Erika nicht leicht. Aber sie hat ein sagenhaftes Spiel gezeigt“, meinte Bergmann. In der Tat reihte sich Kildau, der Bock und Barber in der Annahme mit guten Quoten zur Seite standen, in das verbesserte USC-Ensemble ein. „Wir haben viele Dinge so umgesetzt, wie wir uns das vorgenommen hatten“, so Bergmann. „Ich denke, dass wir eher zufrieden als enttäuscht sein dürfen. Wenn ich unsere Leistungen gegen Dresden und in Stuttgart mit ,copy and paste’ ins Suhl-Spiel kopieren könnte, würde ich mich noch mehr darauf freuen.“

Bleibt Debütantin Kildau im Team?

In einer Woche gastiert der VfB aus Thüringen am Berg Fidel. Will der USC die Playoffs im Blick behalten, ist ein Sieg unabdingbar. Das Helo-Aus, das den Aufwärtstrend in puncto Auftreten, Emotionalität und spielerischen Akzenten in den Hintergrund drängte, fordert personelle Umstellungen. Bleibt Kildau im Team und macht so Bock für die Außen- und Brinkmann für die Diagonalposition frei? Oder rotiert Bock zurück auf ihren angestammten Posten und der USC spielt in gewohnter Formation mit Liza Kastrup als formell einzige Diagonale? „Wie wir es machen, weiß ich noch nicht. Erste Gedankenspiele gibt es, aber wir überlegen das in Ruhe“, sagte Bergmann. Zeit dafür hat er am Wochenende. Das ist frei für das Team, das sich von dem Schock und den Strapazen erholen kann – um dann neu anzugreifen.

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