Fußball: Regionalliga West
Preußen stolpern beim „Gehacke“ von Lotte

Lotte -

Die Serie ist gerissen. Erstmals ging Preußen Münster in diesem Kalenderjahr nicht als Sieger vom Platz. Immerhin bleiben die Adler ungeschlagen. Das 1:1 bei den SF Lotte wurde zu dem Spiel, was zu befürchten war. Dennoch schenkte der SCP das Erfolgserlebnis her.

Sonntag, 07.03.2021, 13:52 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 14:44 Uhr
Jules Schwadorf verschoss den Elfmeter.
Jules Schwadorf verschoss den Elfmeter. Foto: Jürgen Peperhowe

Seit Mitte der Nullerjahre kreuzen sich die Wege der SF Lotte und Preußen Münster praktisch regelmäßig. Eigentlich nie haben es die Sportfreunde den Adlerträgern bei den direkten Aufeinandertreffen leicht gemacht, schon gar nicht, wenn Lotte Heimrecht genoss. So gesehen waren praktisch alle darauf vorbereitet, was dem SCP an einem ruppigen März-Samstag beim Gastauftritt bevorstehen würde: Kampf, Kampf, Kampf, garniert dank der savannenartig unebenen Rasenfläche mit Krampf, Krampf, Krampf. Das 1:1 (0:0) feierten die abstiegsbedrohten Hausherren wie einen Sieg, die zuletzt von Erfolgen mit Schnellstarter-Treffern und Last-Minute-Eingebungen bedachten Preußen nahmen es wie eine bittere Niederlage auf .

Eine Frage an Alexander Langlitz

Alexander Langlitz traf zum 1:0, das reichte dem SC Preußen nicht zum Sieg.

Was fehlt in Lotte?
Langlitz: Wir waren ein bisschen zu hektisch. Das Gegentor können wir in der Entstehung verhindern. Außerdem hatten wir nicht viele Torchancen. Lotte hat mit allem gespielt, was sie haben. Aber ich fand jedenfalls nicht, dass der Gegner in dieser Partie galliger agiert hat als wir.

...

Nach makellosen fünf Siegen in diesem Jahr zeigte Lotte dem SCP, was mit Zweikampfhärte und Disziplin machbar ist. Trainer nennen solche Leistungen wie die der Lotter fast schon ehrfurchtsvoll „eklig zu bespielen“, ein Ritterschlag im modernen Fußball. Vor der Pause hatten die Schützlinge von Coach Sascha Hildmann ein veritables Defizit in den Zweikämpfen zu verbuchen und verloren die zweiten Bälle in Hülle und Fülle. „Ja, wir haben uns schwer getan“, befand Hildmann.

Fußballerischer Abnutzungskampf

Dass seine Mannschaft lange nicht auf derselben Betriebstemperatur wie Lotte war, sah er nicht so: „Unser Einsatz war zu 100 Prozent da. Ich habe zwei Mannschaften gesehen, die alles gegeben haben.“ Auch Münster habe die Zweikämpfe angenommen. Und, in Anbetracht der Platzverhältnisse sagte Hildmann: „Hier konnten wir unsere bessere Anlage nicht umsetzen. Diese Art des Spiels mussten wir mitspielen.“ Lotte hatte Münster in eine Art fußballerischen Abnutzungskampf gedrängt, wo Wille und Biss zählen, Taktik und Finesse weniger. Also rangelten und schubsten sich die beiden Parteien im Mittelfeld, die echten Torchancen blieben daher Mangelware. Die einzige Hoffnung war ein Neuanfang in Halbzeit zwei.

Änderungen nur im Kader

Wie erwartet veränderte SCP-Coach Sascha Hildmann seine Startelf nicht. Nach den Siegen über den 1. FC Köln II (3:2) sowie Alemannia Aachen (4:1) durfte die Stammformation erneut ran. Dagegen tauschte Hildmann gleich vier Reservisten aus. Nur Ersatztormann Marko Dedovic sowie Joel Grodowski und Okan Erdogan waren erneut im 18er-Spieltagskader. Münster versuchte es im 4-1-2-3-System. Der Ex-Lotter Gianluca Przondziono gehörte zwar zum Aufgebot der Preußen, kam aber gegen seinen früheren Club nicht zum Einsatz. Hildmann wechselte lediglich dreimal in dieser Partie, zumal er mit Grodowski nur eine offensive Alternative nominiert hatte.

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Na ja, das mit den Möglichkeiten blieb Wunschdenken. Dennoch kam Farbe in die Partie, als Nino Lacagnina einen Schuss von Gerrit Wegkamp, die sichere Führung für Münster, nach 66 Minuten mit der Hand abwehrte. Er sah Rot, und der sprunghafte Schiedsrichter Christopher Schütter (Werl) zeigte auf den Punkt. Elfmeter, die beste aller Chancen.

„Ich habe versucht, den Torwart auszuschauen, aber er hat sich nicht bewegt“, umriss Jules Schwadorf den folgenden Fehlschuss, Jhonny Peitzmeier hielt locker. Es war ein katastrophal schwach geschossener „Elfer“, der vierte Fehlschuss der Preußen in dieser Saison bei sieben Versuchen. Keine gute Bilanz. Schwadorf machte seinen kapitalen Fehler wenig später gut, als sein Freistoß von Alexander Langlitz’ Hinterkopf zum 1:0 ins Tor getätschelt wurde. Beide Szenen passten zum Spiel, da war nichts von fußballerischer Leichtigkeit zu sehen, die man vom SCP schon erwartet hätte.

Holtby zetert, Hildmann sieht Gelb

Nachdem Joshua Holtby nach 57 Minuten und einer durchwachsenen Leistung ausgewechselt worden war, war der Zorn des Mittelfeldspielers nicht verraucht. Er zeterte auf der Reservebank und donnerte gegen die Blechwand. Schiedsrichter Christopher Schütter sah sich deshalb gezwungen, der SCP-Bank die Gelbe Karte zu zeigen – ausgesprochen wurde sie gegen den „Ranghöchsten“: Trainer Sascha Hildmann. Der 29 Jahre alte Referee aus Werl verlor in der zweiten Hälfte auf beiden Seiten den Faden. Er passte sich der spielerischen Qualität in seinem 44. Regionalliga-Einsatz an.

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Nun gut, mit einem Mann mehr und bei noch knapp 20 Spielminuten sollte doch nichts mehr schiefgehen für die Preußen, oder? Natürlich nicht, das ging nicht gut, dieses „Gehacke“, wie es Hildmann in Teilen gesehen hatte. Lotte bekam auf der halbrechten Seite einen umstrittenen Freistoß zugesprochen, keiner wusste so recht, ob nun Münsters Lukas Frenkert oder Lottes Sertan Yegenoglu gefoult hatte. Die Sportfreunde nutzten die Standardsituation jedenfalls zum Ausgleich, weil Justin Plautz mit Filip Lisnic den passenden Abnehmer fand.

Tja, so war das in einer intensiven Partie. Münsters Siegesserie ist Geschichte, doch der SCP bleibt in diesem frischen Fußballjahr ungeschlagen. Eigentlich geht es ja doch in die richtige Richtung mit den Preußen.

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