Fußball: Regionalliga West
Preußen gönnen sich leicht schmutzigen Sieg in Bergisch Gladbach

Bergisch Gladbach -

Was zählte, waren nur die drei Punkte. Die waren im Gepäck auf der Rückreise. Das 1:0 beim SV Bergisch Gladbach fuhr Preußen Münster mit dem nötigen Glück in zwei undurchsichtigen Situationen ein. Der Gast tat sich schwer damit, Lücken in der Abwehr des Abstiegskandidaten zu finden.

Sonntag, 24.01.2021, 14:55 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 10:53 Uhr
Kurze Verwirrung, aber der Ball ist drin, das Tor zählt: Jules Schwadorf (2.v.r.) schaut zum Linienrichter und lässt sich feiern, Kollege Nicolai Remberg (l.) ist noch zurückhaltender, während die Bergisch Gladbacher Claudio Heider und Dennis Lohmann (r.) protestieren.
Kurze Verwirrung, aber der Ball ist drin, das Tor zählt: Jules Schwadorf (2.v.r.) schaut zum Linienrichter und lässt sich feiern, Kollege Nicolai Remberg (l.) ist noch zurückhaltender, während die Bergisch Gladbacher Claudio Heider und Dennis Lohmann (r.) protestieren. Foto: Jürgen Peperhowe

An dem Ort, den der rheinische Volksmund liebevoll oder hämisch „Schäbbisch Jläbbisch“ nennt, war der Sieg von Preußen Münster tatsächlich eher schmutzig oder dreckig, erkämpft und erarbeitet. Nicht unverdient, also auch nicht schäbig, aber kein Glanzstück. Mit dem 1:0 (0:0) beim abstiegsgefährdeten, jedoch keineswegs so auftretenden SV Bergisch Gladbach 09, blieben die Adler auch im zweiten Rückrundenspiel makel- und gegentorlos. So solide das in der Deckung lief, so sehr musste Fortuna in zwei Szenen zur Hilfe eilen für die drei Punkte.

Bindemann erstmals im Aufgebot

Ein neues Gesicht tauchte am Samstag im Preußen-Kader auf. Deniz Bindemann, der in der vergangenen Saison noch dicht vor einem Wechsel zu Bayer Leverkusen stand, wurde erstmals ins 18er-Aufgebot berufen, blieb aber ohne Einsatz. Der 17-Jährige, der 2003 geboren wurde, ist sogar noch Jungjahrgang bei den A-Junioren. Die pausieren aber nun schon seit November. Der Angreifer kann allerdings nicht die Füße hochlegen. Er trainiert bereits regelmäßig mit den Profis mit. Nicht nur, um sich fit zu halten, sondern offenbar auch, weil er langsam tatsächlich eine Alternative wird, gerade wenn Offensive wie Alexander Langlitz, William Møller oder Justin Möbius fehlen.

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„Eine Halbchance, mehr war es nicht“, sagte Trainer Sascha Hildmann über das goldene Tor. Der Abpraller nach einem Freistoß von Dennis Daube landete vor den Füßen von Okan Erdogan, der einfach abzog. „Meine Position bei Standards ist im Rückraum. Ich habe den Ball gar nicht voll getroffen. Aber er kam dann perfekt ...“ Und zwar für den zur Pause eingewechselten Jules Schwadorf, der das Sichtfeld von Keeper Dennis Lohmann versperrte und die Kugel dann noch leicht, aber entscheidend touchierte (63.). „Ich war dran, habe ein bisschen spekuliert und den Ball dann vorbeigespitzelt. Sonst hätte der Torwart ihn wahrscheinlich gehalten“, sagte Schwadorf. Der Gastgeber reklamierte vehement Abseits. War’s aber nicht.

Auch die Proteste in der Nachspielzeit brachten wenig. Da wurde es noch strittiger. Jannik Borgmann, gerade auf dem Feld, berührte im eigenen Sechzehner zwar Meguru Odagaki, der Japaner hob aber nach (Preußen-)Zeugenaussagen vorher schon ab. Gelb für Schwalbe statt Elfmeter. Co-Trainer Andreas Dreiner brachte es auf die Palme, er sah glatt Rot (90.+2). Wurde auch schon anders gewertet. „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Aber der Schiri stand fünf Meter daneben und hatte eine andere Sicht als ich“, sagte Hildmann, während Borgmann zumindest den Kontakt einräumte.

Scherder nun gesperrt

Die einzige Änderung in der SCP-Startelf geschah mit Ankündigung. Roshon van Eijma ersetzte in der Innenverteidigung den gelbgesperrten Marcel Hoffmeier und machte seine Sache solide, nur im Aufbau gab es ein paar Probleme. Platz machen muss der Niederländer in der kommenden Woche aber noch nicht. Denn auch Nebenmann Simon Scherder sah nun die fünfte Verwarnung und fehlt damit nächsten Samstag zu Hause gegen den SV Straelen. „Es ist schon gut, dass Hoffmeier zurückkommt. Wir hatten hinten viel den Ball – und in der Spieleröffnung fehlte er uns schon“, sagte Trainer Sascha Hildmann. Sein Comeback für knapp 20 Minuten feierte Joshua Holtby, der einige Tage mit muskulären Problemen aussetzen musste.

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Ansonsten war die Vorstellung eher mau. Die Gäste trafen angreifend auf eine Fünferkette, einen taktisch disziplinierten Gegner, der aber auch im Pressing und mit eigenen Ideen sein Glück versuchte. Beiden Seiten fehlte dennoch jegliche zündende Idee. „Wir waren teilweise zu ungenau, zu langsam, Pässe sind nicht angekommen. Da müssen wir uns steigern“, sagte Hildmann. Ab und an ein Distanzschuss, mal eine scharfe Flanke, die die Stürmer knapp verpassten – mehr klappte nicht. Eher aus dem Nichts kamen die drei Abschlüsse von Joel Grodowski (1., 18., 31.), von denen der zweite als Direktschlenzer aus der Drehung kam und ans Lattenkreuz klatschte. Der 23-Jährige lief viel, war oft am Ball und wirkte trotzdem angefressen. „Er sucht seine Form, hat einen Hänger. Vielleicht ist es der Kopf, wir müssen mal reden. Er hadert oft, das macht es nur leider selten besser“, so sein Coach. Der unbedingte Wille ist dennoch spürbar beim 23-Jährigen. Immerhin.

Verteidigen können alle Mannschaften.

Sascha Hildmann

Denn auch von seinen Kollegen war es schwere Kost, keiner empfahl sich für höhere Weihen. Nur Schwadorf brachte nach der Pause mit seiner Einwechslung etwas Schwung. Der 28-Jährige betonte: „Chancen hatten beide Seiten ja eher wenig. Oft entscheidet dann die individuelle Qualität. Die haben wir.“ Hildmann wählte fast die gleiche Wortwahl, verwies auch auf die Klasse einzelner (wie eben Schwadorf). „Verteidigen können alle Mannschaften, da müssen wir Lücken finden. Ich wusste, dass es zäh würde. Analysieren müssen wir den Auftritt trotzdem.“ Schließlich warten in den nächsten Wochen ganz ähnliche Kaliber, die um den Klassenerhalt ringen und sich tief staffeln.

Drei Fragen an Max Schulze Niehues

Max Schulze Niehues war selten beschäftigt, aber wenn, dann immer auf dem Posten. Doch als es plötzlich hektisch wurde, verlor auch der umsichtige Preußen-Keeper kurz den Überblick.
90 Minuten lang war nicht allzu viel los vor Ihrem Tor, aber kurz vor Schluss herrschte plötzlich das totale Chaos. Was war da passiert – und vor allem: War es ein Elfmeter?
Schulze Niehues: So genau habe ich das auch nicht gesehen, da war ziemlich viel Betrieb vor mir. Aber ich habe was gehört. Irgendein Kontakt war da schon. Aber ob es ein Elfmeter war oder nicht, kann ich wirklich nicht sagen. Das war eine 50:50-Entscheidung.
Abgesehen davon hatten Sie einen ruhigen Nachmittag, aber trotzdem war es ein ganz schweres Spiel. Woran lag es?
Schulze Niehues: Bergisch Gladbach hat das sehr gut und uns das Leben echt schwer gemacht. Und hinten konnten wir auch nie sicher sein, dass da nicht mal doch einer durchrutscht.

Also ein typisches 0:0-Spiel mit einem glücklichen Sieger?
Schulze Niehues: Ja, vielleicht. Aber das ist auch egal. Ich kann mit dem Ergebnis auf jeden Fall gut leben.

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